Der Hochzeitslader, auch Progoder genannt (von lateinisch procurator, Verwalter), ist ein Relikt der klassischen Landhochzeit. Lange Zeit war es so, dass ein Brautpaar die Organisation des Hochzeitstags vertrauensvoll in dessen Hände legte. Der strahlt ja schon durch sein festliches Gewand Würde aus, weshalb die Festgemeinde gerne seinen Kommandos folgt.

Dem Progoder obliegt die protokollarische Regelung des Hochzeitsgeschehens von der Kirche über das von Randbräuchen begleitete Mittagessen bis zu den Tänzen und zur Geschenkübergabe. Dazu sollte er zur Erheiterung des Festgemeinde lockere Sprüche parat haben, etwa von der Sorte: "Das Küssen ist für den Mann ein wahrer Hochgenuss, weil da die Frau den Schnabel halten muss." Der moderne Eventkosmos pfeift indessen auf antiquierte Hochzeitsfeiern.

An die Stelle des Progoders treten "Wedding Planner", ein untrüglicher Indikator für die Kommerzialisierung eines Hochzeitswesens, das vordergründig sogar der Frage, ob die Freudentränentaschentücher mint oder apricot sein sollen, staatstragende Bedeutung beimisst. Hochzeiten sind ein großes Geschäft geworden, umso mehr, als die Feier-Locations und die Geschenke (Give-aways) gar nicht mehr ausgefallen genug sein können, ganz zu schweigen von der sich an Blockbustern orientierenden Präsentation des Freudentags in den sozialen Netzwerken.

Bild: Volk Verlag 12. Oktober 2016, 13:082016-10-12 13:08:36 © SZ vom 08.10.16/bhi