Ungewohnt deutlich hat sich Reinhard Marx öffentlich für einen Rückzug des umstrittenen Bischofs Mixa starkgemacht. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung erklärt der Erzbischof von München und Freising, warum.
Von Anfang an hat sich der Münchner Erzbischof Reinhard Marx dafür eingesetzt, die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche zu verfolgen. Am Mittwoch hatte er den Augsburger Bischof Walter Mixa gedrängt, eine Auszeit zu nehmen - Mixa reichte daraufhin seinen Rücktritt ein.
Erzbischof Reinhard Marx (© Foto: ddp)
Anzeige
SZ: Wie bewerten Sie den Rücktritt?
Reinhard Marx: Der Bischof von Augsburg hat dem Heiligen Vater seinen Verzicht angeboten. Dieser Schritt verdient unseren Respekt. Jetzt geht es darum, in der Diözese einen guten, gemeinsamen Weg in die Zukunft zu finden.
SZ: War er unausweichlich?
Marx: Mehrere Bischöfe haben Bischof Mixa geraten, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen bis zu einer Klärung der Dinge. Er selbst hat nun eine Entscheidung gefällt.
SZ: Geklärt sind die Dinge trotz des Rücktritts aber noch nicht.
Marx: Bischof Mixa hat mir versichert, dass auch er wünscht, dass die Vorwürfe objektiv geklärt werden. Dies müssen Fachleute tun. Wir brauchen einen objektiven Bericht, nicht nur Vorwürfe, die von den Medien vermittelt werden.
SZ: Es stehen zehn Aussagen, dass Mixa brutal geschlagen hat, gegen seine, er habe höchstens ein paar Watsch'n ausgeteilt. Zudem kommen Belege, wonach Mixa Geld eines Waisenhauses zweckentfremdet hat.
Marx: Der Sonderermittler hat seine Arbeit noch nicht abgeschlossen. Es gab jetzt einen ersten Zwischenbericht, es gibt noch keinen Abschlussbericht. Mit einer Bewertung der Vorgänge sollten wir uns also Zeit lassen, bis endgültige Ergebnisse vorliegen.
SZ: Wie sehr ist die katholische Kirche durch Mixas Verhalten belastet?
Marx: Es ist immer belastend, wenn ein Mitbruder in der Diskussion steht und angegriffen wird, manchmal zu Recht, manchmal auch zu Unrecht. Da kann man ja nicht einfach sagen: Ach, das ist nicht meine Sache, das ist...
SZ: "...Geschwätz des Augenblicks", wie Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano gesagt hat?
Marx: Ich kommentiere keine aus dem Zusammenhang gerissenen Satzfetzen.
SZ: Leiden Sie unter der Kirchenkrise?
Marx: Die Situation belastet mich sehr. Die Kirche befindet sich in einer Leidens- und Bußzeit, und davon bin ich nicht ausgenommen. Aber es gibt auch eine große Bereitschaft zu sagen: Wir packen das gemeinsam an. Wir wollen alles tun, um aufzuklären, wir werden nicht wegschauen, verharmlosen oder auf andere zeigen. Und wir werden die Opfer in den Mittelpunkt stellen, was in früheren Generationen nicht so der Fall war.
SZ: Es wurde vertuscht, verschwiegen, die Täter wurden weggelobt.
Marx: Das ist mir zu pauschal. Aber ich gebe zu: Es wurde nicht primär von den Opfern aus gedacht. Und man hat insgesamt unterschätzt, was eine pädophile Neigung bedeutet. Man hat gedacht, Pädophilie sei durch eine Therapie heilbar und dann geht das. Wir haben das Problem unterschätzt. Aber nicht nur wir in der Kirche, auch die Gesellschaft insgesamt.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 4 nächste Seite
- Thema
- Walter Mixa RSS
- Diözesanrat Mangold "Die Diözese Augsburg ist tief gespalten" 22.04.2010
- Bischof Walter Mixa "Kein Sturz ins Bodenlose" 22.04.2010
- Fall Mixa: Die Reaktionen "Spät, aber nicht zu spät" 22.04.2010
- Katholische Kirche Die Gefahr, der Bischof Mixa erlag 22.04.2010
- Walter Mixa tritt zurück Ein Bischof am Abgrund 22.04.2010
- Bischof Walter Mixa Tiefe Kluft in Schrobenhausen 17.05.2010
- Walter Mixa Selbstherrlich und brutal 15.05.2010
Gewalt in Syrien
Die neueste Antwort
Wer seine ganz persönliche Sexualität nicht leben darf, wird Probleme in seinem Leben haben - entweder wird dieser Mensch krank, oder er geht Irrwege, er verletzt andere oder sich selbst, er wird brutal und kriminell, er fügt Schaden zu - oder er tötet. Wer diese heilige Lebenskraft Sexualität auf natürliche Art und Weise leben darf, der muss niemandem Schaden zufügen. Da wir wissen, was die Kirche für ein verachtendes, verknöchertes Bild der Sexualität vermittelt - nicht nur in den eigenen Reihen, sondern auch den gläubigen Menschen, deswegen erleben wir, dass sexuelle Vergewaltigungen und Entartungen nicht nur bei den Priestern in der katholischen Kirche geschehen, sondern z.B. auch in vielen Familien, und überall. Denn auch hier regiert die Botschaft der Kirche. Schon bei den kleinen Kindern, denen man verbietet, sich selbst lustvoll zu berühren, da kommt die Drohung: der liebe Gott sieht alles und wird dich bestrafen! Unsere Kinder werden vielfach nach kirchlichen Kriterien erzogen, und da beginnt das Übel.....
