Hochschule Studierende in Würzburg sollen Theater-Flatrate bekommen

Zu wenige junge Menschen besuchen im Mainfranken Theater Würzburg die Vorstellungen, das fiel dem neuen Intendanten auf. Mit einem neuen Konzept will er das ändern.

(Foto: Mainfranken Theater Würzburg)
  • Das Mainfranken Theater Würzburg will bei seinen Vorstellungen einen Teil der Plätze für Studierende freihalten. Das soll mehr junges Publikum anlocken.
  • Der Semesterbeitrag würde sich dadurch pro Studentin und Student um zwei Euro erhöhen - das stört aber das Studentenwerk.
  • Indirekt könnten die Studenten zu viel für die Theaterkarten zahlen, fürchtet dessen Leiter. Schließlich wollten manche vielleicht gar nicht ins Theater gehen.
Von Vinzent-Vitus Leitgeb, Würzburg

Zwei Kulturbegeisterte, ein Gedanke. So könnte die Vorgeschichte zum Treffen von Stephan Hemmerich und Markus Trabusch kurz auf den Punkt gebracht werden. Beide wollten, dass mehr Studenten in Würzburg ins Theater gehen. Beide wollten deshalb die Kosten der Theaterbesuche drücken. Beide entwickelten unabhängig voneinander die Idee für ein "Semesterticket Theater". Dieses könnte schon im kommenden Semester realisiert werden. In Bayern wäre es einzigartig.

Die längere Version der Projektgeschichte beginnt für Trabusch dabei im Jahr 2015. Damals wurde er zum neuen Intendanten des Mainfranken Theaters berufen. Schon in der Vorbereitung auf die neue Stelle fiel ihm auf, dass zu wenige junge Menschen die Vorstellungen besuchten. Außerdem mussten sie sich oft mit Plätzen in den hinteren Reihen begnügen. Bei Premieren oder Sondervorstellungen bekamen sie noch seltener vergünstigte Karten.

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Der vorliegende Plan für ein Semesterticket soll das ändern. Jeder Würzburger Student zahlt demnach pro Semester verpflichtend zwei Euro. Dafür bekommt er freien Eintritt im Schauspiel, Musiktheater und Ballett sowie bei Konzerten des Theaters. Fünf Prozent der Sitzplätze jeder Vorstellung werden für Studenten freigehalten, sie verteilen sich auf alle Preiskategorien. Sind die übrigen Karten einer Veranstaltung noch nicht ausverkauft, sollen die Plätze ebenso ohne zusätzliche Kosten an Studenten gehen. Sei das realisiert, so Trabusch, werden auch viel mehr junge Zuschauer kommen. Studenten seien eben ein "preissensitives Segment".

Auch Hemmerich ist mit diesem Konzept zufrieden. Er hatte das Semesterticket - ebenfalls 2015 - von studentischer Seite aus initiiert, nach dem Vorbild des Schauspielhauses Bochum. Dass es bis Ende 2017 gedauert hat, bis die Pläne tatsächlich konkretisiert sind, liegt für ihn an den Besonderheiten des bayerischen Hochschulsystems. Der Freistaat ist das einzige Bundesland ohne verfasste Studierendenschaft. Die gewählte Studentenvertretung kann deshalb keine Verträge abschließen, weder mit Verkehrsbetrieben für Semestertickets im Nahverkehr, noch mit Theatern wie in diesem Fall. Das können in Bayern nur die Studentenwerke. Über die möchte Hemmerich nun einen Präzedenzfall schaffen, "einen bayerischen Sonderweg".

Das einzige Problem: Gerade der zuständige Geschäftsführer des Studentenwerks Würzburg, Michael Ullrich, ist noch nicht überzeugt. Er fürchtet, dass die Studenten damit indirekt zu viel für die Theaterkarten zahlen. "Jeder Einzelne gibt nur zwei Euro aus", sagt Ullrich. "Aber einige wollen vielleicht gar nicht gehen oder bekommen nie eine Karte aus dem Kontingent. Die haben dann nichts davon." Der einzig sichere Profiteur sei für ihn das Theater, das geschätzt 140 000 Euro im Jahr bekommen würde. Laut Ullrich deutlich mehr, als es jetzt gerade durch die ermäßigten Studentenkarten für sechs Euro einnimmt.

Theaterintendant Trabusch widerspricht: Man gleiche nur die Einnahmen aus, die verloren gehen, weil das bisherige Modell abgeschafft wird. Sein Haus sei außerdem bisher nur zu 75 Prozent ausgelastet. Den Studenten würden damit in der Regel deutlich mehr als fünf Prozent aller Karten bleiben. "Das ist dann wirklich keine Lotterie an der Abendkasse", sagt er.

Bei einer Onlinepetition haben sich innerhalb einer Woche 2350 der etwa 35 000 Würzburger Studenten für das Semesterticket - vorerst für zwei Jahre - ausgesprochen. Bindend ist die Petition aber nicht, sondern höchstens ein Stimmungsbild. Eine Entscheidung muss der Verwaltungsrat des Studentenwerks in einer Sitzung Anfang Dezember treffen. Als Gegenvorschlag wird Ullrich dort anbieten, ein festes Kontingent an Tickets über Mittel des Studentenwerks zu fördern. So gäbe es auch mehr billige Karten. Das Studentenwerk könnte aber besser steuern, wer diese bekommt, so Ulrich. Dafür müsse er die Semesterbeiträge nicht einmal um zwei Euro erhöhen.

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Anmerkung der Redaktion: Das Stadttheater Ingolstadt hat ergänzend zu unserem Bericht darauf hingewiesen, dass es so eine Theater-Flatrate für Studenten, wie es diese nun in Würzburg als Neuerung geben soll, faktisch auch bei ihnen gebe, allerdings nicht über das Studentenwerk, sondern direkt über die Technische Hochschule Ingolstadt und die Katholische Universität Eichstätt.