Karten-Umfrage zum Münchner Startbahn-Streit So denkt das Land über MUC-3

Tausende Leser haben in einer einzigartigen SZ-Umfrage abgestimmt: Braucht der Münchner Flughafen wirklich eine neue Start-und-Landebahn? Auf einer interaktiven Karte ist nun erstmals die Stimmung in München, der betroffenen Region und darüber hinaus ablesbar - sie ist tief gespalten, der Bürgerentscheid in der Stadt am Sonntag wird spannend.

Von Stefan Plöchinger

Was denkt München, Bayern, ja: der Rest der Welt über den Flughafen-Streit, der am kommenden Sonntag per Bürgerentscheid in der bayerischen Landeshauptstadt ausgetragen wird? Die SZ hat in der vergangenen Woche zu einer einzigartigen Umfrage aufgerufen. Gut 6500 Menschen machten mit. Sie trugen sich auf einer Internet-Seite mit Ihrer Postleitzahl und Ihrem Votum über die dritte Start-und-Landebahn ein. Jetzt liegt das Ergebnis vor, und auch wenn es nicht repräsentativ sein kann: Erstmals gibt die interaktive SZ-Karte zur Startbahn-Frage einen umfassenden Überblick über die Stimmungslage in München, im übrigen Bayern - das nicht abstimmen darf - und darüber hinaus.

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Was die Karte zeigt. Bewegen Sie sie, klicken Sie auf die Punkte, wechseln Sie in die Großversion, spielen Sie damit - Sie sehen sofort, wie gespalten die Stimmung ist: Rot und Grün wechseln sich bunt ab, also Ablehnung und Zustimmung zur geplanten Start-und-Landebahn. (Weiß kommt selten vor, die Farbe steht für Unentschieden.) Leser, die in der Umfrage ihre exakte Straße oder ihre Adresse angegeben haben, sind unmittelbar dort verortet; die anderen werden als blockartige Kette in ihrem Postleitzahlenbereich angezeigt. Viele Leser haben sogar eine persönliche Begründung für ihr Votum geschrieben; diese Wortmeldungen erkennen Sie daran, dass wir statt einem schlichten Punkt eine größere Markierung auf die Karte setzen.

Was die Ergebnisse der Umfrage aussagen. Zunächst: Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Ein Teil der SZ-Leser im Internet hat mitgemacht, kein Querschnitt der Bürger - deshalb kann man daraus nicht problemlos Hinweise auf das Ergebnis am kommenden Sonntag ableiten. Allerdings: Die Beteiligung an der Umfrage war so enorm, dass sie durchaus interessante Schlüsse erlaubt. Vom Start am Mittwochmittag bis zum Schluss der Abstimmung am Sonntagmorgen - genau eine Woche vor dem Bürgerentscheid - gingen 6587 Wortmeldungen ein, die wir als valide einschätzen. (Rund 250 haben wir entwertet, weil es sich um offensichtliche Mehrfachvoten handelte oder einige Angaben unsinnig waren.) 3017 sind den Adressangaben zufolge aus der Stadt München, deren Bürger am kommenden Sonntag das Wort haben. 3570 sind von anderswo, die meisten aus dem übrigen Bayern, viele aber auch aus dem Rest Deutschlands und der Welt. Ein so umfassendes kartenbasiertes Internet-Votum gab es in Deutschland noch nicht.

Befürworter oder Gegner - wer liegt vorne? Keiner. 3229 Stimmen gibt es für die geplante dritte Start-und-Landebahn am Münchner Flughafen - 3216 dagegen, 142 Menschen sind unentschieden. Das ergibt für keine der Seiten eine Mehrheit. Die Umfrage macht damit klar, wie sehr der Ausbau von Deutschlands zweitgrößtem Luftfahrt-Drehkreuz die Bevölkerung spaltet. Randnotiz aus der Statistik: Die Mehrheit der Startbahn-Gegner begründet ihre Entscheidung nicht persönlich - die Mehrheit der Befürworter dagegen schon.

Wie sich München und das Umland unterscheiden. Betrachtet man nur Münchner Antworten, liegen die Befürworter des Ausbaus mit 1621 zu 1311 Stimmen vorn (bei 85 Enthaltungen). Genau andersrum ist die Lage im übrigen Postleitzahlenbereich 8. Dieser Bereich erstreckt sich recht gleichförmig um München und umfasst auch den Einzugsbereich des Flughafens, also die unmittelbar betroffenen Landkreise Freising und Erding. Hier führen die Gegner mit 1482 zu 1130 Stimmen (bei 37 Enthaltungen). Der Schluss liegt nahe, dass es in München weniger Ausbaugegner gibt als um München herum. Das ist insofern nicht verwunderlich, als die Stadt vom Fluglärm kaum betroffen ist. Der Bürgerentscheid wiederum wird nur in München selbst stattfinden. Der Grund dafür ist, dass die Stadt an der Flughafengesellschaft beteiligt ist - was die Ausbaugegner nutzen wollen, um dort ein Veto Münchens zu erzwingen. Die Umlandgemeinden sind nicht an der GmbH beteiligt.

Was Sie sonst wissen müssen. Die SZ hat auf einer exklusiven Fakten-Karte zusammengetragen, welche Folgen der Bau der neuen Start-und-Landebahn für die Region im Nordosten Münchens hätte. Lärm, Schadstoffe, Kerosingeruch, Wertverlust für Grundstücke: Unter muc.sz.de sehen Sie die Folgen des Projekts und was sowohl Befürworter als auch Gegner dazu sagen (zur Karte ...). Wenn Sie als Münchner abstimmen dürfen, sollten Sie sich diese Karte ansehen - und sich in unserem Frage-Antwort-Ratgeber über die Details des Bürgerentscheids informieren, damit Sie wissen, wie die Abstimmung genau funktioniert (zum Text ...).

Alles zum Startbahn-Streit auf unserer Schwerpunktseite ...

Die interaktive Umfrage wurde mit Hilfe von Google Spreadsheets/Fusion Tables und dem Geodienst von Yahoo erstellt. Alle Angaben, die Leser gemacht haben, wurden anonym und nur für den Zweck dieser Umfrage ausgewertet.