Kampagne "Laut gegen Brauntöne" Tanzen gegen Fremdenfeindlichkeit

Will Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen: Miriam Heigl.

(Foto: privat)

"Der Trend geht zur Islamfeindlichkeit", sagt Miriam Heigl von der Fachstelle gegen Rechtsextremismus. Sie bringt die städtische Kampagne "Laut gegen Brauntöne" am Samstag in die Münchner Clubs. Im Interview spricht sie über die modernen Feindbilder der Rechten - und was Heigl dagegen tun will.

Von Beate Wild

Feiern gegen Rassismus: Am Samstag, 16. Februar, schließen sich fünf Münchner Clubs zusammen, um ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen: Atomic Café, Milchbar, Rote Sonne, Harry Klein und 8 Below laden zur "Jungen Nacht der Clubs". Diese Aktion ist Teil der städtischen Kampagne "Laut gegen Brauntöne", die sich gegen Rassismus, Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit wendet. Miriam Heigl leitet die Fachstelle gegen Rechtsextremismus, die für die Landeshauptstadt München die Kampagne initiiert hat. Mit Süddeutsche.de sprach sie über Rechtsextremismus in München und warum es wichtig ist, junge Menschen zu erreichen.

Süddeutsche.de: Frau Heigl, "gemeinsam feiern für Toleranz und Respekt" ist das Motto der ersten Münchner Club-Nacht gegen Rechts. Kann man ein so ernstes Thema mit Party und Feiern verbinden?

Miriam Heigl: Wir wollen mit dieser Aktion bewusst junge Münchnerinnen und Münchner ansprechen. Sie sollen sehen, dass man zusammen Spaß haben kann, egal woher man kommt, welche Sprache man spricht, welches Geschlecht und welche Religion man hat. Zusammen feiern ist eine Form der Immunisierung gegen rechtsextremes und rassistisches Gedankengut.

Wer kam auf die Idee des gemeinsamen Feierns?

Der Konzertveranstalter Thomas Lechner. Er hat die Clubs angesprochen -und die waren sofort begeistert. Es ist zum ersten Mal in der Geschichte des Münchner Nachtlebens, dass sich Diskotheken zusammentun, um sich gegen Rechtsextremismus zu positionieren.

Was ist bei der Club-Nacht geboten?

Alle Clubs haben sich richtig angestrengt mit ihrem Programm. Im Atomic Café spielen drei Bands: Blind Freddy, The TurningOns und Finn Nelé. In der Roten Sonne legen die DJs Deep Down Dave und Ben Dallinger auf. Und im Harry Klein die DJs Liza und Benna, dazu gibt es Visuals.

Außerdem wollen Sie inhaltliche Akzente setzen?

Ja, beispielsweise wird der Spot "München schaut hin" des Vereins Lichterkette gezeigt. Und es gibt verschiedene Aktionen, etwa von den Löwenfans gegen Rechts.

In jüngster Zeit macht die Kampagne "Laut gegen Brauntöne" durch eine Menge Aktionen auf sich aufmerksam. Hat das einen bestimmten Grund?

Wir sehen eine Zunahme rechtsextremer Aktivitäten insbesondere im Bereich der Islamfeindlichkeit, also der pauschalen Abwertung von Menschen aufgrund ihres Glaubens. Rechtsextremisten hetzen aber auch subtil, wenn es um Mieten, Kindesmissbrauch oder Gewalt unter Jugendlichen geht. Wir wollen mit einer Vielzahl von Events neue Wege beschreiten und die Menschen für das Thema sensibilisieren, abseits der normalen Wege.

Hat denn München ein besonderes Problem mit Rassismus und Rechtsextremismus?

Nicht mehr als anderswo, aber auch nicht weniger. Man kann aber definitiv sagen, dass Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung aufgrund von Religion und Herkunft in München und auch in Bayern ein Problem sind.

An was kann man das erkennen?

Schauen Sie sich doch mal nur den Stadtrat an, da sitzt der Rechtsextremist Karl Richter. Der wurde schließlich von den Münchnern gewählt. Zudem will ich an das versuchte Attentat bei der Grundsteinlegung des Jüdischen Zentrums durch Neonazis erinnern. Oder an die NSU-Morde von denen fünf in Bayern und zwei in München verübt wurden. Wir müssen daher die Münchnerinnen und Münchner aufklären, ihnen zeigen, welche Feindbilder moderner Rechtsextremismus bedient, und dafür sorgen, dass möglichst wenige Menschen hierauf hereinfallen - im Alltag und bei Wahlen.

Welche Art von Rassismus ist denn in München am meisten ausgeprägt?

Der Trend geht - auch bundesweit - zur Islamfeindlichkeit. Und leider ist auch Antisemitismus immer noch häufig anzutreffen. Diese Feindbilder nützen Rechtsextremisten aus, um in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen.

Wollen Sie mit ihren Aktionen auch die Mitte der Gesellschaft erreichen, um für Toleranz und Respekt zu werben?

Genau, wir machen Events, mit denen wir die "normalen" Münchnerinnen und Münchner erreichen können. Nach der Club-Nacht gibt es etwa vom 28. Februar an die Ausstellung "Pastinaken raus!" im Gasteig. Zentral ist hier die Einrichtung "Färberei" des Kreisjugendrings tätig, beteiligt sind auch die Kammerspiele und weitere Partner. Zudem sind Lesungen, Kabarettabende und am 23. März eine große Kundgebung am Marienplatz unter dem Motto "München steht auf!" geplant.

Und wie entscheidet man nun, in welchen der fünf Clubs man am 16. Februar geht?

Man muss sich nicht entscheiden. Für fünf Euro kann man in alle rein - und zwischen den Locations fährt ein Partybus. Bequemer geht es nicht.

Weitere Informationen: www.laut-gegen-brauntoene.de