Feuersteine aus Niederbayern Stahl der Steinzeit

Scharf wie ein Rasiermesser: Manche Steinzeitprodukte können mit heutigen Hightech-Werkzeugen mithalten.

(Foto: oh)
  • In Altdorf bei Landshut findet das Internationale Flintknapping-Symposium statt - Experten aus aller Welt sind dazu nach Niederbayern gekommen.
  • Thema ihrer Tagung ist der Feuerstein, der als "Stahl der Steinzeit" gilt und in der Gegend bearbeitet wurde.
  • Die Veranstaltung ist die meiste Zeit auch für Besucher zugänglich: Es gibt Vorträge und Vorführungen, unter anderem zur Feuersteinbearbeitung.
Von Hans Kratzer, Altdorf

Vor 7500 Jahren, als die Menschen nach Satirikermeinung noch auf den Bäumen hockten, haben sich auf den fruchtbaren Lössböden Niederbayerns die ersten Bauern niedergelassen. Sie setzten Meilensteine in der kulturellen Entwicklung des europäischen Menschen. Alsbald kreuzten sich im Landshuter Isarraum die ersten Handelswege, was nicht zuletzt am Feuerstein lag, dem sogenannten "Stahl der Steinzeit", der in dieser Gegend bearbeitet wurde. Der Feuerstein - im Fachjargon Silex genannt - war eine begehrte Ware. Vom einstigen Bergwerk Arnhofen aus, es liegt bei Abensberg im Kreis Kelheim, wurde damals halb Mitteleuropa mit dem begehrten Rohstoff versorgt.

Umgekehrt wurden schon vor Jahrtausenden nützliche Güter ins heutige Niederbayern importiert - beispielsweise Kupfer aus dem Salzkammergut und Bernstein von der Ostsee. Im Landshuter Nachbarort Ergolding wurde ein Feuerstein-Dolch gefunden, dessen Material aus den Lessinischen Bergen bei Verona stammt. Von dort hatte auch der Gletschermann Ötzi seinen Flint bezogen. Umso interessanter, dass sich die weltweit führenden Feuersteinbearbeiter und Experimentalarchäologen, die sich mit diesem faszinierenden Material befassen, in diesen Tagen in Altdorf bei Landshut treffen. Bis aus Korea, USA und Japan sind sie zum Internationalen Flintknapping-Symposium angereist.

So effektiv wie Hightech-Werkzeuge

Die Tagung im Museum Adlhoch-Haus in der Weinbergstraße 1 ist aber die meiste Zeit auch für Besucher zugänglich: Beim Vortragsabend an diesem Freitag stellen fünf Experimentalarchäologen im Bürgersaal des Marktes Altdorf ihre Forschungen vor, etwa zur Mammutelfenbein-Bearbeitung mit Flintwerkzeugen oder zu den bildlichen Darstellungen der Hornsteinbearbeitung in Ägypten. Am Samstag ist dann im Museum von 10 bis 17 Uhr Publikumstag mit Vorführungen zur Feuersteinbearbeitung, ergänzt durch die Ausstellung "Elfenbeinfigurinen der Eiszeit".

Zweifellos wären die Feuerstein-Experten auch in der Steinzeit begehrte Meister gewesen. Mit ihrem Können lassen sich aus dem Material rasiermesserscharfe Klingen und Waffen herstellen. Die Steinzeit, die einer langen Menschheitsepoche den Namen gegeben hat, begann vor gut zweieinhalb Millionen Jahren mit den ersten aus Silex geschlagenen Faustkeilen und dauerte bis vor knapp 5000 Jahren, als die Menschen die Metallbearbeitung entdeckten. Die in dieser langen Epoche produzierten Steinwerkzeuge halten in ihrer Effektivität mit heutigen Hightech-Werkzeugen durchaus mit. "Die Jungsteinzeitleute waren eher klüger als der durchschnittliche Mensch der technischen Zivilisation - vorausgesetzt, man versteht unter Intelligenz die Fähigkeit, unter schwierigen Bedingungen Probleme zu lösen. Sie verfügten über tiefe Kenntnisse, wie sie den Reichtum der Natur für ihre Zwecke nutzen konnten. Wir können sie in vieler Hinsicht nur bewundern", sagt der Wissenschaftsjournalist Elmar Stöttner.

Dass gerade das kleine Altdorf für das Symposium ausgewählt wurde, liegt nicht zuletzt am vorzüglichen Ruf des dortigen Museums, an dem die Experimentalarchäologin Monika Weigl und der Archäotechniker Robert Graf wirken. Ihrer Einladung ist die internationale Feuerstein-Elite bereitwillig gefolgt.