Joachim Gauck und Daniela Schadt in Nürnberg Ein Gefühl von Nähe

Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Bundespräsident Gauck, bei ihrem gewinnenden Auftritt.

(Foto: David Ebener/dpa)

Joachim Gauck hat Nürnberg besucht, wo seine Lebensgefährtin Daniela Schadt zuletzt arbeitete. Alle Augen sind deswegen nicht auf den Bundespräsidenten gerichtet, sondern auf die Frau an seiner Seite. Und die überzeugt.

Von Olaf Przybilla

Nein, Joachim Gauck wirkt nicht irritiert, er wird sich wohl schon daran gewöhnt haben an seine Rolle als Bundespräsident an der Seite von Daniela Schadt. Kürzlich beim Neujahrsempfang im Schloss Bellevue schwärmten Medienvertreter hernach nicht so sehr über den Empfang an sich. Hymnen gab es zu lesen über den Auftritt seiner Lebensgefährtin aus Nürnberg: über deren Art, wie sie es versteht, Leuten, die sie das erste Mal im Leben sieht, einen Eindruck von Nähe zu vermitteln.

Gerade so, als ob man sich schon eine halbe Ewigkeit kennt. Oder sich zumindest von nun an nie wieder aus dem Augen verlieren will. Und nun sind Gauck und Schadt also gemeinsam nach Nürnberg gekommen, zum ersten Mal zu einem offiziellen Termin. Dass sich da viele Augen zuerst auf die Frau an seiner Seite richten werden - Gauck wird es geahnt haben.

Wobei in Nürnberg diese besondere Gabe der Daniela Schadt natürlich schon vorher ein Begriff war: An ihrem Arbeitsplatz - der Nürnberger Zeitung - konnte man erstaunliche Geschichten über die zwanglose Art der Politik-Chefin hören. Und wenn Schadt den Presseclub in Nürnberg moderierte, also Gespräche führte mit relevanten Personen der Zeitgeschichte, war man danach nicht grundsätzlich neu orientiert über die Lage der Weltpolitik. Oder Nürnbergs Lokalpolitik. Aber besser gelaunt als vorher war man eigentlich immer.

Morgens und mittags haben Gauck und Schadt am Dienstag das gemacht, was Bundespräsidenten machen müssen: Antrittsbesuche abstatten bei den Nürnberger Bundesämtern, bei der Bundesagentur für Arbeit und beim Bundesamt für Migration. Bei letzterem entfuhr Gauck einer dieser klassischen Gauck-Sätze: "Das wäre mal was, wenn die, die in unserem Land wirklich Schutz suchen, mit Freude und offenem Herzen empfangen werden - so wie ich heute von Ihnen im Bundesamt empfangen wurde." Dieses Bundesamt besuchen die Präsidenten alle irgendwann, an einen so gelungenen Satz kann man sich gleichwohl nicht erinnern.

Besonders, man darf das unterstellen, dürfte sich das Paar aber auf den Termin danach gefreut haben: "Schlau" heißt die Koordinierungsstelle im hübsch bunten Schoppershof, wo vor allem Migranten an den Beruf herangeführt und beim Übergang von der Schule in die Ausbildung unterstützt werden.

Bei dem Termin kann man beobachten, wie mühelos Schadt das gelingt: Menschen das Gefühl zu vermitteln, dieser eine Moment gehöre nur ihnen. Egal ob daneben Sicherheitsbeamte stehen oder ein Bundespräsident. "Sie wirkt so unglaublich herzlich", sagt einer, der Schadt nahegekommen ist. Und ganz egal, das will er dann schon betont haben, sei es natürlich nicht, dass der Bundespräsident daneben steht.