Der neue Gammelfleischskandal könnte zu einem der gößten Fleischskandale in Deutschland werden. 180 Tonnen Schlachtabfälle wurden zu Dönerspießen verarbeitet.
Die Geschäfte eines Wertinger Fleischbetriebs mit Schlachtabfällen weiten sich womöglich zu einem der größten Fleischskandale in Deutschland aus. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Memmingen hat der 56-jährige Betriebsleiter eingeräumt, seit Juni 2006 bis zu 180 Tonnen Ekelfleisch, das nicht zum Verzehr geeignet ist, in den Lebensmittelhandel gebracht zu haben. Offenbar hat der Fall auch eine europäische Dimension.
Bis zu 180 Tonnen Ekelfleisch könnten ausgeliefert worden sein. (© Foto: dpa)
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Die stellvertretende Leiterin der Staatsanwaltschaft Memmingen, Renate Thanner, sagte am Freitag, der Hauptverdächtige habe weitere sieben bis acht Lieferungen von jeweils 20 Tonnen von umetikettiertem Fleisch gestanden. Bisher war lediglich die Rede von 20 Tonnen, die im Juli an Döner-Händler in Berlin verhökert worden seien.
Elf weitere Tonnen stellte die Polizei Anfang der Woche auf dem Betriebsgelände in Wertingen sicher, nachdem ein Lkw-Fahrer beobachtet hatte, wie der Verdächtige Etiketten von der Ware entfernt hatte. Der Fahrer alarmierte die Behörden.
Zumindest in diesem Fall seien die Schlachtabfälle, so genanntes K3-Material, an eine belgische Firma adressiert gewesen, tatsächlich aber nach Bayern geliefert worden, berichtete Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU).
Der Grund: In Deutschland müsse der Empfänger von K3-Material dessen ordnungsgemäße Verwendung bestätigen. Diese Rückschein-Pflicht existiere in Belgien nicht. Laut dem Dillinger Landratsamt fanden sich in den Papieren der Wertinger Firma keine Hinweise auf Schlachtabfälle.
Der bayerische Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) sagte, der schwäbische Betrieb sei "nur ein Glied in einer Kette". Das Ekelfleisch sei über mehrere Stationen und mehrere Länder als lebensmitteltauglich umdeklarierte Ware nach Berlin gelangt.
Von dort seien die daraus hergestellten Dönerspieße in acht Bundesländer verschickt worden. Die Berliner Behörden wissen nach eigenen Angaben nur von Lieferungen im Umfang von 49 Tonnen. Sämtliches Fleisch sei von einer Firma in Schleswig-Holstein gekommen, sagte Staatsanwältin Thanner.
Die neuen Erkenntnisse beruhten auf Vernehmungen des Beschuldigten am Donnerstag. Er ist wegen anderer illegaler Fleischgeschäfte vorbestraft. Eine Zulassung, K3-Material zu verarbeiten, hatte die Wertinger Firma nicht. Der Betrieb in Schleswig-Holstein fungierte offenbar als Zwischenhändler.
Neun von elf in Wertingen entnommenen Proben hätten ergeben, dass die Ware "nicht zum Verzehr durch Menschen geeignet" sei, sagte Schnappauf. Nun müsse man den Ermittlungsbehörden "Zeit und Raum" geben, die Vorfälle aufzuklären. Auch Seehofer sagte, nun sei die Justiz "am Zug".
Gleichwohl erhöhte sich nach den neuen Erkenntnissen der Druck auf Schnappauf. Die Opposition forderte erneut seinen Rücktritt. "Schnappauf ist politisches Gammelfleisch, das auch aus dem Verkehr gezogen werden muss", sagte der bayerische SPD-Vize Florian Pronold.
Er warf dem Minister vor, die Verbraucher in falscher Sicherheit gewiegt zu haben. Der jüngste Fall zeige, dass das Kontrollsystem nicht greife.
Der SPD-Abgeordnete Herbert Müller warf Ministerpräsident Edmund Stoiber eine Mitschuld vor: "Stoiber hat zwei Jahre zugeschaut, wie sich die laschen Kontrollen in keiner Weise verbessert haben."
Den Fall Wertingen nannte Grünen-Fraktionschef Sepp Dürr einen "Offenbarungseid für Schnappaufs Kontrollsystem". Besonders skandalös sei, dass die Ministerien von Bund und Land eine "tagelange Abwiegelungspropaganda" betrieben hätten.
Die FDP kritisierte, dass die eigens gegründete Sondereinheit nicht zum Einsatz gekommen sei.
Nach wie vor ist unklar, warum die illegalen Geschäfte nicht früher durch Kontrolleure des Landratsamts Dillingen aufgedeckt wurden. Schnappauf hatte sie am Donnerstag ins Ministerium bestellt, nachdem bekannt geworden war, dass ein Nachbar und Ex-Mitarbeiter die Behörden seit Jahresbeginn wiederholt auf Transporte zu ungewöhnlichen Tageszeiten aufmerksam gemacht hatte. Umgehende Kontrollen, räumte Landrat Leo Schrell (FW) ein, habe es aber nicht gegeben.
"Die Hinweise waren allgemeiner Art über Verkehr an Wochenenden auf dem Betriebsgelände und ließen keine Verdachtsmomente erkennen." Dennoch habe man die Firma häufiger als andere kontrolliert - seit 2005 insgesamt 13 Mal. "Wir haben getan, was in unseren Möglichkeit steht", sagte Schrell. "Wir sind ausgetrickst worden."
