Ihre Forderungen liegen auf dem Tisch: nach neuen Kopfkissen, russischen Speisen oder einem Fernseher. 125 Russlanddeutsche sind in der JVA Würzburg in Hungerstreik getreten. Nicht alle von ihnen jedoch freiwillig.
Als erstes werden nun die Bücher ausgetauscht. Wer künftig im Arrest sitzt in der Justizvollzugsanstalt Würzburg, der kann dort vielleicht Karl May lesen. Oder was sich sonst so findet in der Anstaltsbibliothek. Auf jeden Fall wird es nicht nur religiöse Literatur geben, wie das bislang der Fall war. Eine Lappalie? Offenbar nicht für die Häftlinge, die am Montag der vergangenen Woche in den Streik getreten sind. Hungerstreik. 75 hatten begonnen, am Dienstag verweigerten noch 50 die Nahrung. 15 Forderungen richteten sie an die Anstaltsleitung. Dass sie im Arrest andere Bücher lesen wollten, war eine davon.
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Die streikenden Häftlinge im Würzburger Gefängnis haben 15 Forderungen gestellt - unter anderem nach neuen Kopfkissen und russischen Speisen. (© picture alliance / Daniel Karman)
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Am Dienstag nun sprach Anstaltsleiter Robert Hutter mit den Gefangenensprechern und ging die Forderungen durch. Ein paar Wünsche wird er erfüllen, andere nicht. Erpressen lassen werde er sich nicht, hatte er schon vorher betont. Um den Hungerstreik zu beenden, hat er außerdem ein paar Anführer in andere Anstalten verlegen lassen. Denn nicht alle hätten sich freiwillig an dem Streik beteiligt, sagt er. Die streikenden Gefangenen sind Russlanddeutsche, "da herrscht ein großer Gruppendruck", sagt Hutter. Und zwar ein so großer, wie er ihn unter anderen Volksgruppen noch nicht erlebt habe. Die Russlanddeutschen stellen die größte Gruppe in den bayerischen Gefängnissen, 980 Häftlinge von insgesamt 12.420 Gefangenen waren es zum 30. November 2011, sagt eine Sprecherin des Justizministeriums. In Würzburg stammen 15 Prozent der Inhaftierten aus der ehemaligen Sowjetunion.
Einen starken Gruppenzwang attestiert auch der evangelische Pfarrer Helmut Küstenmacher aus Ingolstadt inhaftierten Russlanddeutschen: "Es gibt eine harte hierarchische Struktur, eine Hackordnung mit wenigen Rädelsführern. Diese Häftlinge sondern sich im Gefängnisalltag ab, nehmen unser System der Hilfe mit Sozialarbeit, Seelsorge oder Ausbildung nur schwer an." Küstenmacher hat lange im Jugendstrafvollzug gearbeitet und russlanddeutsche Jugendliche als größte homogene Gruppe kennengelernt.
Es ist der oft harte Bruch in der Familienbiographie, die einige Söhne und Enkel der einstigen deutschstämmigen Minderheit in der UdSSR die Gewaltstatistiken hierzulande anführen lassen. Vor allem Jugendliche, die zwischen zehn und 15 Jahre alt waren, als sie mit ihren Familien Mitte der 1990er Jahre als Spätaussiedler nach Deutschland kamen, hatten große Probleme, sich zu integrieren, sagt Küstenmacher. "Sie stammen oft aus binationalen Familien, sprachen kein Deutsch. Sie scheiterten an Förderschulen, obwohl sie in der Sowjetunion Gymnasien besuchten." Schritt für Schritt rutschten manche in die Kriminalität ab, es begann mit kleinen Straftaten.
Der Seelsorger beschreibt diese Spirale so: "In Kasachstan beispielsweise konnten die Jugendlichen ohne Schein im Karpfenteich angeln und Moped fahren. Wenn sie es hier taten, war das eine Straftat." Fast immer spielten auch Delikte mit Körperverletzung eine Rolle, sagt Küstenmacher: "Differenzen werden eher mit Fäusten ausgetragen, Gewalt ist da nicht so negativ konnotiert." Den Hungerstreik in Würzburg wertet der Pfarrer als Prozess mit "ausgeprägter Gruppendynamik". In seiner Zeit als Seelsorger in der JVA Neuburg-Herrenwörth erlebte er ebenfalls einen Streik: Die Russlanddeutschen waren damals nicht bereit, die Toiletten, die auch andere benutzten, zu putzen. Aus Protest rasierten sich einige die Haare ab. Erst als die Rädelsführer in andere Anstalten verlegt wurden, löste sich das Problem.
