Guttenberg auf dem CSU-Parteitag "Depperte Personaldebatten"

Auftritt des Verteidigungsministers beim CSU-Parteitag: Guttenberg spricht eine Viertelstunde, ruft die Partei zu Geschlossenheit auf - und schafft es, dass sich die Partei der Wehrpflicht eben von jener verabschiedet.

Karl-Theodor zu Guttenberg sollte beim CSU-Parteitag eigentlich nur eine achtminütige Rede zur Bundeswehrreform halten. Doch das, was die 1000 Delegierten in der Münchner Messe verfolgten, sprengte den eng bemessenen Rahmen: Guttenberg sprach mit einer Viertelstunde deutlich länger. Auch wenn er nur auf die Bundeswehr einging.

Gleich in den ersten Minuten versicherte er CSU-Chef Horst Seehofer seine Loyalität: "Es kommt auf den Zusammenhalt an, lieber Horst Seehofer, und nicht auf irgendwelche depperten Personaldebatten." Der 38-Jährige warnte vor einem Rednerwettbewerb.

Guttenberg machte sich für die Soldaten stark, für deren Ausrüstung, warnte vor einer Bundeswehr nach Kassenlage und betonte, dass von Krieg in Afghanistan gesprochen werden müsse. Und er gab sich als glühender Verfechter der Wehrpflicht, obwohl er sie faktisch abschaffen möchte. Er überzeugte mit einem Kunstgriff: Sich den Realitäten stellen, auch wenn es weh tut, scheint die Devise zu sein. "Der Kopf sagt das eine, das Herz sagt das andere."

Guttenberg erklärte den 1000 Delegierten die Aussetzung der Wehrpflicht folgendermaßen: "Es ist eine sicherheitspolitische wie eine patriotische Verantwortung, die wir für die Bundeswehr haben." Die jetzigen Strukturen der Bundeswehr stammten in Teilen noch aus der Zeit des Kalten Kriegs.

Das wiederum schien die Delegierten zu überzeugen: Mit großer Mehrheit stimmte die Partei, die sich selbst als "Partei der Wehrpflicht" (CSU-Chef Horst Seehofer) sah, der Abschaffung eben jener zu.

Vor Guttenberg sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Parteitag.Sie unterstützte CSU-Chef Horst Seehofer bei seinem Eintreten für eine Frauenquote in seiner Partei. Seehofer lobte Merkel im Gegenzug als "Hüterin einer stabilen Währung". Auch in der Berliner Koalition laufe es seit einigen Monaten "ganz hervorragend", sagte Seehofer. So solle es weitergehen.

Lob von der Kanzlerin gab es auch für Guttenberg: "Ich freue mich, dass der Verteidigungsminister erstklassig arbeitet, dabei eine gute Figur macht und viel Anklang findet", sagte Merkel. Sie selbst schaue sich aber nichts von Guttenberg ab. "Ich bin jetzt in einem Lebensalter, in dem ich mit mir immer mehr im Frieden lebe."

Zwar erhofft sich die Basis von dem Parteitag ein Signal der Geschlossenheit. Doch nicht immer konnte sie ihren Unmut verstecken. Zum Beispiel beim Thema Frauenquote. Bei der Debatte ging es hoch her.

CDU-Chefin Angela Merkel indes hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die Quote ein. "Denen, die skeptisch sind zur Frauenquote, darf ich verraten: Ich war es auch einmal." Und als Bilanz: "Es ist nichts zusammengebrochen in der CDU, im Gegenteil."

Wenn es nach dem Beifall geht, hätte die Kanzlerin gewonnen. Sie heimste nach ihrer Rede 2 Minuten 35 Sekunden Beifall von den CSU-lern ein. Guttenberg brachte es auf 1 Minute 15 Sekunden - allerdings verfielen die Delegierten dabei in dieses fast frenetische, rhythmische Klatschen.

Dann verabschiedete sich Merkel von Seehofer. Und vor dem Hintergrund des Umfragetiefs übte sie den demonstrativen Schulterschluss mit dem Chef der Schwesterpartei: "Ich glaube wir brauchen keine Angst voreinander zu haben, Horst", sagte Merkel. "Das kriegen wir schon hin, auch wenn's manchmal ein bisschen ruckelt."

Daumen hoch im Umfragetief

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