Grüne: Martin Runge Fraktionschef ohne Handy

Er gilt als detailversessen und mitunter auch als ruppig - und er will auch im neuen Job ohne Mobiltelefon auskommen: Die bayerischen Grünen haben Martin Runge zum neuen Fraktionschef gewählt.

Von Mike Szymanski

Die Landtags-Grünen haben den 52-jährigen Wirtschafts- und Verkehrspolitiker Martin Runge zu ihrem neuen Fraktionschef ernannt. Er soll an der Seite der wiedergewählten Margarete Bause in einer Doppelspitze die Grünen in den Landtagswahlkampf 2013 führen. Der Politiker aus Gröbenzell bei München setzte sich am Mittwoch in einer Kampfabstimmung mit zehn von 19 Stimmen gegen den Bildungspolitiker Thomas Gehring aus dem Oberallgäu durch. Der bisherige Fraktionsvorsitzende Thomas Mütze hatte den Posten nach acht Monaten aufgegeben, weil er sich in der Funktion überfordert fühlte.

Martin Runge ist neuer Fraktionschef der bayerischen Grünen.

(Foto: dpa)

Runge erklärte nach der Wahl: "Wir sind uns alle bewusst, dass auf uns viel Arbeit zukommt. Wir wollen uns ein Fundament für die kommende Landtagswahl erarbeiten." Einen Schwerpunkt wolle er in den kommenden beiden Jahren vor allem auf eine umwelt- und klimaschonende Wirtschafts- und Finanzpolitik legen. "Die Themen liegen auf der Straße", sagte er.

Runge gilt als detailversessener Arbeiter. Der studierte Betriebswirtschaftler ist bekannt für seine überaus ausführlichen Anfragen an die Staatsregierung, die in den Behörden als quälend empfunden werden. Er ist intern nicht unumstritten, für seinen mitunter ruppigen Umgang auch mit Kollegen ist er bekannt. Runge sagte am Mittwoch: "Ich werde bemüht sein, weniger ruppig zu sein." An seiner akribischen Arbeitsweise und an der forschen Oppositionsarbeit wolle er dagegen nichts ändern.

Die Fraktion dürfte nach Einschätzung einiger Kollegen aus der Fraktion mit Runge wieder einen zweiten Chef bekommen, der deutlicher nach außen in Erscheinung tritt. Für Runge sprach offenbar auch der Wunsch vieler Fraktionsmitglieder, sich mit Blick auf die Wahlen auch im Vorstand inhaltlich breiter aufzustellen.

Der unterlegene Mitbewerber Thomas Gehring ist Bildungspolitiker - wie Ulrike Gote, die weiterhin als parlamentarische Geschäftsführerin dem Fraktionsvorstand angehört. Während Margarete Bause ein großes Spektrum an Themen abdeckt, legt Runge den Fokus auf die Wirtschaft - so verfügt die Fraktionsspitze aus Sicht einiger Abgeordnete über Breite und Tiefe. Dass nun beide Fraktionschefs der ohnehin auf Oberbayern fixierten Grünen aus dem Großraum München kommen, störte die Abgeordneten offenbar weniger.

Runge, seit 1996 im Landtag und einer der wenigen Berufspolitiker überhaupt, die noch auf ein Handy verzichten, will versuchen, auch in der neuen Funktion ohne Mobiltelefon auszukommen. Seine Fraktionskollegen reden aber schon auf ihn ein, sich ein Handy zuzulegen, damit er besser erreichbar ist. Er sagt: "Wenn ich sehe, dass es ohne nicht geht, werde ich mich wohl damit anfreunden müssen." Für Runge ging mit der Wahl ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. 2003 hatte er noch vergeblich als Fraktionschef kandidiert.