Gesundheit Männer und Frauen leiden unterschiedlich

Die Gründe für Krankmeldungen in Bayern. (SZ-Grafik; Quelle: DAK-Gesundheitsreport Bayern 2016)

  • Arbeitnehmerinnen melden sich häufiger krank als ihre Kollegen: Der Krankenstand der Frauen liegt um sechs Prozent über dem der Männer.
  • Allerdings: Männer sind häufig länger krankgeschrieben als Frauen.
  • Frauen gehen den Ergebnissen eines Gesundheitsreports zufolge trotzdem häufiger krank zur Arbeit.
Von Dietrich Mittler

"Männer und Frauen - zwei Welten", dieser Spruch gilt nicht nur bei der Entlohnung von Arbeitsleistung, der Bereitschaft zur Hausarbeit oder der Dauer von Telefongesprächen. Er hat auch bei den Krankmeldungen seine Gültigkeit, wie der neue Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK belegt. Demnach melden sich Arbeitnehmerinnen häufiger krank als ihre männlichen Kollegen. Wenn allerdings Männer ihrem Arbeitsplatz krankheitsbedingt fernbleiben, dann fallen sie statistisch gesehen länger aus als Frauen.

In Zahlen ausgedrückt, heißt das für die Unternehmen im Freistaat: "Der Krankenstand der Frauen liegt um sechs Prozent über dem der Männer", wie Gottfried Prehofer, der Chef der DAK in Bayern, betonte. Im Vorjahr fehlten demnach von 1000 erwerbstätigen Frauen pro Tag 37 bei der Arbeit. Bei den Männern waren es lediglich 35 von 1000. Einer der Gründe für diese Diskrepanz ist: Bayerns Männer gehen seltener zum Arzt, ihre Behandlungsquote (gut 84 Prozent) liegt deutlich unter jener der Frauen (rund 94 Prozent).

Münchner sind am gesündesten

Immer mehr junge Menschen fühlen sich erschöpft und lassen sich wegen psychischer Leiden krankschreiben. Das hat ein Gesundheitsreport der DAK ergeben. Doch im bundesweiten Vergleich sind die Münchner gut dran. Von Tilman Schröter mehr ...

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden insbesondere in den Arbeitsbereichen Bildung, Kultur und Medien deutlich, in denen der Krankenstand weiblicher Arbeitskräfte gar um 30 Prozent höher ist als jener der männlichen. Eindrucksvoll ist der Unterschied zudem in den Bereichen Banken, Versicherungen und Öffentliche Verwaltung (jeweils 21 Prozent). Im Gesundheitswesen beträgt er immerhin noch zehn Prozent.

"Die Studie zeigt uns auch, dass Männer und Frauen anders krank sind", sagte Prehofer. Die Zahlen - gewonnen durch die Auswertung der Krankschreibungen von DAK-Versicherten - belegen: Arbeitnehmerinnen sind demnach weit häufiger von Krebs und psychischen Erkrankungen betroffen, im Arbeitsleben stehende Männer wiederum mehr von Herz-Kreislauf-Problemen und Verletzungen.

Schwangerschaftskomplikationen spielen bei der Krankschreibung bayerischer Frauen insgesamt eine geringe Rolle - dennoch tragen sie bei den jüngeren Frauen erheblich dazu bei, dass die Zahl ihrer Fehltage höher ist als die der Männer. Bei den Männern indes fiel auf, dass auftretende psychische Probleme und Verhaltensstörungen doppelt so häufig wie bei den Frauen auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen sind.

Um Präventionsarbeit quasi maßgeschneidert anbieten zu können und in der betrieblichen Gesundheitsfürsorge richtige Ansatzpunkte zu finden, stellte sich die DAK eine Reihe von Fragen: Sind Frauen einfach häufiger krank? Oder nehmen Männer ihre Beschwerden und Krankheitssymptome weniger wahr als Frauen und melden sich erst dann arbeitsunfähig, wenn höchste Zeit ist, sich endlich auszukurieren? Schleppen sie sich folglich auch öfter krank in die Arbeit als Frauen?

Das Forschungsinstitut IGES stieß hier auf teils sehr erstaunliche Erkenntnisse: Es sind die Frauen, die häufiger krank zur Arbeit gehen. 65 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen versicherten, so zu handeln. Bei den Männern taten dies nur 60 Prozent. Frauen gaben auch häufiger an, sie seien deshalb krank zur Arbeit gegangen, weil sie die Kollegen oder ihre Kunden nicht hängen lassen wollten. Mehr Männer wiederum erklärten ihr von der Fachwelt als "Präsentismus" definiertes Verhalten damit, sie seien "trotz der Beschwerden arbeitsfähig". Sie mimten also mehr oder weniger den harten Kerl, der auch noch lädiert seinem Betrieb zur Verfügung steht.

Frauen haben Angst vor Nachteilen

Alarmierend ist indes diese Aussage: Weitaus mehr Frauen (32 Prozent) als Männer (22,7 Prozent) sagten, sie befürchteten Nachteile, wenn sie sich zu oft krank melden. Eher erwartbar war indes dieses Ergebnis: "Wenn mein Kind krank ist, weiß ich mir manchmal nicht anders zu helfen, als mich selbst krank zu melden." Hierzu bekannten sich 34,6 Prozent der befragten Frauen, aber nur 10,1 Prozent der Männer. Auch dürfte es wenig überraschen, dass Männer der Generation 60 plus offenbar gesundheitlich anfälliger sind als gleichaltrige Frauen. Zumindest legt dies die Zahl ihrer Krankschreibungen nahe.

Dass Zahlen nicht immer ein Spiegelbild der Realität sind, machte indes die Münchner Sozialwissenschaftlerin Anne Maria Möller-Leimkühler deutlich: "Ich bezweifele, dass Männer seltener psychisch erkranken als Frauen", sagte sie. Da die Symptome jedoch mit dem herrschenden Männerbild häufig nicht vereinbar seien, würden sie von den Betroffenen schlicht ignoriert oder überspielt - etwa durch Alkohol, exzessiven Sport oder dadurch, sich in die Arbeit zu stürzen. Eines eint indes beide Geschlechter: Die Zahl ihrer Krankmeldungen ist erneut gestiegen, und diese erreichen damit den höchsten Stand seit 16 Jahren.

Wie auf dem Land

München kann sich nicht über einen Mangel an Ärzten beklagen - und doch findet sich kaum ein Allgemeinmediziner, der in Stadtvierteln wie dem Hasenbergl arbeiten will. Für die verbleibenden Hausärzte hat das drastische Folgen. Von Inga Rahmsdorf mehr ...