Bei einem Wellness-Urlaub wollte Wolf-Dieter Flakowski entspannen. Doch dann gab man dem Rollstuhlfahrer zu verstehen: Behinderte sind in der Sauna unerwünscht.
Das Hotel "Jagdhof" in Röhrnbach im Bayerischen Wald ist ein stolzes Haus. "Maßstäbe in der Saunakultur" habe man gesetzt mit dem Ausbau einer "Wellness"-Landschaft. Die Gäste können in einem Tepidarium, in einem Kraxenofen oder einer schlichten finnischen Sauna schwitzen und entspannen.
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Hotel im Bayerischen Wald - Rollstuhlfahrer sind in der Sauna unerwünscht. (© Foto: AP)
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Ein wunderbarer Ort für einen Kurzurlaub, dachten sich jüngst Wolf-Dieter Flakowski und Elisabeth Zeller. Ist doch der Alltag schwer genug für die beiden: Der Allgemeinarzt Flakowski sitzt nach einem Hirnschlag seit dem Jahr 2007 im Rollstuhl. Zeller pflegt ihn.
Doch der Urlaub des 66 Jahre alten Schwerbehinderten aus Fürstenfeldbruck endete unerwartet schon nach einem Tag, wie Zeller in der Passauer Neuen Presse klagt. "Noch nie in meinem Leben bin ich so beleidigend und entwürdigend behandelt worden", sagt Zeller. Man habe das Paar aufgefordert, die Sauna doch bitte nicht mehr zu besuchen.
Gäste hätten sich beschwert.Der Chef des Familienhotels, Josef Ritzinger, bestätigte der SZ, das Paar nach einem Saunabesuch angesprochen zu haben. "Ich muss Interessenvermittler aller Gäste sein, da kommt es leider mitunter zu Konflikten", sagt er. Zwei Paare hätten sich beschwert, die Sauna nicht mehr besuchen zu wollen, wenn der Rollstuhlfahrer weiter Zugang habe. Sein Anblick deprimiere andere Gäste, berichtet der Hotelchef. Und sagt auch: "Ich an seiner Stelle würde anderen den Anblick dieses schlimmen Schicksals nicht zumuten wollen."
Im Landkreis Freyung-Grafenau tut man sich schwer mit den Vorwürfen - obwohl die Region erst im Juli damit warb, besonders "barrierefrei" zu sein. Die Behindertenbeauftragte des Kreises will nichts sagen, verweist auf Pressesprecher Karl Matschiner. "Solch ein Vorkommnis ist nicht hilfreich für uns", sagt der und versichert, behinderte Gäste seien natürlich herzlich willkommen.
Deutliche Kritik am Gastgeber bleibt aber aus. Man wolle die Kommunikation privatwirtschaftlicher Betriebe nicht weiter kommentieren. Was wohl auch an den Machtverhältnissen im Landkreis liegt. "Der Jagdhof ist unser einziges Hotel in dieser Premiumkategorie", sagt Matschiner.
(SZ vom 02.09.2009/bica)
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Die neueste Antwort
Ich kenne zwar den Hotelbesitzer nicht und habe seinen herrlichen Anblick noch nicht genossen, aber seine deprimierende zwischenmenschliche Haltung ist niemandem zuzumuten.
"Der Chef des Familienhotels, Josef Ritzinger, bestätigte der SZ, das Paar nach einem Saunabesuch angesprochen zu haben. (...) Sein Anblick deprimiere andere Gäste, berichtet der Hotelchef. Und sagt auch: "Ich an seiner Stelle würde anderen den Anblick dieses schlimmen Schicksals nicht zumuten wollen."
Herr Ritzinger, ich an ihrer Stelle würde anderen Ihr abgefeimtes und bodenloses Neusprech nicht mehr zumuten wollen. An Ihrer Stelle und mit Ihrer Feinfühligkeit ist das Bewegen von Aschentonnen eine echte Herausforderung!
...sind das ja jetzt nicht - eher schon die Vorboten neoliberalen Neusprechs.
"Ich würde - an Ihrer Stelle - meinen deprimierenden Anblick niemandem zumuten wollen!"
Das ist die abgefeimteste und bodenloseste Bemerkung, die jemals ein Hotelmanager gegenüber einem behinderten Menschen hat loswerden können.
Sie Hotelmanager, ja Sie! Ich würde - an Ihrer Stelle - meine Bodenlosigkeiten niemandem mehr zumuten wollen und aus dem Tourismusgeschäft aussteigen. Für Ihre Form von Sensibilität ist ja die Behandlung von Aschentonnen eine feinmotorische Großtat, für die Sie sich vielleicht besser eignen. Suchen Sie sich bitte neue Herausforderungen. Nehmen sie einen Vorschlaghammer, suchen Sie sich einen großen Stein, hoch droben im Gebirge, und behauen den -
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Interessant für mich als Niederbayern mit seelischen Wurzeln im Bayerischen Wald ist auch schon die verräterische Sprache der Verantwortlichen. Vor drei Jahrzehnten noch unterschied sich Bayerische Wald von anderen Regionen Bayerns dadurch, dass man keine "Fremdenzimmer" hatte, sondern "Feriengäste" empfing - ein klares Zeichen bodenständiger Frundlichkeit. Das Wort "Tourismus" war nicht in Gebrauch, es gab keine "Vermieter", sondern "Gastgeber".
Sprachlich besonders dumpf haut ein gewisser "Siegfried Putz" vom "Tourismus-Marketing Bayerischer Wald" nun im Forum der Passauer Neuen Presse auf denselben, zu finden unter
http://www.pnp.de/mitmachen/forum/viewtopic.php?t=60769&sid=b809b8188efb1e64b4b5a82215b4eec5
Ich würde mir im Interesse der vielen netten und freundlichen Menschen (nicht nur Gastgeber, sondern die Bevölkerung im Bayerischen Wald im Allgemeinen) wünschen, dass dieser Einzelfall Jagdhof Ritzinger nun nicht zur Diskriminierung der vielen Unbeteiligten führt, die sich mit "Feriengästen" bestens vertragen und verstehen und sich auch entsprechend gastfreundlich benehmen.
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