Israelisches Orchester bei den Festspielen Historischer Moment in Bayreuth

"Es war ein sehr schwieriger und steiniger Weg": Erstmals spielt ein israelisches Orchester in Deutschland Musik von Richard Wagner - und das ausgerechnet in Bayreuth.

Erstmals spielt ein israelisches Orchester am Dienstag in Deutschland Musik von Richard Wagner, und das in Bayreuth. Die Festspielstadt und der Komponist spielten eine herausgehobene Rolle in der Ideologie der Nationalsozialisten, die im Festspielhaus ein und aus gingen, erinnerte Oberbürgermeister Michael Hohl am Sonntag an die dunkle Vergangenheit und das problematische Verhältnis der Juden zu Wagner und seiner Musik.

Unter der Leitung von Roberto Paternostro gibt das Israel Chamber Orchstra am Dienstag, einen Tag nach der Festspieleröffnung, ein Konzert in der Bayreuther Stadthalle. Auf dem Programm stehen neben Werken von Tzvi Avni, Gustav Mahler, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Franz Liszt auch das "Siegfried-Idyll" von Richard Wagner. Schirmherrin des Konzerts ist Festspielleiterin Katharina Wagner. Sie äußerte in einer Erklärung ihren Respekt für diese mutige Entscheidung und dankte Paternostro für seinen unermüdlichen Einsatz für das Zustandekommens dieses Konzertes.

"Es war ein sehr schwieriger und steiniger Weg", schilderte Paternostro in Bayreuth. Die Musiker hätten sich jedoch "sofort, spontan und ohne Gegenwehr bereiterklärt, dieses Konzert zu machen". Der Dirigent mit jüdischen Wurzeln äußerte aber auch Verständnis für die Ressentiments in Israel. "Ich habe Respekt vor denen, die durch die Hölle gegangen sind und sagen, wir wollen nie wieder etwas mit Deutschland und Wagner zu tun haben."

Paternostro schloss nicht aus, dass eines Tages Musik von Wagner auch in Israel gespielt wird. Wir sind Musiker und keine Politiker." Das Orchester verstehe das Konzert im Rahmen der Veranstaltungen zum 200. Geburtstag von Wagners Schwiegervater Franz Liszt als musikalischen Brückenschlag.

Die Bayreuther Festspiele eröffnen an diesem Montag.

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