Nigeria Allgäuer aus Gewalt von Boko Haram befreit

  • Eine Spezialeinheit aus Kamerun hat einen vor Monaten verschleppten Mann aus dem Allgäu aus der Gewalt der Boko-Haram-Terroristen befreit.
  • Offenbar war auch die Bundesregierung an der Aktion beteiligt.
  • In Nigeria, wo der Mann entführt wurde, werden immer wieder Ausländer als Geiseln verschleppt.
Von Sarah Kanning

Befreiung durch Armee und Sicherheitskräfte

Der von der Dschihadistengruppe Boko Haram in Nigeria entführte Allgäuer Eberhard N. ist frei. Fast genau ein halbes Jahr nachdem er im Bundesstaat Adamawa im Norden Nigerias verschleppt worden ist, befreite ihn in der Nacht zum Mittwoch ein Spezialkommando. "Ein Einsatz von Spezialkräften der Kameruner Armee und Sicherheitskräften befreundeter Staaten führte diese Nacht zur Freilassung", gab die kamerunische Regierung am Mittwoch bekannt.

Sichtlich ausgemergelt und erschöpft kam der Deutsche in einer Militärmaschine am Flughafen der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé an: "Ich wusste nicht, ob ich überleben würde", sagte er. "Es war komplett dunkel, wo ich gefangen gehalten wurde." Niemand habe mit ihm kommuniziert. Er habe während der Gefangenschaft 50 Kilo verloren. "Unter diesen Bedingungen kann man nicht wissen, ob man überleben wird." Das Auswärtige Amt in Berlin dankte der Regierung Kameruns "für die sehr gute und vertrauliche Zusammenarbeit". Eberhard N. werde "medizinisch und psychologisch betreut".

Was N. in Nigeria gemacht hat

N. aus Kaufbeuren, ein ehemaliger Bundeswehrsoldat, hatte in der Stadt Gombi im Bundesstaat Adamawa ein Berufsbildungszentrum für Jugendliche aufgebaut. Mit seinem "Technical Training Center" hatte er etwas gegen die massive Jugendarbeitslosigkeit in Nigeria unternehmen wollen. Bei den Nachbarn galt er als beliebt. Die Dorfbewohner schätzen ihn sehr, weil er ihnen half, die Bohrlöcher für die Wasserversorgung zu reparieren und instand zu halten. Sie hatten gleich nach seiner Entführung durch etwa zehn bewaffnete Männer eine Bürgerwehr gegründet und die Angreifer verfolgt. Doch es war ihnen nicht gelungen, den Familienvater zu befreien.

Nachdem der Anführer der Terrorgruppe, Abubakar Shekau, in einer Videobotschaft gedroht hatte, die Geisel zu töten, bangten Experten und Freunde um den Mann aus Kaufbeuren. Denn Boko Haram kämpft seit Jahren für einen islamistischen Staat im Nordosten Nigerias und verbindet Geiselnahmen häufig mit politischen Forderungen. Auf solche geht die deutsche Bundesregierung nie ein. Über die Umstände der Befreiung sind bisher keine Details bekannt, nicht einmal, ob N. in Nigeria oder in Kamerun befreit wurde.

Nur, dass der kamerunische Staatschef Paul Biya insbesondere der Bundesregierung dankte, die zur Befreiung des Mannes beigetragen habe. Friedrich Christian Haas von der Sicherheitsberatung AKE geht davon aus, dass der Krisenstab des Auswärtigen Amtes "intensive Gespräche mit Kamerun und Tschad über die im Grenzgebiet entführte deutsche Geisel geführt hat". Kamerunische Spezialkräfte und Nachrichtendienste seien im Grenzgebiet zu Nigeria schon länger aktiv und würden aus dem Ausland unterstützt.

Es sei denkbar, dass Deutschland nachrichtendienstliche Erkenntnisse mit Behörden in Kamerun geteilt habe.