Hoffmann gegen Chaussy Rechtsextremist scheitert vor Gericht

Im Streit um eine Rede in Erlangen hat der Rechtsextremist Karl-Heinz Hoffmann vor Gericht eine Niederlage erlitten. Die Zivilkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth wies am Mittwoch eine Klage des 79-Jährigen gegen den Journalisten und Autor Ulrich Chaussy ab. Dieser hatte im März 2016 in einem Vortrag über den Doppelmord an dem damaligen Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg und seiner Partnerin gesprochen, der sich 1980 in Erlangen ereignet hatte. Am Rande erwähnte er außerdem das Münchner Oktoberfest-Attentat. In beiden Fällen gab es Verbindungen der mutmaßlichen Täter zu der verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG), die Hoffmann 1973 gegründet hatte und die 1980 verboten wurde.

Hoffmann hatte Chaussy vorgeworfen, dass dieser ihn als "Drahtzieher" des Oktoberfest-Attentats bezeichnet habe. Er klagte auf Unterlassung und Schmerzensgeld. Nachdem sich die Richter einen Mitschnitt der Rede angehört hatten, befanden sie, dass sämtliche Aussagen Chaussys unter die freie Meinungsäußerung fallen. Falsche Tatsachenbehauptungen habe der Journalist nicht verbreitet. Die Persönlichkeitsrechte Hoffmanns habe er nicht verletzt. Tatsächlich hatte Chaussy das Wort Drahtzieher gar nicht verwendet. Er hatte darauf hingewiesen, dass der mutmaßliche Oktoberfest-Attentäter "zumindest zeitweise in die rechtsextremistische Szene verstrickt und von 1976 bis 1978 ein aktiver Sympathisant der Wehrsportgruppe Hoffmann" gewesen sei.

Im Erlanger Mordfall sind die Verbindungen zur Hoffmann bekannt: Der mutmaßliche Täter war WSG-Mitglied und wohnte bei Hoffmann, konnte aber nicht verhaftet werden, weil er aus Deutschland floh und Suizid beging. Hoffmann war damals angeklagt worden - unter anderem wegen des Verdachts, an den Morden beteiligt zu sein. 1984 wurde er vom Mordvorwurf freigesprochen, aber wegen Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz, Körperverletzung und Freiheitsberaubung verurteilt.