Zwei bis vier Kilo haben die Männer in Würzburg in der einen Woche abgenommen, "die sind alle noch gut beieinander", sagt Robert Hutter. Sie wurden medizinisch überwacht und durften zuletzt auch nicht mehr arbeiten und keinen Sport mehr treiben. Immerhin, ein paar ihrer Wünsche könnten sich erfüllen. Die neuen Kopfkissen und Bettdecken zum Beispiel, die sie gefordert hatten, die bekommen sie ohnehin.
Das Ministerium sei dabei, die alten Kopfkeile Anstalt für Anstalt zu ersetzen, sagt Hutter. Mai, Juni wird es wohl werden, dann kriegen sie auch in Würzburg neues Bettzeug. Und um russisches Essen, Hefekringel zum Beispiel, wolle sich der Anstaltskaufmann bemühen. Die eigenen Fernseher dagegen bleiben draußen. "Wir haben einfach niemanden, der sie kontrolliert", sagt Hutter. Zu oft seien in den Geräten Drogen geschmuggelt worden. Nun müssen sich die Gefangenen Fernseher ausleihen oder im Gefängnis kaufen. Und auch die feinmaschigen Gitter bleiben an den Fenstern, damit niemand Essensreste hinauswirft, die Ratten und Vögel anlocken.
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(SZ vom 01.02.2012/bica)
Vor dem ESC-Finale in Aserbaidschan
Die neueste Antwort
Dünne Luft? Nur weil etwas "müßig" ist, ist alles hinzunehmen. Sie sind offensichtlich KEIN Bergsteiger.
Und: für derartes ist der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte zuständig - bereits vielfach konsultiert, vielfach geurteilt - nur die Justiz in Bayern interessiert das in Teilen offensichtlich nicht - weder was die Diskriminierung beim Sorgerecht angeht noch die Menschenrechtswidrigkeit der nachträglichen Sicherungsverwahrung!
Wie gesagt, müßig aber NOTWENDIG! Nennt sich "Rechtsstaat"!
"es ist müßig immer wieder die gleichen unterirdischen Vorurteile und Phrasen.......".
Dann laßen sie es doch einfach. Sie werden keinem verklausulieren können, warum ein rechtsstaatlich verurteilter Gefängnisinsasse mehr Rechte und Komfort haben soll, als viele unbescholtener Bürger. Und daß Ihrer Meinung nach 30% der Insassen zu Unrecht in unseren Gefängnissen sitzen, würde ich mal dem EU-Gerichtshof melden.
...es ist müßig, immer wieder die gleichen unterirdischen Vorurteile und Phrasen von Unbedarften zu widerlegen (und wohl auch sinnlos, wie in der SZ heute zu lesen "Wie man Starrköpfe überzeugt - nur mit FAKTEN lassen sich Mythen und Irrtümer kaum aus der Welt schaffen" in der Rubrik WISSEN! ).
Ich kann Ihnen eines aus Erfahrung sagen: in Bayerns JVA sitzen nicht nur "Verbrecher" sondern auch Unschuldige und jede Menge Menschen, die man juristisch abqualifiziert als Störenfriede oder "Querulanten", jede Menge OPFER psychosozialer Ausgrenzungen und Suchtkranke!
30 Prozent der bayerischen Haftinsassen müssten m.E. nach rechtsstaatlichen Maßstäben SOFORT entlassen werden, aufgrund auch politisch motivierter Kriminalisierung.
Sollte eine Oppositionspartei für die Wahl 2013 Fakten und Erfahrungen aus Justiz, Strafverfolgung, Psychiatrie und Strafvollzug benötigen, BITTE MELDEN!
