Künftig könnte der Arztbesuch teuer werden: Frauenärzte wollten Kassenpatientinnen nur noch gegen Vorkasse behandeln. Der Verband der Ersatzkassen hat sie bereits davor gewarnt.
Der Besuch beim Frauenarzt kann in Bayern für Kassenpatientinnen eine teure Angelegenheit werden. Nach dem Willen ihres Verbandsvorsitzenden Peter Hausser sollen die Mediziner im Freistaat künftig Geld für Behandlungen verlangen, die bisher die Kassen bezahlt hatten.
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Frauenärzte wollten Kassenpatientinnen nur noch gegen Vorkasse behandeln. Der Verband der Ersatzkassen hat sie bereits davor gewarnt, die Behandlungen selbst zu zahlen. (© Foto: AP)
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Spezielle Ultraschalluntersuchungen etwa gibt es dann nur noch nach Vorkasse. "Wir können nur noch Leistungen anbieten, bei denen wir nicht draufzahlen", sagte Peter Hausser, Landesvorsitzender der Frauenärzte. Noch diese Woche will er die Ärzte im Verband über diesen drastischen Schritt informieren.
Seit Jahresbeginn gelten neue Honorarregeln. Sie sind zusammen mit dem Gesundheitsfonds in Kraft getreten. Seither sind die niedergelassenen Ärzte in hellem Aufruhr. Sie erwarten dramatische Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent. Am schlimmsten trifft es offenbar die Fachärzte.
Ambulante Operateure und Therapeuten begehrten schon auf, jetzt greifen die Frauenärzte zu zweifelhaften Mitteln und setzen sich an die Spitze des Protests. "Wir arbeiten am unteren Ende der Einkommensskala", rechtfertigt Hausser sein Vorgehen. "Die neuen Honorarsätze gefährden unsere Existenz."
Für die Behandlung einer Patientin, die mit akuten Beschwerden in die Praxis komme, könne der Frauenarzt nach Verbandsangaben neuerdings nur noch knapp 16 Euro im Quartal abrechnen. Bis Januar hätten Mediziner noch das Dreifache bekommen. Die Lösung der Frauenärzte: Jetzt sollen die Patientinnen erst zahlen und sich dann das Geld von ihren Krankenkassen zurückholen.
Die Frauenärzte wollen Patientinnen alle Untersuchungen und Eingriffe in Rechnung stellen, bei denen nach Berechnungen des Verbandes das Honorar nicht ausreiche, sagte Hausser. Leistungen wie Krebsfrüherkennung oder Untersuchungen während der Schwangerschaft seien von der Protestaktion nicht betroffen, betonte Hausser.
Die Patientinnen kommen in eine schwierige Lage. Der Verband der Ersatzkassen hat sie bereits davor gewarnt, die Behandlungen selbst zu zahlen. Dort denkt man gar nicht daran, die Rechnung zu begleichen. Im Streit zwischen Fachärzten, Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) über die Umstellung der Honorarregeln drohen die Kranken völlig unter die Räder zu geraten.
Dabei ist es nicht so, dass neuerdings weniger Geld zur Verfügungsteht. Alle Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland haben mit Jahresbeginn mehr Geld für die ärztliche Versorgung bekommen - aber es kommt nicht bei allen Ärzten gleichermaßen an. Einer Sprecherin der KVB zufolge wird außerdem ein großer Teil des Geldes als Rücklage einbehalten, um später korrigierend eingreifen zu können. Für dieses Vorsorgedenken haben wiederum die Krankenkassen wenig Verständnis.
(SZ vom 07.01.2009)
Die neueste Antwort
heisst das Zauberwort im Gesundheitswesen: Solange der Betrug von allen Seiten anhält wird nichts besser. 1 Leistungskatalog mit klar definierten Leistungen und Preisen. 2. Rechnung an Patienten, die die Leistung kontrollieren können. 3. Mechanismen zur Bekämpfung der Korruption im Gesundheitswesen.
Aber weder Politik noch Kassen noch Kassenärztliche Vereinigungen haben in irgendeiner Weise Interesse an Transparenz. Damit wird es weitergehen: Steigende Beiträge für Versicherte, sinkende Leistungen für Versicherte, Pleite von Praxen, die ehrlich abrechnen.
