Influenza Bayerische Krankenhäuser stoßen wegen Grippewelle an ihre Grenzen

Schön in der Simulation - lebensgefährlich in der Wirklichkeit: An echter Grippe sterben noch immer viele Menschen, auch in Bayern. Experten raten dazu, sich impfen zu lassen.

(Foto: SPL/Mauritius)
  • Die diesjährige Grippewelle rollt über Ostbayern: Zwölf Menschen sind im Freistaat bereits an Influenza gestorben.
  • In Krankenhäusern werden immer wieder die Betten knapp, sodass Patienten nicht mehr aufgenommen werden können.
  • Zusätzlich zum Patientenansturm erkranken etliche Ärzte und Pflegekräfte selbst und fallen aus.
Von Dietrich Mittler

Die Grippewelle hat jetzt mit voller Kraft den ostbayerischen Raum erreicht. Die meisten Kliniken in Niederbayern sowie in der Oberpfalz melden einen erheblichen Patientenansturm, einige Häuser mussten sich immer wieder kurzzeitig bei den Rettungsdiensten abmelden, weil sie aufgrund fehlender Betten keine weiteren Patienten mehr aufnehmen konnten. Im Klinikum Passau wurden am Donnerstag zwei Influenza-Patienten aufgrund ihres schweren Krankheitsverlaufs künstlich beatmet, wie Chefarzt Matthias Wettstein auf Nachfrage mitteilt.

Bayernweit sind laut Gesundheitsministerium nach neuesten Erkenntnissen 9258 Influenza-Fälle seit Anfang Oktober 2017 registriert worden, zwölf Patienten seien mittlerweile infolge des Infektes gestorben. "Ich denke, wir sind jetzt auf dem Höhepunkt der Grippewelle", sagt Chefarzt Wettstein.

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Sowohl in der vergangenen als auch in dieser Woche sei im Klinikum Passau die Zahl der Influenza-Patienten stark angestiegen. Auch hier war die Infektionsstation mit insgesamt 16 Betten schnell voll. In der Folge wurden andere Zimmer für Influenza-Patienten zur Verfügung gestellt, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Ein spezielles Problem ergab sich allerdings daraus, dass das Klinikum Passau schon vor der Grippewelle relativ voll war. Derzeit müssen dort etwa 45 Influenza-Patienten stationär behandelt werden. "Man sieht aber sicherlich noch mal das Doppelte an Influenza-Patienten, die auch ambulant behandelt werden können", sagt Wettstein, in dessen Verantwortungsbereich unter anderem auch die Notaufnahme fällt.

Anderen Häusern im Umkreis ergeht es derzeit nicht besser. "Durch die aktuell gehäuften Influenza-Fälle stoßen unsere Krankenhäuser in Vilshofen, Rotthalmünster und Wegscheid immer wieder an ihre Kapazitätsgrenzen", sagt Josef Mader, einer der zwei Geschäftsführer der Krankenhäuser im Landkreis Passau.

Patienten gehen ins Krankenhaus, weil der Hausarzt geschlossen hat

Ähnlich sieht es derzeit in der Oberpfalz aus: "Aktuell sind bei uns 20 bis 25 Influenza-Patienten pro Tag da", sagt Stephan Röckelein, der am Klinikum St. Marien in Amberg die Abteilung für Krankenhaushygiene leitet. Angesichts der sich zuspitzenden Lage hat Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) nun erneut an Erkrankte appelliert, "sich zunächst an ihren Hausarzt, den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns oder eine ambulante Bereitschaftspraxis zu wenden". Die ambulante Notfallversorgung sei "nicht Aufgabe der Krankenhäuser".

Doch in der Praxis läuft es oft anders, wie Geschäftsführer Josef Mader aus seinen Häusern zu hören bekam. Laut Aussage der Patienten hatten diese die Krankenhaus-Ambulanz deshalb aufgesucht, "weil ihr Hausarzt geschlossen hatte".

Wie bereits im vergangenen Jahr hat die Grippewelle auch jetzt wieder Folgen für die Arbeit der Rettungsdienste: Selbst das Klinikum Passau mit immerhin 620 Planbetten hat sich, wie Chefarzt Matthias Wettstein bestätigte, bereits aus der Rettungskette abmelden müssen. Lebensbedrohliche Fälle würden freilich auch weiterhin aufgenommen, betont Wettstein.

Ein weiteres Problem: Etliche Ärzte und Pflegekräfte erkranken und fallen aus

Auch die kleineren Häusern im Landkreis Passau kämpfen derzeit mit solchen Problemen: "In dieser Woche mussten wir für mehrere Stunden die Aufnahmestationen unserer Krankenhäuser bei der Rettungsleitstelle abmelden - in Vilshofen und Wegscheid jeweils einmal, in Rotthalmünster sogar zweimal", sagt Geschäftsführer Mader. Aktuell aber sei keines der drei Häuser abgemeldet.

Zum Patientenansturm kommt derzeit ein weiteres Problem hinzu - etliche Ärzte und vor allem Pflegekräfte erkranken ebenfalls an Influenza und fallen aus. Noch aber sei dies durch Einspringen der gesunden Kollegen auszugleichen. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Krankheitsverlauf - aktuell vor allem hervorgerufen durch Influenza-Erreger der Gruppe B - nicht ganz so heftig, sagt Chefarzt Wettstein.

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