Mehr Schutz in Bayern Task-Force gegen Ebola

Klinikleiter Brodermann auf der Sonderisolierstation im Klinikum Schwabing. Das Krankenhaus ist eine Anlaufstelle, wenn ein Fluggast mit Ebolaverdacht ankommen sollte.

(Foto: dpa)

Nach den ersten Ebola-Fällen in Europa rüstet Bayern auf: Fünf Spezialisten sollen künftig am Münchner Flughafen Passagiere mit Auffälligkeiten untersuchen und bei Bedarf sofort isolieren.

Von Korbinian Eisenberger

Bayern verstärkt seinen Schutz vor dem Ebola-Virus, der in Westafrika Tausenden Menschen das Leben kostete. Nachdem nun auch in Europa erste Fälle der Infektionskrankheit bekannt geworden sind, bereitet die bayerische Staatsregierung den Freistaat für den Ernstfall vor. Eine fünfköpfige Spezialistengruppe soll dafür sorgen, dass einreisende Fluggäste mit Ebola-verdächtigen Symptomen bereits am Flughafen München untersucht werden. Das kündigte Staatskanzleichef Marcel Huber am Dienstag im Anschluss an eine Kabinettssitzung an.

"Mit dem Flugzeug kann eine Krankheit innerhalb von wenigen Stunden Kontinente überwinden", begründete Gesundheitsministerin Melanie Huml den Kabinettsbeschluss. "Der Ebola-Ausbruch in Westafrika zeigt, dass Infektionserkrankungen nach wie vor sehr schnell zu einer internationalen Bedrohung werden können."

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Die "Task-Force Infektiologie" soll dafür sorgen, dass verdächtige Personen bereits im Flughafengebäude isoliert werden. Dafür sollen in Kürze fünf mobile Arztstellen sowie ein Krankenraum im Flughafengebäude eingerichtet werden. Stationiert ist die Task-Force am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Oberschleißheim. Da es laut Huber derzeit keine konkreten Hinweise auf eine Gefahr in Bayern gebe, können die Fachärzte jedoch auch anderswo als am Flughafen eingesetzt werden. Bei schwerwiegenden Infektionsausbrüchen werde die Task-Force als "mobile Krisenreaktionseinheit" Gesundheitsämter in ganz Bayern unterstützen, sagte Huml. Ein Spezialist stehe jedoch rund um die Uhr auf Abruf bereit, falls am Flughafen München ein Passagier mit verdächtigen Symptomen aus einer Maschine steigen sollte.

Auf den beiden internationalen Flughäfen Bayerns in Nürnberg und München gibt es zwar keine Direktflüge in die von Ebola betroffenen Staaten. Zubringerflüge aus Frankfurt am Main oder Brüssel, von wo aus Westafrika angeflogen wird, landen aber täglich auch im Freistaat.

Mögliche Anlaufstelle wäre Münchner Klinikum Schwabing

Sollte ein Passagier während des Fluges sichtbare Ebola-Symptome wie blutende Schleimhäute an Augen, Mund oder im Genitalbereich aufweisen oder anderweitig den Verdacht einer Ebolaerkrankung erwecken, dann ist München der südlichste von fünf Flughäfen, die in Deutschland in so einem Fall angeflogen werden dürfen. Sogenannte "benannte" Flughäfen mit entsprechender Ausrüstung befinden sich zudem in Hamburg, Düsseldorf, Berlin und Frankfurt.

Würde tatsächlich ein Fluggast mit Ebolaverdacht in München ankommen, soll ihn die mobile Einheit laut Huml sicher in eine Spezialklinik transportieren. Eine mögliche Anlaufstelle wäre dann das Münchner Klinikum Schwabing, eines von acht nationalen Behandlungszentren für hochansteckende Krankheiten. Dort stehen Quarantänebetten bereit, in denen Infizierte ohne größere Gefahr für Personal und andere Patienten intensivmedizinisch behandelt werden können.

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Inzwischen gibt es den ersten Ebola-Verdachtsfall unweit der bayerischen Grenze: Polizisten griffen am Montagabend einen 15-jährigen Liberianer mit Verdacht auf Ebola in der Nähe des Salzburger Hauptbahnhofs auf. Der Jugendliche wurde in das Landeskrankenhaus Salzburg eingeliefert. Eine Blutprobe des jungen Mannes wird derzeit überprüft.

Nach Angaben einer Sprecherin des Salzburger Krankenhauses soll das Blut in Wien oder - falls der Patient Fieber bekommt - im hessischen Marburg untersucht werden. Demnach weise der junge Mann derzeit zwar keine Symptome auf. Er habe jedoch erzählt, dass er seine an Ebola erkrankte und daran verstorbene Familie in Liberia eigenhändig begraben habe.