Ein guter Mediziner sucht nach den Ursachen. Und für das jetzige Dilemma gibt es viele Ursachen - hier nur Einige
1. Um "Gesundheit" ist eine Industrie entstanden, an der alle mitverdienen wollen und mit Unmassen angstmachender Werbung und unnötigen Untersuchungen aufwartet.
2. Die Menschen rennen wegen jedem kleinen Wehwehchen zum Arzt, ohne sich erst einmal selbst drum zu kümmern, bzw. sich mehr um sich selbst zu kümmern. Was muss ich ständig zum Arzt oder teuren Privatveranstaltungen rennen, nur weil ich zu wenig Bewegung und deshalb Rückenschmerzen habe?
3. Um Facharzt zu werden, muss man eine gewisse Anzahl bestimmter Behandlungen nachweisen. Das führt zu der absurden Situation, dass viel häufiger unnötige Eingriffe vorgenommen werden als man denkt.
4. Um der Gewinnmaximierung willen werden die Ligeezeiten der Patienten immer häufiger den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Krankenhäuser angepasst - unabhängig von den eigentlichen Bedürfnissen. Zu frühe oder zu späte Entlassungen sind an der Tagesordnung.
5. Die fehlende Selbstkontrolle unter den Ärzten erlaubt erst einen massiven Abrechnungs-Missbrauch weniger skrupelloser Kollegen.
6. Die freie Wahl des Facharztes ist absoluter Humbug und m.E. eine der Hauptwurzeln des Übels. Viele Rückenschmerzen haben z.B. psychosomatische Ursachen oder sind Vorboten internistischer oder neurologischer Erkrankungen/Beschwerden. Aber haben Sie schon einmal einen Orthopäden gesehen, der seine Patienten routinemäßig zu seinem größten Feind - dem Internisten - zur Abklärung schickt? Ich nicht. Viele Fachärzte sind überhaupt nicht mehr in der Lage oder willens interdisziplinär/ganzheitlich zu denken und handeln.
Einige Vorschläge:
1. Zurück zum Hausarztmodell mit Ausbau der interdisziplinären Netzwerke!!!! Freie Facharztwahl nur bei Routinechecks.
2. Weg von den Punktewerten, hin zum fortbildungsabhängigen Stundensatz.
3. Einsicht der Kassenpatienten in die sie betreffenden Abrechnungen (beste Kontrolle gegen den Abrechnungsbetrug).
4. Abschaffung der KVs
6. Freie Grundversorgung für alles, was das Arbeitsumfeld betrifft (inkl. Arbeitsfahrten). Der ganze Rest - insbesondere Freizeitbeschäftigungen und Privatfahrten müssen auch privat abgesichert werden (Sport, Hobbies, Urlaub, etc.)
Die Gesundheitsindustrie MUSS schrumpfen (ich schätzte mal um 1/3), damit sie wieder wirklich leistungsfähig im Sinne der Patienten wird. Wir sind TOTAL überversorgt - speziell mit Fachärzten und High-Tech.
j
Ich bin Arzthelferin in einer kleinen phoniatischen Praxis. Ich finde es eine Schweinerei ! Es leiden die Patienten und wir auch. Mal schauen wie es weiter geht, den wenn die Ärzte weniger Verdienen werden auch die Stellen gestrichen. Ich sage nur die Fachärzte sollten nun entlich aus ihren Winterschlaf kommen und streiken und die Arzthelferinnen gleich mit dazu es betrifft uns nähmlich auch!
... wem verdanken die Frauen das?
Den drei größten "Gesundheitsexperten" dieses landes!
M., S., und S.. Hoffentlich erinnert sich die eine oder andere Wählerin am 27.09. an den Gesundheitsmurks äh. -fonds.
Entweder die Mediziner stehen zum hippokratischen Eid, den sie mal abgelegt haben oder sie lassen sich von der Politik dazu verleiten, zu kriminellen Ambitionen zu tendieren.
Wohin wird uns das Dilemma noch führen?
Paging