Historische Aufnahmen Weltweites Interesse an einzigartigen Bildern

Von 1917 an waren zur Unterstützung der osmanisch-türkischen Bodentruppen unter anderem deutsche Fliegerabteilungen im heutigen Syrien und in Palästina stationiert. Auch die bayerische Fliegerabteilung 304 wurde dort bis September 1918 mit ihren Doppeldeckern zur Luftaufklärung eingesetzt. Dabei saß jeweils ein Flugbeobachter hinter dem Piloten und bediente die schwere Kamera, sich bisweilen gefährlich über den Rumpf des Fliegers beugend.

Die bayerischen Flieger dokumentierten auf Glasplatten-Negativen einen großen Teil des heutigen Israels, dazu die Randgebiete Syriens mit Damaskus, die Küste des Libanon, Teile Jordaniens und sogar den Suezkanal und die Pyramiden bei Kairo.

Auf den Fotos sind viele historische Details zu erkennen, die gerade die Flugroute kreuzten, zum Beispiel die Ruinen von Kreuzfahrerburgen. Eher zufällig wurden einige der ersten jüdischen Kolonien festgehalten, deren Bedeutung man damals noch nicht erahnen konnte. Diese Einblicke sind umso aussagekräftiger, als viele dieser Gebiete heute mit Siedlungen überbaut sind.

"Die Piloten waren sich durchaus bewusst, dass sie ein ungewöhnliches Land beflogen", sagt Michael Unger von der Generaldirektion der Archive Bayerns, die das Digitalisierungsprojekt federführend betreut. Vor allem die Aufnahmen von Jerusalem, Jericho, Caesarea und dem Toten Meer zeugen davon, dass die Flieger auch an einer nichtmilitärischen Dokumentation interessiert waren. Sie erfassten gezielt religiöse Stätten wie den Felsendom und christliche Kirchen.

Es grenzt an ein Wunder, dass die Glasplatten-Negative bei dem monatelangen chaotischen Rückzug der deutschen Truppen Ende 1918 unversehrt nach München gelangten. Im Gegensatz zu den Beständen vieler anderer Truppen überstanden die Bilder der bayerischen Fliegertruppe 304 auch noch die Bombenangriffe im 2. Weltkrieg.

Heute stößt dieser einmalige Bestand auf weltweites Interesse. Margit Ksoll-Marcon, die Generaldirektorin der Archive Bayerns, ist überzeugt davon, dass die Bilder der kleinen bayerischen Fliegerabteilung 304 noch viele Geheimnisse offenbaren werden - zumal ein vor Jahren aufgetauchtes Kriegstagebuch die Luftaufnahmen aufs wertvollste ergänzt. In Israel werden in einer wissenschaftlichen Sisyphusarbeit nun die Geodaten dazu erarbeitet.