Wenn die Partei nicht zum Wähler kommt, muss der Wähler zur Partei kommen: Beim Internet-Portal kandidatenwatch.de können Bürger die Landtagsbewerber befragen.
Peter Paul Gantzer ist ehrlich: "Mit einer einfachen Ortsvereins-Sitzung erreichen Sie heute niemanden mehr", sagt der Vizepräsident des Bayerischen Landtags. Ein paar Parteimitglieder vielleicht, aber eben keine potentiellen Wähler. Und eben jene mit Wahlkampfmaterial zuzukleistern, zieht auch nicht mehr, hat er erkannt.
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639 Direktkandidaten für den bayerischen Landtag können bei kandidatenwatch.de per Mail befragt werden - gefragteste Gesprächspartnerin ist derzeit Gabriele Pauli (© Screenshot: sueddeutsche.de)
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Wenn die Partei nicht mehr zum Wähler kommt, muss der Wähler eben zur Partei kommen, so der Gedanke dahinter. Deshalb hat der SPD-Politiker die Schirmherrschaft für ein Internet-Projekt übernommen, das den Bürger in die Lage versetzt, Politikern jene Fragen zu stellen, die ihn wirklich interessieren: Es heißt kandidatenwatch.de.
Für den Bundestag gibt es das schon lange, seit Donnerstag können auch 639 Direktkandidaten für den Landtag per Mail befragt werden. Wer nicht weiß, wer in seinem Stimmkreis kandidiert, kann einfach seine Postleitzahl eingeben und bekommt sämtliche Kandidaten aufgelistet. Bei jedem Namen ist ein Abgeordnetenprofil hinterlegt, darunter befindet sich ein Formular, in das man seine Frage eintragen kann. Der Fairness halber muss man noch seinen Namen und eine E-Mail-Adresse für die Antwort eingeben, fertig.
Die oft lästige Anmeldung ist bei kandidatenwatch.de überflüssig. Eine Redaktion überprüft, ob die Fragen mit dem Moderationskodex konform sind, und leiten sie dann an die Kandidaten weiter. In der Regel dauert es drei bis vier Tage, bis die Befragten antworten. Die bisher größte Resonanz erfuhr das Projekt bei der Bundestagswahl 2005, als insgesamt 12500 Fragen eingingen, von denen 8500 beantwortet wurden. Die Seite wurde damals 2,8 Millionen Mal aufgerufen.
Auf Landesebene ist es sicher etwas weniger, doch kandidatenwatch.de-Mitgründer Gregor Hackmack setzt auf die Meinungsmultiplikatoren: "Es gibt viele Leute, die regelmäßig auf kandidatenwatch.de surfen und ihre Eindrücke an Freunde und Bekannte weitergeben."
Das Projekt erhebt den Anspruch, gemeinnützig und überparteilich zu sein. Enge Bande gibt es zur Bürgerinitiative "Mehr Demokratie", die sich vor allem für Volksentscheide einsetzt und an der Finanzierung von kandidatenwatch.de beteiligt ist. Am gestrigen Nachmittag liefen die ersten beiden Fragen bei einer Kandidatin der Freien Wähler auf: Gabriele Pauli. Damit hatte sie vor dem noch prominenteren Bewerber im Stimmkreis Nürnberg-Nord die Nase vorn: Regierungschef Günther Beckstein.
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(SZ vom 08.08.2008/aho)
Die neueste Antwort
Pauli hat die Nase zu weit oben wäre der bessere Titel für diesen Artikel. Ich habe mir Kandidatenwatch angesehen - da wird von Frau Pauli von vornherein gleich einmal ausgeschlossen, dass sie auf einzelne Fragen antwortet, weil sie "Im Gegensatz zu Abgeordneten kein Büro für Öffentlichkeitsarbeit hat" und deshalb die Fragen angeblich nicht beantworten kann.
So eine Arroganz gegenüber dem Fragesteller spottet wirklich jeder Beschreibung und man wird den Eindruck nicht los, dass es bei ihrer Kandidatur nur um Selbstdarstellung und Profilierung des eigenen Ego geht - mit vernüftiger Politik hat das nichst zu tun.
Bei den anderen Antworten der Kandidaten der Freien Wähler verfestigt sich mein Eindruck immer mehr, dass es sich nur um eine Protestpartei handelt - kein vernünftiges, schlüssiges politische Konzept, es geht nur darum, bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die CSU-Regierung einzuschlagen.
Immer mehr bestätigt sich auch die Charakterisierung des FW-Vorsitzenden Aiwanger, die vor einigen Wochen in dieser Zeitung zu lesen war: "... er ist einzig und allein getrieben von seinem abgrundtiefen Hass auf die CSU...". Wenn dies das ganze Wahlprogramm ist, dann gute Nacht Freie Wähler!!!