Papst-Akte belastet Mixa Die sexuellen Avancen des Bischofs

Eine bislang geheime Papst-Akte belastet Walter Mixa schwer: Enge Mitarbeiter und Bekannte des ehemaligen Augsburger Bischofs berichten von Alkohol- und Wahrnehmungsproblemen sowie von sexuellen Übergriffen.

Von Matthias Drobinski

Die Akte über den Fall des zurückgetretenen Augsburger Bischofs Walter Mixa, die Papst Benedikt XVI. vorliegt, enthält nach Informationen der Süddeutschen Zeitung gravierende Vorwürfe, die zum Teil öffentlich noch nicht bekannt waren. Diese waren offenbar der Grund dafür, dass der Papst Anfang Mai Mixas Rücktrittsgesuch annahm.

Walter Mixa: Gegen den ehemaligen Augsburger Bischof liegt dem Papst ein belastendes Dosier vor.

(Foto: dpa)

Das Dossier über Bischof Mixa umfasst nach SZ-Informationen mehrere Dutzend Seiten; es ging am 27. April offiziell an den Nuntius, den Papstbotschafter in Berlin. Die Akte enthält Zeugenaussagen auch engster Mitarbeiter und Bekannter, die belegen sollen, dass der Bischof ein Alkohol- und Wahrnehmungsproblem hat und sich in mindestens zwei öffentlich noch nicht bekannten Fällen jungen Männern so sehr genähert habe, dass diese das als Grenzüberschreitung empfunden hätten.

So berichtet ein Mitarbeiter, dass Mixa über den Tag verteilt Wein und hochprozentige Alkoholika getrunken habe; der Zeuge vermutet, der Bischof sei ein "Spiegeltrinker" - also jemand, der einen bestimmten Alkoholpegel braucht. Immer wieder wird vom "Wirklichkeitsverlust" des Bischofs berichtet.

Besonders brisant ist die Wiedergabe eines Dialogs des Bischofs mit einem jungen Mann, der während eines gemeinsamen Urlaubs ausgerufen haben soll: "Ich bin doch nicht schwul!" Daraufhin habe der Bischof geantwortet: "Ich doch auch nicht" - und der junge Mann zur Antwort gegeben habe: "Und was war gestern Abend?"

Nach übereinstimmenden Informationen der SZ und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung soll diese Akte der Grund dafür gewesen sein, dass Papst Benedikt XVI. am 8. Mai das Rücktrittsgesuch Mixas angenommen habe. Die Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft Ingolstadt wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch hätten nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Diese Ermittlungen waren eingestellt worden, als das vermeintliche Opfer erklärte, es habe keine Übergriffe seitens des Bischofs gegeben.

Zur Versöhnung bereit

Mixa hatte in der vergangenen Woche erklärt, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, der Münchner Erzbischof Reinhard Marx und der Augsburger Weihbischof Anton Losinger hätten diese Vorermittlungen genutzt, um ihn beim Papst in Misskredit zu bringen.

Am Rande einer Wallfahrt zum oberbayerischen Kloster Andechs sagte Zollitsch, er habe vor dem Rücktritt Mixas vier Mal mit ihm geredet, um ihn zu einer Auszeit zu bewegen. Trotz der Vorwürfe, die Mixa gegen ihn erhebe, sei er zur Versöhnung bereit. Die Gläubigen des Bistums rief er auf, Brücken über die aufgerissenen Gräben zu bauen.

Die Turbulenzen um den zurückgetretenen Bischof werden auch den ständigen Rat der Bischofskonferenz beschäftigen, der sich an diesem Montag in Würzburg trifft. Die Diözesanbischöfe wollen auf der zweitägigen Sitzung aber vor allem über die Reform der bischöflichen Leitlinien zum Umgang mit Missbrauchsverdacht beraten.

Alois Glück, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, forderte die Bischöfe auf, auch über neue Strukturen in der katholischen Kirche zu reden. In der Causa Mixa hoffe er auf eine schnelle Regelung aus Rom, "um einer Legendenbildung vorzubeugen".