Interview: O. Das Gupta

Westerwelle als Messias, Müntefering ein "politischer Triebtäter", Mitleid mit Huber und Beckstein: Kabarettist Dieter Hildebrandt redet über den Wahlkampf in Bayern - und beruhigt die CSU.

Dieter Hildebrandt ist seit mehr als fünf Jahrzehnten Kabarettist und piesackt die Volksvertreter - seine SPD kann ein Lied davon singen.

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(© Foto: oh)

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Das folgende Interview über den bayerischen Landtagswahlkampf fand am Telefon statt, da der 81-Jährige derzeit durch Ostdeutschland tourt. Er kommt erst nach dem Urnengang wieder zurück ins heimische München. Der edelsten Bürgerpflicht ist Dieter Hildebrandt übrigens schon nachgekommen - per Briefwahl.

sueddeutsche.de: Von Kreuzzügen, vollen Hosen und Biergenuss vor der Autofahrt war im laufenden Wahlkampf in Bayern die Rede. Ist das kabarettistisch wertvoll, was die Damen und Herren Politiker zu bieten haben?

Dieter Hildebrandt: Wissen Sie, Sprüche wie der von Beckstein und dem Bier sind so Sachen, die rausrutschen, das sind so Spontansprudler. Das ist dann Lederhosn, das ist Lodenmantel und Blasmusik - alles Folklore. Wenn die Politiker in Bierzelte gehen, wenn ihnen irgendwo ein Mikrofon hingehalten wird, dann kommt das raus, was in ihnen drin ist - genau das ist doch das Furchtbare. Darüber will ich eigentlich gar nicht mehr reden, denn das hatte ich mir schon vorher gedacht.

sueddeutsche.de: Nun enttäuschen Sie uns ein wenig. Dieser Wahlkampf taugt fürs Kabarett offenbar nicht mehr zur Inspiration.

Hildebrandt: Ein Wahlkampf an sich hat schon satirischen Wert. Allein die Tatsache, dass sich Leute trauen, mit ihrem Gesicht auf Plakaten straßenweise zu präsentieren, ist mutig. Jeder, der da antritt, hat automatisch einen Gegner. Wahlkampf ist der Kampf, den die untereinander führen. Da kann man sich eigentlich nur auf die Tribüne setzen - und zuschauen, wie sie sich gegenseitig umbringen.

sueddeutsche.de: Werden die Zuschauer dort auf der Tribüne gut unterhalten?

Hildebrandt: Ja, das ist sehr lustig. Die CSU erfindet den alten Dreh neu von der "Freiheit statt Sozialismus". Die behaupten allen Ernstes, da im Osten den großen Gegner von einst zu sehen, die Kommunisten stehen angeblich vor der Türe.

sueddeutsche.de: Das finden Sie nicht wirklich witzig, oder?

Hildebrandt: Natürlich! Um Gottes Willen, für diese imaginäre Kommunisten-Angst besteht doch gar kein Anlass. Die Linke ist doch keine ernsthafte Gefahr. Aber die CSU will einfach nicht unter die 50 Prozent - deshalb ist es doch komisch. Oder finden Sie das nicht?

sueddeutsche.de: Es ist interessant, dass die CSU auf ein Thema setzt, das bei der Bundestagswahl 1994 stach, aber hinterher nicht mehr.

Hildebrandt: Wieso soll das interessant sein, wenn sie das schon seit vielen vielen Jahren machen? Aber die bayerische Bevölkerung kümmert sich sowieso nicht darum, ob nun die Linke in den Landtag einziehen wird oder nicht - sie wählt mit Masse ohnehin die CSU.

sueddeutsche.de: Sie bangen also nicht um die absolute CSU-Mehrheit im Freistaat?

Hildebrandt: Nein, natürlich nicht. Wissen Sie: Es gab mal diese Sache mit der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Ein Riesen-Theater war das. Der von der CSU-dominierte Staat hatte es damals auf einen Bürgerkrieg abgesehen. Er ließ brave Bayern, die gegen das Werk waren, ordentlich verprügeln. Trotzdem haben sie bei der nächsten Landtagswahl wieder CSU gewählt. Kurzum: Ich mache mir überhaupt keine Sorgen um die 50 plus X Prozent für die CSU.

sueddeutsche.de: Haben Sie noch eine andere Botschaft an das Führungsduo Beckstein/Huber, die Sie hier loswerden wollen?

Hildebrandt: Die beiden werden es schon aussitzen. Dieses Diadochen-Paar ist ja auch sehr komisch, eigentlich Figuren, die Shakespeare erfunden haben könnte. Sie werden an der Regierung bleiben, sie müssen sich nur überlegen, wie lange das noch geht mit ihren Jobs. Sie sind im Grunde genommen bemitleidenswert. Denn eigentlich haben Sie den falschen Beruf.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Gedanken sich Edmund Stoiber womöglich über das Duo Huber/Beckstein macht, aber nicht aussprechen darf.

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