Und dann das Gottesbild/der Gottesbegriff, das/der von der Kirche vermittelt und benutzt wird! Dieses Gottesbild ist männlich besetzt und entwertet das Weibliche. Schon einige tausend Jahre leben wir nach diesen Kriterien und sind davon besetzt, es erscheint uns ganz normal - aber wir sehen mehr und mehr, wo uns diese Weltordnung hingebracht hat. Ganz langsam beginnen wir zu erkennen - aber die Notbremse wird auch immer wieder gezogen, denn es geht um Macht, und wer diese besitzt, will sie natürlich nicht aufgeben. So auch nicht die Kirche.
Hier muss auch ein Paradigmenwechsel stattfinden, und solange das in der Kirche unter diesen weltfremden, verschrobenen Männergestalten nicht geschieht, werden wir weiter dem Ende entgegengehen, und es wird sich nichts verwandeln können.
Da gibt es einiges zu tun - nicht nur in der Kirche.
Eine Kirche, die ausschließlich klerikal bestimmt bleiben will, wird aufhören zu leben. Dies ist nur folgerichtig, weil dieser Jesus kein Kleriker war.
Dass sich in Großraumpfarrservicestationen - mehr zur Botschaft Jesus bekehren?
Also konkret ändert sich nichts außer dass die Zahl der Pfarreien der Zahl der noch vorhandenen zölibatären Priester angepasst wird. Über den Zölibat lassen Sie nicht mit sich reden, weil Sie genauso wie Papst Benedikt (und das ist scheinbar die ganze Kirche?) die Erfahrung gemacht hat, dass der Zölibat ein großer Schatz ist...
Diese Position heißt doch, dass sog. Laien, und das sind scheinbar alle, die nicht zölibatär leben, ihr Leben gar nicht in den vollen Dienst des Evangeliums stellen können. Zölibat, ein großer Schatz? Das kann und darf seit dem Konzil nicht hinterfragt werden. Ist auch der Karriere abträglich. Ohne diese blinde Affirmation wird keiner Bischof. Hier wird ein Gesetz zugunsten von Kirchengut, und noch dazu leibfeindlich, vergötzt. Jesus, von dem die Schrift kein einziges Wort darüber verliert, ob er verheiratet oder unverheiratet war, hat in großer Freiheit gesagt: Der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat.
Doch, das Zölibatsgesetz ist ein großes Problem, der Gipfel eines Eisbergs. Wenn wir heute viele Verwerfungen auf dem Gebiet der Sexualmoral haben, dann ist daran dieses unevangeliumsgemäße Gesetz aus dem Jahre 1139 ursächlich mit schuld. Aber gläubige Christen nehmen spätestens seit der Pillenenzyklika kaum noch Notiz von verquerten Klerikervorstellungen so wie sich ein auffallend großer Teil der Priester keinen Deut um das Zölibatsgesetz kümmert und sich zu arrangieren weiß oder allenfalls darunter leidet. Siehe Erkenntnisse aus dem Rekollektiohaus in Münsterschwarzach! Zölibatskollateralschäden bedingen Seelsorgegroßraumservicestationen. Die zölibatären Priester werden noch aussortierter, die Pfarrverbände demnächst noch einmal größer, ein Teufelskreis!
Wenn dem Herrn Jesus nur in Ehelosigkeit nachgefolgt werden kann, warum dann nicht auch in Armut wie Bischof Franz Kamphaus als rühmlich Ausnahme dies tut? Solche Bischöfe werden dann ihr Ministergehalt hundertfach im Himmel bekommen. Die Leute werden ihnen sofort die lauteren Motive für den Zölibat glauben. Mehr als 85 % der Kirchgänger ist für die Freigabe der Lebensform der Priester. Sind diese Leute nicht auch Kirche, ist dies nicht Sensus fidelium? Zeitgeist ist, dass der Herr Jesus eigentlich gar keine Kirche gründen wollte und jetzt braucht diese Kirche einen Kirchenstaat zur Absicherung ihrer Macht, Einflußnahme und ihrer Privilegien. Eine Kirc
Das Gespräch mit Bischof Marx ist sehr offen. Man könnte meinen, mit diesem "Preußen" auf dem Bischofsstuhl in München wird es der Kirche besser gehen.
Aber was soll sich ändern?
In Sachen Piusbrüdern wird Rom (sprich der Papst) "seinen" Weg gehen. Das ist für viele überzeugte Christen unglaubwürdig; denn anderen kirchenmitgliedern, wie den Wiederverheirateten wird die barmherzige Hand des Pontifex nixht geöffnet.
In Sachen Zölibat scheint alles zumindest nicht ehrlich zu sein:
- viele Priester leiden unter dem Alleinsein (besonders im Alter).
- In Afrika hält sich so gut wie kein Priester an die Ehelosigkeit und die Keuschheit.
- wenn evangelische Pfarrer in die kath. kirche übertreten, dann dürfen sie weiterhin verheiratet bleiben.
- ständige Diakone (das sind verheiratete Männer) müssen vor der Weihe versprechen, dass sie nicht wieder heiraten, wenn die Frau stirbt.
Der Kleirkalismus macht sich in vielen seminaren breit: das heißt, es wird wieder ein großer Wert auf die Unterscheidung gelegt, dass es in der Kirche Kleriker und Laien gibt.
Wo möchte der Bischof von München anfangen, etwas zu reformieren?
..."die Täter wurden weggelobt",
schreibt die Dreieinigkeit der notorischen SZ-Lügner. Damit meinen sie wohl auch den Priester, der aus Essen nach München zur Therapie geschickt wurde.
Aber es kommt ja nicht mehr darauf an...
Paging