Geschichte Wie Luitpold von Bayern zu baden pflegte

Prinzregent Luitpold (Mitte) hat gerne in der Würm gebadet, weil er meinte, das Wasser dort sei besonders weich.

(Foto: Andreas Heddergott)

Ein SZ-Leser kennt die Geschichte hinter dem Bild des Prinzregenten in der Würm. Sein Urgroßonkel war schließlich dessen Leibjäger.

Von Hans Kratzer

Dass der Prinzregent Luitpold (1821-1912) als Nachfolger Ludwigs II. gerne öffentlich gebadet hat, ist aufschlussreich, aber dennoch eine historische Nebensächlichkeit. Allerdings existiert eine ungewöhnliche Fotografie, die den Prinzregenten und zwei Männer zeigt, die bis zum Bauch in einem Gewässer stehen. Wegen des weichen Wassers habe Luitpold gerne in der Würm gebadet, mehr Information hat es zu diesem Foto nicht gegeben, mit dem die SZ neulich einen Artikel über Flussbäder illustriert hat ("Alle im Fluss", SZ vom 2. August).

Licht ins Dunkel brachte nun SZ-Leser Ludwig Brey, der bei seiner Ahnenforschung auf die Schwimmaktivitäten des Prinzregenten gestoßen ist. Das kam nicht von ungefähr, stand doch ein Urgroßonkel von Brey als Leibjäger in Diensten des Prinzregenten.

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Wie ein Badeausflug des Prinzregenten ablief, ist einem alten Zeitungsbericht zu entnehmen, den Brey ebenfalls gefunden hat. Der Text relativiert auch die Aussage der im SZ-Texts zitierten Josefa Halbinger (Jahrgang 1900), die in ihrer Autobiografie behauptete: "Schwimmen, das hat's ja damals überhaupt noch nicht gegeben." Ganz so war es nicht. Denn wie in Karl Stankiewitz' Buch "Badelust in München und Oberbayern" nachzulesen ist, gab der Ingenieur August Ungerer schon im Juni 1884 die Eröffnung des "Würmbades Schwabing" bekannt. Die Anlage war die größte ihrer Art in Europa. In diesem Bad ist heute noch Platz für Tausende Badegäste.

Andere Würmbäder sind längst verschwunden, auch das Nymphenbad, in das Prinzregent Luitpold sogar im Winter einzutauchen pflegte. In dem Bericht des Rosenheimer Anzeigers vom 14. Juli 1901, den Ludwig Brey aufbewahrt hat, ist indessen zu lesen, der Prinzregent bade nun nicht mehr im Schlosspark zu Nymphenburg, wo es für ihn ein eigenes Schwimmbassin gab, sondern er fahre nach Schleißheim.

Wörtlich heißt es: "Fast jeden Abend gegen 6 Uhr sieht man die Hofequipage, die den Regenten, seinen Adjutanten und Leibjäger nach Schleißheim bringt, in rascher Fahrt die Schleißheimer Straße passieren. Von der Fasanerie Schleißheim wird abgeschwenkt und fährt die Hofequipage zum Würmkanal. Dort nächst dem Bahnwärter wird Halt gemacht; der Regent entsteigt dem Wagen und kleidet sich im Freien aus, steigt in den Kanal und nimmt sein Bad; die Stelle ist nicht sehr tief, doch nicht so seicht, dass der Regent nicht schwimmen könnte. Dem Bad entstiegen, wird er vom Leibjäger in Empfang genommen, der ihm beim Ankleiden Beihilfe leistet. Dann geht es nicht selten zur Fasanerie Schleißheim, um dort einen mitgenommenen Imbiss einzunehmen und sodann wieder in rascher Fahrt nach der Residenz zurück."

Die Fasanerie Schleißheim wurde von Breys Ururgroßvater Ludwig Reindl geleitet. Dessen Sohn war der Leibjäger des Prinzregenten und badete mit jenem Mann, der in München omnipräsent ist: Luitpoldpark, Prinzregentenbrücke, Prinzregententheater und Prinzregententorte erinnern an ihn wie viele Straßen, Plätze und Parks in Bayern. Eine effiziente Öffentlichkeitsarbeit zeichnete das Bild eines gütigen Landesvaters, den man stets mit der guten alten Zeit verbindet - obwohl die Zeit seiner Regentschaft an sozialen Spannungen überreich war.

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