Universität Hochschullehrer verdienen weniger als Studierende, die jobben

So schön es ist, Studenten auf ihr Examen in Musik vorzubereiten, so schlecht ist der Job des Lehrbeauftragen an bayerischen Unis bezahlt.

(Foto: Catherina Hess)
  • Die Lehrbeauftragten an den bayerischen Universitäten sind freiberuflich tätig, sie bekommen nur niedrige Löhne.
  • Besonders hart trifft es die kreativen Berufe.
  • Das Kultusministerium sieht sich nicht in der Pflicht, mehr Geld zur Verfügung zu stellen.
Von Anne Kostrzewa

Für Andrea Fleissner begannen die Probleme mit dem achtjährigen Gymnasium. Plötzlich hatten die Kinder nach der Schule keine Zeit mehr für Musikunterricht, die Gesangslehrerin bekam immer weniger Anmeldungen. Um ihre Miete weiter zahlen zu können, nahm sie neben der Musikschule einen Lehrauftrag an der Uni an, an der es auch vormittags was zu tun gibt.

Seit 2010 bereitet sie dort Studenten auf ihr Staatsexamen in Gesang vor. "Der Job erfüllt mich, es macht wirklich Spaß", sagt Fleissner. Große Sprünge kann sie mit dem Zubrot aus der Lehrtätigkeit aber nicht machen: 22 Euro kriegen Musik-Lehrbeauftragte an der Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) für 45 Minuten Unterricht - noch weniger als ihre Kollegen an den Musikhochschulen.

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Das Problem spitzt sich jedes Jahr weiter zu, weil die Lebenshaltungskosten steigen, die Gehälter für Lehrbeauftragte an Unis hinterherhinken. Seit dem Wintersemester 2009/10 wurde der Satz von 22 Euro an der FAU nicht mehr erhöht. Davor stagnierte er acht Jahre lang bei 18,50 Euro - kaum mehr als noch 1988, da gab es umgerechnet 16 Euro. "Mit Vor- und Nachbereitung ist die Lehre eine Drittel-Stelle", sagt Andrea Fleissner. "Das rechnet sich kaum." Ihre Studenten verdienten vermutlich beim Kellnern mehr als sie.

Die FAU ist kein Einzelfall, auch an den anderen bayerischen Universitäten bekommen Lehrbeauftragte nur ein Taschengeld. Weil sie selbständig arbeiten, gehen von ihrem schmalen Lohn noch die Beiträge für Renten-, Pflege- und Krankenversicherung ab. Die Zahl der Lehrstunden wird jedes Semester neu ausgehandelt, Planungssicherheit oder Kündigungsschutz gibt es nicht.

Und für das bisschen Geld, was bleibt, gehen die Lehrenden sogar in Vorkasse: Abgerechnet wird erst am Ende des Semesters. Wenn Stunden ausfallen, etwa an Feiertagen oder wegen Krankheit, gibt es gar kein Geld. Auch nicht in den Semesterferien. Trotzdem kann Andrea Fleissner auf den Nebenjob nicht verzichten. "Ohne die Stelle würde ich finanziell nicht über die Runden kommen."

So wie ihr geht es mittlerweile vielen Lehrbeauftragen an Unis: Sie sind angewiesen auf den Zusatzverdienst, und mag er noch so gering sein. Besonders hart trifft es die kreativen Berufe, in denen die Verdienstmöglichkeiten ohnehin nicht immer die besten sind. Vielen droht Altersarmut, obwohl sie gut ausgebildet sind. Dass es so weit kommt, ist im bayerischen Hochschulpersonalgesetz eigentlich nicht vorgesehen.