Fotoshooting für Kalender Stars aus dem Seniorenheim

Hauptrolle: Wolfgang Hessel, 88, alias Private Investigator Thomas Sullivan Magnum am Ufer des Alpsees.

(Foto: Stephanie Probst)
  • Bewohner verschiedener Altenheime im Allgäu stehen für einen besonderen Kalender vor der Kamera.
  • Sie werden für das Shooting in alternde Filmstars verwandelt.
  • Die Erlöse sollen Projekten des Trägers zugute kommen.
Von Stephanie Probst, Sonthofen

Unter einem bunten Sonnenschirm zwischen hüfthohen Palmen genießt ein groß gewachsener Mann seinen Cocktail aus einer Ananas. Hin und wieder streicht er über seinen dichten Oberlippenbart. Der Mittagshitze wegen knöpft er den obersten Knopf seines rot-geblümten Hawaiihemds auf und präsentiert Goldkette und üppiges Brusthaar. Fast könnte man meinen, der Fernsehstar Tom Selleck alias "Magnum" selbst sitze in der Sonnenliege vor tropischer Kulisse, doch der Mann mit Schnauzer und Pilotensonnenbrille ist Wolfgang Hessel, 88, der seit einem Jahr im Altenheim in Sonthofen lebt.

Heute dreht sich alles nur um ihn, er ist nämlich Modell für den Kalender "In bester Gesellschaft" der AllgäuPflege und schlüpft in die Rolle von Magnum, der Hauptfigur einer bekannten US-Serie aus den Achtzigern. Zwölf Bewohner aus verschiedenen Altenheimen der AllgäuPflege spielen gealterte Filmstars - Marilyn Monroe, Bud Spencer und Terence Hill, Audrey Hepburn oder Lara Croft waren dabei.

Ausbruch aus dem Altenheim-Alltag

Die Idee hatte Verena Fedtke, die bei der AllgäuPflege strategische Beraterin der Geschäftsleitung ist. "Wir möchten, dass unsere Bewohner aus ihrem Alltag ausbrechen können", sagt sie, "es ist schön zu sehen, wie die Leute an diesen Tagen noch mal aufblühen." Der Ausflug in die Welt der Filmstars soll aber nicht nur den Bewohnern dienen, sondern auch ein Bewusstsein für das Alter in der Öffentlichkeit schärfen. "Alte Leute haben keine Lobby, niemand interessiert sich wirklich für sie", ergänzt Fedtke.

Wolfgang Hessel saß bis kurz vor Beginn des Shootings noch auf der Terrasse des Altenheims. Als das eigentliche Model unerwartet absprang, fragte ihn Fedtke, ob er nicht Lust hätte - er willigte sofort ein: "Ich war schon immer ein spontaner Mensch, warum nicht auch im Alter?" Kurze Zeit später sitzt Herr Hessel bei Maskenbildner Toni Leypoldt im Rollstuhl vor dem Schminktisch, der in der Cafeteria des Altenheims aufgebaut wurde. Toni Leypoldt war gleich nach der Anfrage klar, dass er bei dem Projekt mitwirken will: "Man kriegt unfassbar viel von den alten Menschen zurück. Wenn sie sich strahlend im Spiegel ansehen, ist das das Größte." Vor dem Projekt waren dem 39-Jährigen Altenheime fremd. Darum schläft er vor jedem Shooting eine Nacht in einem der AllgäuPflege-Heime: "Das ist mir sehr wichtig und hilft mir dabei, mich in ihre Lebenswirklichkeit hineinzuversetzen."

Ein Senior als Charlie Chaplin. "Man kriegt unfassbar viel von den alten Menschen zurück", sagt Maskenbildner Toni Leypoldt.

(Foto: Susanne Mölle/dpa)

Verwandlung mit dem Maskenbildner

Skeptisch mustert derweil Herr Hessel das Hawaiihemd: "Rot ist nicht meine Farbe!" - "Oh, das steht Ihnen sicher wunderbar!", beruhigt Leypoldt. Als erstes wird dem Senior ein Riesenbüschel Brusthaar angeklebt, dann kommt der falsche Schnauzer. Viel zu lang, bis über die Unterlippe hängen die dunklen Haare. "Der kitzelt aber!", beschwert Hessel sich. Leypoldt eilt herbei und stutzt das Gestrüpp. "Bart habe ich noch nie getragen", erzählt der 88-Jährige mit kritischem Blick in den Spiegel, während Leypoldt mit einem Pinsel und auswaschbarer Farbe die hellgrauen Haare braun einfärbt.

Eine Stunde dauert es, bis aus Wolfgang Hessel Magnum geworden ist. Zahlreiche Mitarbeiter des Altenheims schauen immer wieder vorbei. "Oh, Herr Hessel! Sie sehen aber schick aus!", schwärmt eine junge Schwester. "I don't know", sagt er in Magnum-Manier und mustert sein neues Ich noch einmal schmunzelnd im Spiegel.