Ministranten "Ohne Glauben keine Gemeinschaft"

SZ: Was bedeutet Kirche in eurem Leben?

Breitenlohner: Sie ist ein Ausgleich. Während der Woche habe ich Schule und einen Aushilfsjob. Dann sage ich am Sonntag: 'Hey, ich geht jetzt in die Kirche, dann habe ich anderthalb Stunden Zeit für mich, ein Rückzugsgebiet.'

Mittermüller: Da hat man etwas, woran man sich festhalten kann. Mir gibt das total viel Kraft.

SZ: Was gibt Kraft? Die Gemeinschaft? Der Glaube?

Breitenlohner: Für mich ist es zu 60 Prozent die Gemeinschaft, zu 40 Prozent der Glaube. Einiges von den Glaubenssätzen zweifelt man irgendwann an. Ein einziger, der da oben die ganze Welt schmeißt - das finde ich zwar nicht vorstellbar, aber da ist was dran. Ich weiß nicht, wie er aussieht oder wie es aussieht oder wie sie aussieht. Aber ich glaube daran, und das wird von der katholischen Kirche am besten rübergebracht.

SZ: Glaubst du an Gott?

Mittermüller: Ja. Das ist für mich schon wichtig. Aber ohne Gemeinschaft kann man nicht glauben und ohne Glauben gibt es keine Gemeinschaft.

SZ: Wie geht ihr damit um, dass Kirchenmänner ihnen anvertraute Jugendliche geschlagen oder missbraucht haben?

Breitenlohner: Wir arbeiten seit zehn Jahren mit demselben Diakon zusammen, dadurch haben wir ein sehr gutes, persönliches Verhältnis und können uns hunderttausendprozentig auf ihn verlassen. Die Leute denken, ein fauler Apfel verdirbt den ganzen Korb. Andererseits muss man schon darauf schauen, was so in der Gruppe passiert. Wir haben das ziemlich gut im Gefühl.

SZ: Die Missbrauchsfälle sind für euch kein Grund, aus der Kirche auszutreten?

Breitenlohner: Würde ich wegen eines schlechten Karate-Trainers mit dem Karate aufhören? Eigentlich nicht. Solange es mir Spaß macht, solange es mir gefällt, bin ich dabei.