(SZ vom 1.9.2007)
Entspannter Vierbeiner
Die neueste Antwort
Na klar, sind wir es selber Schuld wenn die anderen Betrügen, wenn die anderen ihre Gier nach mehr Profit nicht im Griff kriegen.
Abgesehen davon das ich kein Fleisch mehr esse, sehe ich das aber irgendwie anders.
In meinem Nahbereich gibt mehrere Fleischlieferanten, die sich argwöhnig beobachten, so soll es sein, und sich mit den Preisen auch immer wieder unterbieten.
Soll der Verbraucher nun hergehen und den billigsten bitten, bitte,bitte, gib mir das Fleich ein bißchen teurer? Nein, er vertraut auf die staatliche überwachung der Lebensmittel.
Nicht umsonst darf nicht jeder Fleisch verkaufen. Ich z. Bsp. sehe mich nicht in der Lage per Augenschein zu entscheiden ob das angebotene Fleisch in Ordnung ist oder nicht.
Beim Gemüse entscheide ich nach Nachrichtenlage, werden einzelne Länder wegen ihrer großzügigen Pestizideverwendung gemeldet, nehm ich dieses Gemüse halt nicht.
Und doch, gehen viele Märkte dazu über Gemüse nicht mehr nach ihrer Herkunft auszulegen.
Die staatlich überwachung, sei es die Lebensmittelkontrolle, noch die Anwendung sonstiger Gesetze aus dem Lebensmittelbereich ( Herkunftsauszeichnung, Sortenbezeichnung usw.) funktionieren nicht mehr, so einfach ist das.
Die vielen zugezogenen haben scheinbar auch ihre Mentalität mitgebracht. Dazu gehört der Fetisch für "Skandal" und "Krise" und "Katastrophe" usw.
Ich kann den Skandal nicht erkennen. Wer in Berlin einen Döner für 1 Euro kauft und wirkich denkt er bekommt dafür beste Qualität der ist schlicht selbst schuld. Gesetze hin und her, irgendwo sollte man auch den eigenen Kopf benutzen und sich immer fragen ob das mit dem Preis überhaupt möglich ist.
Warum wurde das Zeug den nach Berlin und sonstwohin gekarrt und nicht nach Augsburg und München? Wär doch viel näher, viel niedrigere Transportkosten. Weil die Leute hier einfach bereit sind mehr für das Essen auszugeben - auch die Döner Buden kommen darum also garnicht in Versuchung die Preise zu drücken mit ungesetzlichen Methoden. Schwarze Schafe gibts immer, nur diese organisierte Fleischkriminalität kommt natürlich durch "Geiz ist Geil" und dieses schauen auf den Cent. Mich wundert nur das es sowas z.B. bei der Milch noch nicht gab, trotz der angeblichen jüngsten "Abzocke" sind unsere Milchpreise immer noch auf dem selben Niveau wie in Tschechien. Aber unsere Milchbauern müssen bayerische und nicht tschechische Lebenshaltungs- und Produktionskosten bezahlen.
Der Verbraucher hat die Macht und kann die Verantwortung vielleicht rechtlich aber nicht moralisch auf andere abschieben. Ich gehe nicht zum Discounter, selbst wenn nicht alles verdorben oder giftig sein mag was man dort bekommt. Aber wenn ein Liter Olivenöl für den Salat billiger ist als ein Liter Motorenöl dann kommt mir das ziemlich Pervers vor.
Schnappauf wir unter weiterem Druck geraten. Stoiber kann den Bayern noch einen letzten Dienst erweisen, nämlich Schnappauf absetzen. Er hat bei allen Affären versagt und selbst den armen Bruno zum Abschuss frei gegeben. Jetzt sollte er so langsam mal selbst auf die berühmte Abschussliste gesetzt werden. Der scheidende Mininsterpräsident kann seinen Bürgern jetzt beweisen, kein Zauderer zu sein. Dazu muss er den Mut haben und Schnappi entlassen.
Bin zum Glück kein Hundehalter, aber meine Katze hat ein feines Näschen. Die würde den Dreck nicht fressen. Aber die könnte die Spur zurückverfolgen.
Wieso können zig Tonnen monatelang verarbeitet werden, und das Fernsehen begleitet den Oberdönertürken in Berlin, ohne eine Probe zu nehmen. Der bekommt Gratiswerbung ohne Ende, wofür andere Unternehmen Millionen zahlen müssen.
Früher konnten die Bayern die Saupreißen nicht ausstehen, aber muss das soweit gehen?
Immerhin könnte man so einige aggressive Ausschläge bei der Bevölkerung Krüzbürgs in Berlin erklären, aber die aggressiven Akte kommen kaum aus Berlin. Wo landen dann noch diese Gammelhammel?
...mit "schlecht" bewertet hatten, sollten einmal die überlegung anstellen, warum die Gammelfleischskandale überhaupt in solchen Dimensionen stattfinden können - denn 160 Tonnen nicht für den menschlichen Verzehr geeignetes Fleisch müssen erst einmal bei einem einzigen Unternehmen überhaupt auflaufen.
Daß eine Spur dieses unglaublichen Skandals nach Belgien weist, hat nur mittelbar mit dem seltsamen Gebaren der EU zu schaffen; ist allerdings ein deutlicher Hinweis darauf, zu wessen Lasten die Eurokratie funktioniert.
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