Katholische Kirche in Bayern Stefan Oster wird neuer Bischof von Passau

Stefan Oster ist der neue Bischof von Passau.

(Foto: dpa)

Das lange Warten hat für die Katholiken im Bistum Passau ein Ende: Papst Franziskus hat den Salesianer-Pater Stefan Oster zum neuen Bischof der Heimatdiözese von Benedikt XVI ernannt. Der neue Oberhirte von Passau gilt als unkonventionell.

Von Jakob Wetzel und Wolfgang Wittl

Es ist eine unkonventionelle Wahl: Papst Franziskus hat den Salesianerpater Stefan Oster zum neuen Bischof von Passau ernannt; die Entscheidung wurde am Freitagmittag in Rom und Passau verkündet. Der 48-jährige Oster, der bislang im Kloster in Benediktbeuern lebt, gilt als theologisch konservativ, aber menschennah; bei öffentlichen Auftritten machte er durch Jonglier-Einlagen von sich reden, es gibt Aufnahmen, die zeigen ihn mit rot angemalter Nase.

Er wird am 24. Mai im Stephansdom in Passau vom Münchner Erzbischof Reinhard Marx zum Bischof geweiht. Er wird der jüngste Oberhirte in allen 27 deutschen Diözesen sein. Oster selbst hat bereits vor zwei Wochen vom päpstlichen Nuntius in Berlin erfahren, dass er Bischof wird. Dennoch zeigte er sich nach der Bekanntgabe am Freitag bewegt. Er sei ein leidenschaftlicher Seelsorger, sagte er im Kloster Benediktbeuern. Nun hoffe er, als Bischof nicht zum Manager zu mutieren.

Er werde überlegen, welche Aufgaben er delegieren kann. Was ihn genau erwartet, weiß er nicht: Oster hat keine Führungserfahrung in der Kirche. Vergangene Woche habe er deshalb Rudolf Voderholzer besucht: einen Vertrauten, der seit etwas mehr als einem Jahr Bischof von Regensburg ist. Von ihm habe er einen ersten Crash-Kurs im Bischof-Sein erhalten.

1995 beschloss Oster, Geistlicher zu werden

Zumindest seine Wohnung steht bereits fest: Er wird zunächst im Passauer Priesterseminar leben, in einem möblierten Zimmer, weil er als Salesianer außer Büchern kein Eigentum mitbringt. Später wird er in die Dompropstei ziehen: Seine künftige Wohnung dort wird derzeit renoviert.

Der 48-jährige Oster ist ein kirchlicher Späteinsteiger. Der gebürtige Amberger ist gelernter Zeitungs- und Radiojournalist. 1995 beschloss er, Geistlicher zu werden, trennte sich von seiner Freundin und trat in den Orden der Salesianer Don Boscos ein. 2001 wurde er zum Priester geweiht; 2009 habilitierte er sich bei Voderholzer in Trier.

Zuletzt lehrte er Dogmatik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule und der Katholischen Stiftungsfachhochschule in Benediktbeuern. Rasch galt er auch als Kandidat für einen Bischofsstuhl. Vor zwei Jahren war er als Nachfolger von Gerhard Ludwig Müller in Regensburg im Gespräch; das Amt ging damals an seinen Lehrer Voderholzer.

Zollitsch mahnt Bischöfe zur Bescheidenheit

Eindringliche Worte vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz: Robert Zollitsch ruft die Bischöfe nach dem Skandal um Tebartz-van Elst zu einem demütigen und bescheidenen Leben auf. In der Domstadt und Umgebung steigt die Zahl der Kirchenaustritte sprunghaft an. Der Limburger Bischof selbst will sich nicht äußern - einen zunächst angekündigten Brief werde es doch nicht geben. mehr ...

