Bayerns Hausärztechef Hoppenthaller wirbt für den Kassenausstieg - das will die Staatsregierung nicht hinnehmen: "Wer seine Kassenzulassung abgibt, ist draußen".
Die Staatsregierung will den geplanten Systemausstieg der bayerischen Hausärzte auf keinen Fall mittragen. Nach gesicherten Informationen der Süddeutschen Zeitung sprach sich der Ministerrat am Dienstag einstimmig dafür aus, den Hausärzten die Unterstützung zu entziehen, falls sie kommendes Jahr tatsächlich geschlossen ihre Kassenzulassung zurückgeben. " Ein kollektiver Ausstieg aus der kassenärztlichen Versorgung ist mit dem Rechtsstaat nicht vereinbar, da machen wir nicht mehr mit", hieß es nach der Kabinettssitzung.
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Der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzte-Verbandes, Wolfgang Hoppenthaller: "Wir Hausärzte werden massiv unter Druck gesetzt". (© ddp)
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"Wer seine Kassenzulassung zurückgibt, ist draußen", wird Gesundheitsminister Markus Söder von Kabinettskollegen zitiert. Der Systemausstieg sei ein "One-way-ticket", und das müsse jeder Hausarzt wissen, der weiterhin auf die regelmäßigen Einnahmen baue, wie er sie jetzt noch bekommt.
Nach dem Gesetz werde schließlich jedem Kassenarzt, der seine Zulassung zurückgibt, für sechs Jahre die Rückkehr ins Kassensystem verwehrt. "Gerade für junge Hausärzte bahnt sich da ein Drama an", habe Söder zu Ministerkollegen gesagt. Auch für Bayerns Patienten sei ein Systemausstieg nicht zumutbar, da sie dann bereits im kommenden Sommer nicht mehr auf Chipkarte behandelt werden könnten.
Söder wollte diese Worte am Donnerstag weder bestätigen noch dementieren. Nach einem Gespräch zwischen ihm, Ministerpräsident Horst Seehofer und dem Vorsitzenden des Bayerischen Hausärzteverbandes, Wolfgang Hoppenthaller, sei "absolutes Stillschweigen" vereinbart worden. Hoppenthaller selbst war am Donnerstag nicht erreichbar. Nach Recherchen der SZ wurde ihm beim Treffen mit Seehofer und Söder "freundschaftlich aber unmissverständlich" klargemacht, wo die Staatsregierung im Falle eines Systemausstiegs steht - "nämlich nicht auf seiner Seite", wie es ein CSU-Gesundheitspolitiker ausdrückte.
Die jetzige Strategie des Hausärzteverbandes stoße Seehofer und Söder regelrecht vor den Kopf. "Es waren hauptsächlich die beiden, die in Berlin für den Bayerischen Hausärzteverband das Recht erkämpft haben, eigenständig mit den Kassen verhandeln zu können - mit dem Effekt, dass die Hausärzte nun wesentlich besser honoriert werden als andere Kassenärzte", hieß es. Auch habe Söder eine Bestandsgarantie für die Hausarztverträge bis 2014 erwirkt.
Hoppenthaller indes hält an seinem Fahrplan fest. Bereits kommende Woche dürften an die rund 7000 im Verband organisierten Hausärzte Unterlagen verschickt werden - als Vorbereitung für den Systemausstieg, der am 26. Januar in der Nürnberger Arena besiegelt werden soll.
Falls nach dem Ausstieg kein Vertrag mit den Kassen zustande kommt, will Hoppenthaller zu harten Bandagen greifen: Dann sollen die Hausarztpraxen sukzessive schließen - Woche für Woche in einem Regierungsbezirk mehr. "Weder die Kassen noch die Staatsregierung können es akzeptieren, dass unsere Praxen geschlossen bleiben, weil wir keine Verträge und somit kein Honorar erhalten", teilte der Hausärzteverband mit.
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(SZ vom 03.12.2010/isa)
OB-Kandidatin Nallinger
Die neueste Antwort
Das ist doch genau das, was Herr Rösler erreichen will. Er will den mündigen selbstzahlenden Patienten und hat damit sein Ziel erreicht. Weniger Kosten für die Kassen, weniger Verantwortung für die Kassen - das hat er doch mit seinen verworrenen Ideen auf den Weg gebracht und wenn die Kassenärzte dann nachziehen ist das Gejammere groß. Recht haben sie sage ich als Kassenpatient.