Hauptsache die CSU wird endlich abgewählt und manche "hochrangigen" Juristen, die auf breiter Front Existenzen und Gesellschaft schädigen, werden endlich auch als das wahrgenommen was sie sind - (meiner Meinung nach) Verbrecher im Amt. Insoweit verweise ich weiter auf meine Anfrage auf "abgeordnetenwatch.de" - eine Antwort seitens Frau Merk, wo ich die behaupteten Straftaten der Freiheitsberaubung im Umfeld Generalstaatsanwalt Lückemann (CSU) und 1. Strafsenat OLG Bamberg unter Vorsitz Baumann (CSU) sachgerecht und NEUTRAL GEWERTET einreichen kann, ist immer noch offen.
Auch die FRAGE, weshalb ein Gaddafi-Sohn nicht verfolgt wurde und offenbar die erhebliche Gefahr für Bürger IGNORIERT wurde, ist offen!
Unterm Strich kann ich weiter AUFGRUND ERFAHRUNG sagen: mancher Russlanddeutsche im Räderwerk der Justiz ist charakterlich wertvoller, ehrlicher und verlässlicher als mancher fränkische Staatsanwalt!
sie verwechseln da was. es geht hier nicht um irgendwelche vorurteile. es geht hier um häftlinge (egal woher!) die hier ansprüche stellen als wären sie im 4.sterne hotel. ich möchte nicht, dass von meinem steuergeld, das ich täglich erarbeiten muss, irgendwelche menüwünsche von kriminellen bezahlt werden!!!
solange diese menschen nicht im dreck wohnen müssen, sondern sauber, trocken und warm, solange haben die keine ansprüche zu stellen. es handelt sich um strafvollzug und keine kinderveranstaltung mit wünsch-dir-was programm.
es kann ja wohl nicht sein, dass kriminelle, die anderen schaden zugefügt haben besser gestellt werden, als menschen die ihr heim verloren haben und auf der straße leben müssen.
Die Anstalten gehoeren also auf den Pruefstand, ja? Und warum genau? Weil es dort nicht Speisen fuer jede Bevoelkerungsgruppe gibt? Weil dort ach so schlimme Maschen-Fliegengitter vor den Fenster haengen ("Das ist menschenunwuerdig")? Weil die armen Gefangenen unter Wolldecken schlafen muessen und nicht unter Daunendecken? (In einer anderen Zeitung war zu lesen, dass die Haeftlinge keine NEUEN Decken und Kopfkissen wollen, sondern ANDRE - also keine Wolldecken mehr und bequemere Kissen)? Weil nicht jeder einen Fernseher hat?
Was ist denn noch "menschenunwuerdig"? Dass nicht jeder Haeftling Zugriff auf eine Playstation hat? Dass nicht jeder Freigang hat, mit Fussfessel, kommen und gehen kann, wann er will? Dass zu einer gewissen Uhrzeit "Licht aus" sein muss?
Mein/e liebe/r mdeeg, wir sprechen hier von Verbrechern in einem Gefaengnis, wir reden nicht von Hotels. Sie wollen ja wohl nicht sagen, dass man Verbrechen begehen darf und danach untergebracht sein wie in einem bequemen Zuhause!! Jeder einzelne dieser Russlanddeutschen kann sich gluecklich schaetzen, in einer deutschen Anstalt zu sitzen. Die Bedingungen in einem russischen Gefaengnis, oder einem asiatischen, oder einem arabischen oder sogar einem amerikanischen wollen wir gar nicht erst ansprechen, nicht wahr? Da wuerde ich mir Ihre Aussage von wegen "menschenunwuerdig" aber noch mal ganz in Ruhe ueberlegen!!
Erst, wenn Haeftlinge zu 10 oder 15 in einer Zelle untergebracht sind, auf dreckigen Matrazen ohne Bett auf dem Boden schlafen muessen, sich an Kakerlaken, Ameisen und sonstigem Getier erfreuen duerfen, jeden Tag denselben buchstaeblichen Brei zu essen bekommen, aufs Klo gehen muessen, das seit Monaten nicht gereinigt wurde - erst dann koennen wir ueber "Pruefstand" sprechen, ok? Denken Sie, solche Gefaengnisse gibt's nicht? Schauen Sie mal nach Asien, dorthin, wo Sie evtl. in Urlaub reisen...!
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