IOC-Treffen in Lausanne Finale im Olympia-Wettbewerb

Endspurt im Dreikampf um Olympia 2018: Bei der technischen Präsentation in Lausanne stellen die Olympia-Kandidaten ihr Konzept vor. IOC-Chef Rogge geht von einem knappen Rennen aus.

Von Silke Lode, Lausanne

Mit dem Treffen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne hat sieben Wochen vor der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 der Endspurt für die Bewerber begonnen. "Dies ist die Phase der Meinungsbildung", sagte Oberbürgermeister Christian Ude über das zweitägige Treffen am Genfer See. "Bei der Entscheidung am 6.Juli in Durban kämpfen wir nur noch um die letzten Unentschlossenen."

Bei der technischen Präsentation im Olympischen Museum von Lausanne hatte jede der drei Bewerberstädte - München, Pyeongchang (Südkorea) und Annecy (Frankreich) - 45 Minuten Zeit, um ihr Konzept vorzustellen. In Funktionärskreisen gilt dies als wichtigstes offizielles Treffen im Bewerbungsprozess.

Das Münchner Team in Lausanne führte der IOC-Vizepräsident und Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, an. Mit ihm reisten Innenminister Hans-Peter Friedrich, OB Ude, für die Bewerbungsgesellschaft Geschäftsführer Bernhard Schwank und Katarina Witt, außerdem die Biathletin Magdalena Neuner sowie die IOC-Mitglieder Claudia Bokel und Walther Trögel.

Auch ein Sponsoren-Vertreter unterstützte den Münchner Auftritt: BWM-Marketingchef Ian Robertson, der mit seinen Ausführungen zum Sponsoring-Potential in Deutschland beim IOC erhebliches Interesse weckte. Laut Robertson haben Winterspiele einen Anteil von 40 Prozent an den Olympia-Einnahmen des IOC. Von den Winter-Sponsorengeldern wiederum stamme die Hälfte aus Deutschland. "Für Unternehmen sind viele Fans, volle Stadien und gute TV-Quoten toll", sagte Robertson der Süddeutschen Zeitung und stellte in Aussicht, dass das Sponsoringvolumen bei Spielen in München noch steigen könnte. "Vielleicht ist das etwas, was wir aufbringen können und die anderen nicht."

Laut Ude ist bei der Vorstellung, dass diese Einnahmequelle noch anwachsen könnte, "der Funke auf die IOC-Mitglieder übergesprungen". Man habe im Saal "knisternde Aufmerksamkeit" gespürt.

Fragen der IOC-Mitglieder mussten sich die Münchner vor allem zur Situation in Garmisch-Partenkirchen sowie zu den Themen medizinische Versorgung, Finanzen, Transport und dem Attentat bei den Sommerspielen 1972 anhören. Innenminister Friedrich bekräftigte, er sei sehr optimistisch für München.

Die IOC-Mitglieder seien sehr gut informiert gewesen, und München habe mit der erfolgreichen Abstimmung in Garmisch-Partenkirchen punkten können. "Die einzige konkrete kritische Frage hat sich in Wohlgefallen aufgelöst", berichtete Ude mit Blick auf den gelösten Streit um ein Grundstück an der Kandahar-Abfahrt. Diesen Joker habe man "vornehm zurückhaltend ausgespielt". Zudem konnten die Münchner verkünden, dass Bundespräsident Christian Wulff zur Vergabe nach Durban kommen werde.

Mit viel Applaus bedachte das IOC den Auftritt der Olympiasportlerinnen Witt und Neuner. Allerdings konnte München sich damit nicht von der schärfsten Konkurrenz absetzen: Für Pyeongchang hatte sich Eislauf-Goldstar Yu-na Kim mit auf den Weg in die Schweiz gemacht. Annecys Delegation musste sich den Auftritt der Olympiagegner ansehen, die vor dem Olympischen Museum protestierten und eine Petition mit 16.000 Unterschriften an das IOC übergaben. Dessen Präsident Jacques Rogge sprach von "drei sehr guten Bewerbungen" und geht von einem knappen Rennen aus.

München - gut genug für Olympia?

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