Dieser Hick-Hack muß endlich durch eine konsequente Reaktion der Ärzte beendet werden. Bin mal gespannt, ob die Bayern das durchziehen. Dann Hut ab....
Wo war Herr Söder, als insbesondere Ersatzkassen und
Betriebskrankenkassen frech und Gesetze ignorierend
die Umsetzung des § 73 b des SGB V lautstark ablehnten.
Wohl gemerkt: ein gültiges Gesetz, das sie verpflichtete,
mit der stärksten Fraktion der Hausärzte einen Hausarztvertrag
abzuschließen. Ich kann als Landarzt für 13 € im Monat
meine Patienten nicht versorgen. Da ist es nun mal schon geradezu
Notwehr, die Zulassung zurückzugeben, denn, wenn es so weitergeht,
ist Ende 2011 sowieso Schluss.
Wohl gemerkt: Politiker, die Missachtung von gültigen Gesetzen
durch Krankenkassen billigend in Kauf nahmen, wollen uns jetzt
quasi in Notwehr handelnd, verbieten, das System,
welches uns in den Ruin führt, uns alle ärztliche Freiheit nimmt,
zu verlassen. Sie führen hier für eine verfassungsrechtlich bedenkliche Passage
des SGB V an, die seinerzeit von einem Gesundheitsminister Seehofer in
den Text geschrieben wurde. Ich möchte Patienten behandeln und nicht
Statistiken der AOK bedienen. Wir können nicht mehr,
und deswegen gehen wir. Hier geht es so nicht mehr weiter
und die Politik wird jetzt nervös, weil sie weiß, dass die bayerischen Hausärzte
auch in der neugewählten Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns
so stark sind, dass man diese Institution, die von unseren Geldern lebt,
auch nicht mehr drangsalierend und nötigend gegen uns
einsetzen kann. Nicht mehr in das System des SGB V zurückkehren zu können,
stellt für uns keinen Schrecken, sondern ein verlockendes Versprechen
dar.
MAN HATTE LANGE EINE CHANCE - JETZT IST ES VORBEI !
Jetzt mal ganz im Ernst: Ohne die milliardenschwere Bankenrettung gäbe es auch kaum noch private Krankenversicherungen. So richtig die Aussage des Hn. Blüm zu den (umlagefinanzierten) Renten ist, genau so gilt das auch für die Krankenversicherung.
Also dürfen wir nicht so tun, als ob für das System und die Ärzte die PKV "gut" und die gesetzliche "schlecht" wäre.
Richtig aus meiner Sicht wäre: Bürgerversicherung für alle und über Zusatzleistungen kann man dann verhandeln.
Außerdem steht für mich zweifelsfrei fest: Ohne die gesetzlich Versicherten wäre das System schon lange am Ende, auch wenn uns die Finanzlobby mit ihren Regierungsvasallen (CDU,CSU und FDP) immer wieder etwas anderes weismachen will. Das gilt auch für die Rentenversicherung.
Eigentlich ist die PKV so richtig am Ende, aber viele Steuerzahler und gesetzlich Versicherte zahlen jetzt jahrhundertelang an der Banken- und Versicherungsrettung.
Herr Hoppenthaler hat vollkommen recht. Und es wäre Aufgabe von Wikileaks mal zu veröffentlichen was bei den Abrechnungen so alles rauskommt. Das wäre Transparenz aber das scheuen die Kassenärztlichen Vereinigungen, die Krankenkassen und die Politik. Stattdessen setzt man auf gezielte Falschinformation der Bevölkerung wie die recht unqualifizierten Kommentare von Nicht-Insidern beweisen. Nicht Ihre Schuld.
Warum aber nicht eine direkte Abrechnung mit dem Patienten. Der weiss genau, was er für die Rechnung bekommen hat, kann sie kontrollieren. Handwerker machen das seit Jahrhunderten und klagen gibt es wenig. Hier wäre doch die Transparenz die angeblich alle so wollen. Daher war meine Forderung immer: Eine einfache für alle verständliche Gebührenordnung oder freie Preise, was natürlich auch ok wäre, Rechnung an den Patienten und gut ist es.
dann muss ich keine Medikamente mehr nehmen,
weil mir diese ja dann keiner verschreiben kann.
Paging