Internet-Auktion Kappe, die zweite

Helmut Brossmann, Ex-Musikmanager, Schafzüchter und Papst-Fan, versucht zum wiederholten Mal, einen Pileolus auf Ebay zu versteigern. Aber ist der wirklich echt?

Von Andreas Glas, Regensburg

Mit getragenen Sachen lässt sich im Internet gutes Geld verdienen. Eine getragene Unterhose bringt bei Fetischisten zwischen 20 und 30 Euro, für eine getragene Unterhose von Michael Jackson soll ein Fan sogar mal eine Million Dollar gezahlt haben. Je bekannter der Träger, desto mehr Kohle. So gesehen hat Helmut Brossmann einiges richtig gemacht, es gibt ja kaum einen bekannteren Träger als Papst Franziskus. Nein, es geht nicht um die päpstliche Unterbuxe, es geht um seine Kappe, fachmännisch Pileolus genannt. Brossmann hat die Papstkappe bei Ebay angeboten - und für satte 6150 Euro verkauft. Dachte er jedenfalls.

Blöderweise nahm der Bieter sein Gebot zurück. Offizielle Begründung: Sein minderjähriges, nicht geschäftsfähiges Kind habe ohne sein Wissen für die Papstkappe geboten. Das klingt nach Ausrede, wahrscheinlich ist der Bieter von der Maus abgerutscht. Helmut Brossmann aus Etterzhausen bei Regensburg, ehemaliger Manager der Kastelruther Spatzen und mittlerweile von Beruf Schafzüchter, ist jedenfalls erst mal auf der Papstkappe sitzen geblieben. Für Schlagzeilen hat die Auktion trotzdem gesorgt - und dazu, dass ein Journalist der Mittelbayerischen Zeitung nachgeforscht hat, ob die Kappe jemals mit der heiligen Stirnglatze des Papstes in Berührung geraten ist. Das Ergebnis der Recherche: Es gibt Zweifel.

Ein solches Käppchen von Papst Franziskus steht auf Ebay zum Verkauf - Artikelzustand: gebraucht.

(Foto: dpa)

Helmut Brossmann behauptet gegenüber der Lokalzeitung, er habe die Kappe selbst über Ebay ersteigert, und zwar bei einer römischen Glaubensgemeinschaft, die unter dem Verkäufernamen "Father salvatore" firmiert und versichert habe, dass die Kappe von Franziskus getragen worden sei. Reicht nicht als Echtheitsnachweis? Reicht schon, findet Helmut Brossmann, er habe die Ordensleute persönlich im Vatikan getroffen, und zwar im Gästehaus des Papstes. "Warum sollten mich Ordensangehörige belügen?", sagt Brossmann. Außerdem habe ihn die Kappe stolze 980 Dollar gekostet - was ja viel zu viel wäre für eine Kappe, die der Papst nie getragen hat, eh klar. "So vier, fünf, sechs Pileoli" habe er insgesamt aus Rom bekommen, alle von Franziskus getragen, absolut sicher.

Der misstrauische MZ-Journalist hat dann nachgefragt bei "Father salvatore" - und der behauptet, nie eine Papstkappe an Brossmann verkauft zu haben, mehrere Kappen schon gar nicht. "Es ist unmöglich, gleich fünf Kappen zu finden, die vom Papst berührt oder getragen wurden", sagte "Father salvatore".

Es steht jetzt also ein böser Verdacht im Raum. Der Verdacht, dass Helmut Brossmann die Papstkappe in einem der Souvenirläden rund um den Vatikan gekauft hat. Dass er die Kappe nur deshalb als Original angeboten hat, um auf Ebay möglichst viel Kohle abzuzocken. Brossmann weist diesen Verdacht zurück, aber beweisen kann er die Echtheit der Papstkappe halt auch nicht. Es ist ja alles viel komplizierter als damals, als der Zivildienstleistende Benjamin Halbe zufällig den VW Golf gekauft hatte, der zuvor Joseph Ratzinger gehörte. Als aus Kardinal Ratzinger dann Papst Benedikt wurde, ließ er das Auto im Mai 2005 für fast 190 000 Euro bei Ebay versteigern. Als Nachweis genügte ihm damals der Fahrzeugbrief. Eine Art Kappenbrief gibt es blöderweise nicht.

Heilig's Blechle: Helmut Brossmann im Jahr 2005 mit seinem Papst-Golf. Das Auto ist aber kein Original, sondern bloß ein Nachbau.

(Foto: Fabio Frustaci/dpa)

Helmut Brossmann hat damals übrigens auch schon Schlagzeilen gemacht - weil er sich den Papst-Golf täuschend echt nachbauen ließ. Er ist ein Papst-Fan, vielleicht ist er ja vor lauter Papstbegeisterung nun selbst zum Opfer einer Täuschung geworden? Brossmann schließt das offenbar aus, er glaubt weiter an die Echtheit der Papstkappen. Mittlerweile hat er wieder eine bei Ebay eingestellt, am Mittwochnachmittag lag das Höchstgebot bei 1000 Euro. Den Erlös, egal wie hoch, werde er an das Kloster der Klarissen in Maria Vesperbild spenden.