G 8 stellt Abiturienten vor Probleme Hohe Durchfallquote

Mehr als zehn Prozent der Schüler in Bayern sind durch die schriftlichen Abi-Prüfungen gefallen. Das sind dreimal so viele wie früher, als es noch das neunjährige Gymnasium gab. Was zunächst unter Anfangsschwierigkeiten abgebucht wurde, scheint ein grundsätzliches Phänomen von G 8 zu sein.

Von Tina Baier

Mehr als zehn Prozent der Abiturienten sind dieses Jahr offenbar durch die schriftlichen Prüfungen gefallen und müssen deshalb ins Mündliche. In den mündlichen Prüfungen, die noch bis zum heutigen Freitag laufen, haben die Schüler die Chance, sich zu verbessern, sodass sie ihr Abitur doch noch bekommen. "Die meisten werden es schon noch schaffen", sagt Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands. "Doch ich schätze, dass mindestens drei Prozent der Schüler, die zum Abitur angetreten sind, endgültig durchfallen werden."

Schon jetzt zeichnet sich ab: Was beim Abitur des ersten G-8-Jahrgangs 2011 noch unter Anfangsschwierigkeiten abgebucht wurde, scheint ein grundsätzliches Phänomen des achtstufigen Gymnasiums zu sein: Etwa dreimal so viele Schüler wie früher im G 9 fallen durch. Die hohe Zahl von Abiturienten, die heuer in die mündliche Prüfung mussten, lässt sogar befürchten, dass dieses Jahr noch mehr Schüler des G 8 ihr Abitur nicht schaffen werden, als vergangenes Jahr.

So mussten beispielsweise am Maria-Theresia-Gymnasium in Augsburg etwa ein Viertel der Abiturienten ins Mündliche. "Bei uns waren es zehn Prozent", sagt Bernhard Holzapfel, Oberstufenkoordinator am Dominicus-von-Linprun-Gymnasium in Viechtach. Und Birgit Münzenmaier, Oberstudienrätin am Theresia-Gerhardinger-Gymnasium in München sagt: "So viele Schüler bei denen es Spitz auf Knopf steht, hatten wir noch nie." Ihr tun die Schüler leid, für die das "eine enorme Belastung ist".

Gleichzeitig gibt es wie schon beim ersten G-8-Abitur auch dieses Jahr wieder mehr Spitzenabiturienten die im Zeugnis eine Note zwischen 1,0 und 1,5 stehen haben. Im Kultusministerium rechnet man damit, dass sich etwa 1000 Abiturienten um die 190 Stipendienplätze, das Max-Weber-Programm für hochbegabte Studierende, bewerben werden. Früher im G 9 erfüllten jedes Jahr nur etwa 500 Abiturienten die Voraussetzung für eine Bewerbung.

An den schriftlichen Abiturprüfungen scheint es nicht zu liegen. "In Deutsch kam ziemlich genau das dran, was wir erwartet haben", sagt Max Schmidt, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands und Oberstufenkoordinator am Gymnasium Grafing. Das Matheabitur war im Vergleich zum letzten Jahr etwas schwieriger, "aber gut machbar", sagt Helmut Seidl, Schulleiter am Münchner Elsa-Brändström-Gymnasium.

Allerdings war es in Mathe diesmal wohl so, dass die Lehrer, die am Morgen der Abiturprüfung alle Aufgaben durchrechnen und dann eine davon für ihre Schüler auswählen müssen, stark gefordert waren. Denn die auf den ersten Blick leichtere Aufgabe erwies sich im Verlauf als die schwierigere. "Wer da nicht genau gerechnet hat, konnte aus Versehen die für die Schüler schwierigere Aufgabe auswählen", sagt Meidinger.

Er vermutet den Grund für die starke Aufspreizung in sehr gute Abiturienten und solche, die die Prüfung nur mit Ach und Krach bestehen, die es früher so nicht gab, unter anderem in der starken Gewichtung der mündlichen Leistungen im G 8. Weil mündliche und schriftliche Noten im Verhältnis 1:1 gewertet werden, können gute Schüler in der Oberstufe durch mündliche Beiträge mehr Punkte sammeln, was sich positiv auf die Gesamtnote auswirkt. Schwache Schüler können schlechte Noten in den Klausuren viel leichter durch mündliche Leistungen ausgleichen.

Im schriftlichen Abitur, das - anders als früher - alle in den Fächern Mathe und Deutsch ablegen müssen, kommt dann für manche das böse Erwachen.