Mit Osters Ernennung endet nun für die etwa 480 000 Katholiken im Bistum Passau eine ungewöhnlich lange Zeit der Ungewissheit. Einen Bischofsstuhl neu zu besetzen, dauert in der katholischen Kirche meist nicht länger als ein Jahr. Doch Osters Vorgänger Wilhelm Schraml, 78, hatte bereits vor drei Jahren aus Altersgründen seinen Amtsverzicht angeboten. Im Oktober 2012 hatte Papst Benedikt XVI. den Rücktritt akzeptiert.

Weil ein Nachfolger fehlte, musste Schraml sein Bistum aber weiterhin leiten, nur als Administrator. Im September 2013 setzte der sichtlich amtsmüde Alt-Bischof ein Zeichen: Er verlegte seinen Wohnsitz von Passau nach Altötting. Papst Franziskus entband ihn daraufhin von seinen Aufgaben - statt eines neuen Bischofs aber kam ein neuer Stellvertreter. Das Domkapitel wählte Schramls früheren Generalvikar Klaus Metzl zum Administrator.

Dass die Suche lange dauerte, hat mehrere Gründe, nicht zuletzt den Papstwechsel. Zudem sollen mehrere Kandidaten abgesagt haben, unter ihnen der Münchner Generalvikar Peter Beer. Als mögliche Nachfolger Schramls wurden zuletzt noch der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs sowie der Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Sankt Pölten, Josef Kreiml, gehandelt. Oster wiederum gilt als Kompromisslösung zwischen Marx und Gerhard Ludwig Müller, dem Präfekten der Glaubenskongregation.

Vorgänger Schraml war umstritten

Osters Freund Voderholzer ist ein Schüler von Müller; er freute sich am Freitag "außerordentlich" mit Oster, den er menschlich und beruflich schätze. Auch theologisch sind sie sich nah. In einem Interview sagte Ostereinmal, was aktuelle Fragen wie die kirchliche Sexualmoral, den Zölibat oder das Priestertum der Frau betreffe, sehe er weniger Reformbedarf als vor allem ein kirchliches "Vermittlungsdefizit".

In Passau wird Oster mit Freude empfangen - und mit großen Hoffnungen. Vorgänger Schraml war umstritten, einige Priester und Laien warfen ihm vor, selbstherrlich zu handeln. Als Schraml 2012 den Ruhstorfer Pfarrer Andreas Artinger nach finanziellen Unregelmäßigkeiten seines Amtes enthob, zogen Hunderte Demonstranten vor den Passauer Dom. Oster werde viel Arbeit vorfinden, sagt Wolfram Hatz, einer der Gründer der "Besorgten Christen", einer kritischen Initiative aus Ruhstorf.

Unter Schraml sei ein Riss durch das Bistum gegangen, der schwer zu kitten sei. Viele Menschen hätten die Kirche resigniert verlassen. Oster müsse viel verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Auch die Laienbewegung "Wir sind Kirche" erhofft sich einen Neuanfang.

Das Charisma dazu hat der neue Bischof. Oster ist kein stiller Gelehrter, sondern einer, der persönlichen Einsatz zeigt. Als Salesianer Don Boscos ist er ohnehin so etwas wie ein Berufsjugendlicher in der katholischen Kirche. In der Vergangenheit trat er wiederholt als "Gaukler Gottes" auf - ganz nach dem Vorbild seines Ordensgründers, der versuchte, die Menschen auf den Straßen zu erreichen. Oster jonglierte zum Beispiel 2011 bei einer Gala des konservativen Hilfswerks "Kirche in Not" mit Bällen und Eiern.

Er wirble sonst auch Reifen, Fackeln und eine Motorsäge durch die Luft, mit einer Hand, scherzte er. An einer Stelle im Programm steckte er sich die Bälle unter die Achseln und imitierte einen Affen. Am Ende warf er sich ein rohes Ei auf den Kopf. Und während all dessen erzählte er seine persönliche Berufungsgeschichte, in Form eines Gedichts. Heute jongliere er nicht mehr, sagt Oster - aber dass er Multitasking kann, hat er bewiesen. Als Passauer Bischof kann ihm das nur helfen.