Infrastruktur An der Grenze der Belastbarkeit

Baustellen aller Orten: Der schlechte Zustand der Schienenwege und der Straßen wirkt sich bereits negativ auf den Warenverkehr aus.

(Foto: Claus Schunk)

Bayerns Straßen, Schienenstrecken und Brücken sind mehr als marode, denn seit Jahren wird zu wenig in die Infrastruktur investiert. Nun warnen Experten: Wenn nicht bald deutlich mehr Geld fließt, ist der Wohlstand in Gefahr.

Von Ralf Scharnitzky

Noch rollt der Warentransport im Freistaat, der Export läuft auf vollen Touren. Bisher ist nur "Sand im Getriebe", wie Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, es zurückhaltend nennt. Doch der Zustand der Verkehrswege gefährdet zunehmend den Wirtschaftsstandort Bayern. Und deshalb kann Driessen auch deutlicher werden: "Wir brauchen mehr Geld für die Verkehrsinfrastruktur. Die Straßen sind teilweise an der Grenze der Belastbarkeit."

Und auch im Schienennetz fehlt es an Geld: "Die Mittel für Sanierung und Ertüchtigung liegen seit Jahren unter dem Bedarf", sagt Deutsche-Bahn-Manager Klaus-Dieter Josel. Allein 175 Brücken im bayerischen Schienennetz sind marode. Jetzt soll gegengesteuert werden. Doch wie, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Einig sind sich alle Experten allerdings in einem: Wenn nichts geschieht, ist der Wohlstand Bayerns in Gefahr.

Wenn Straßen verfallen

Marode Straßen und Brücken zwingen bayerische Transportunternehmer immer öfter zu kostspieligen Umwegen. Für sie ist klar: Es muss mehr Geld in den Straßenbau gesteckt werden. Eine Ausweitung der Maut lehnen sie aber ab, die Branche kämpft mit ganz anderen Problemen. Von Ralf Scharnitzky mehr ...

Noch sind es vor allem Geschwindigkeitsbegrenzungen, kurzzeitige Sperrungen und Engpässe, die den Warenfluss im Freistaat behindern. "50 Prozent ihrer Zeit verbringen die Lkw-Fahrer im Stau", sagt Transportunternehmer Siegfried Zetzl aus Röthenbach an der Pegnitz. Der wirtschaftliche Schaden hält sich noch in Grenzen. Doch wenn mal wichtige Verbindungen für längere Zeit gekappt werden müssen, wird es teuer. "Wenn eine Autobahnbrücke drei Monate gesperrt werden muss, beträgt der volkswirtschaftliche Schaden leicht 80 Millionen Euro", sagt Kurt Bodewig auf einer Expertentagung in München.

Zu wenig Investitionen

Der ehemalige SPD-Bundesverkehrsminister ist Vorsitzender einer Anfang 2013 geschaffenen Kommission. Deren Aufgabe laut Verkehrsministerkonferenz: die Schaffung eines "Zukunftskonzepts für die Finanzierung des notwendigen Nachholbedarfs und die Sanierung auf Straßen, Schienen und Wasserstraßen". Das Konzept ist dringend notwendig. Denn Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann macht auf der Tagung der Initiative "Damit Deutschland vorne bleibt" deutlich, dass sich die Situation auf Bayerns Straßen "weiter verschärfen" wird. Beim Verkehrsträger Nummer eins wird nach aktuellen Prognosen das Güterverkehrsaufkommen am stärksten zunehmen. Bei der Transportleistung wird der Verkehrsanteil auf fast 75 Prozent steigen.

Mit 2500 Kilometer Bundesautobahnen, 6300 Kilometer Bundesstraßen sowie 17 000 Kilometer Staats- und Kreisstraßen ist Bayern gut erschlossen. Die Straßen sind das Rückgrat der Verkehrsinfrastruktur. Nur: Seit Jahren wurde nicht mehr genug Geld in die Instandhaltung der Verkehrswege investiert - auch, weil seit der Wende das meiste Geld aus dem Bundesetat in den Aufbau Ost gesteckt wurde. Seit einigen Jahren kann der Aus- und Neubau von Straßen in Bayern nicht mehr mit der gestiegenen Verkehrsleistungen Schritt halten.

Neue Ampeln braucht das Land

32 Maßnahmen, 440 Millionen Euro: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat sein Verkehrssicherheitsprogramm vorgestellt. Das Ziel: Die Zahl der Verkehrstoten soll bis 2020 um 30 Prozent reduziert werden. Von Sarah Ehrmann mehr ...

Auch im Schienennetz drohen erhebliche Engpässe bei der Elektrifizierung vieler Strecken und bei den Verbindungen zu den Nachbarländern. Verkehrsminister Herrmann: "Ob Ausbau des Ostkorridors, die Strecke ins Chemiedreieck oder nach Zürich und Prag - der Elektrifizierungsgrad von etwas mehr als 50 Prozent in Bayern muss gesteigert werden." Auch der Anschluss an den Brennerbasistunnel müsse endlich gebaut werden. Herrmann gibt auf der Tagung zu, von den Baufortschritten in Österreich und Italien überrascht worden zu sein. Nun will er Druck machen, damit die Zulaufstrecke auch im bayerischen Inntal endlich angepackt wird: "Es darf nicht sein, dass das Projekt an uns scheitert."