Nach den letzten Gammelfleisch-Funden fordert Bayerns Justizministerin Merk eine strengere Gangart gegen kriminelle Fleischhändler. Schiebereien mit Ekelfleisch seien schwere Straftaten, die auch so geahndet werden müssten.
Nach dem jüngsten Fund von Ekelfleisch im schwäbischen Wertingen werden Forderungen nach härteren Gesetzen und strengeren Kontrollen laut. Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) sagte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung: "Wir müssen ein klares Signal gegen illegale Fleischgeschäfte setzen. Schiebereien mit Ekelfleisch sind schwere Straftaten, die auch so bestraft werden müssen.''
Döner-Produktion in Berlin (Archivfoto). In den Ermittlungen zum Ekelfleisch-Skandal sind weitere Lieferungen an ein Berliner Unternehmen nachgewiesen worden. (© Foto: dpa)
Anzeige
Die Strafen, die das Lebensmittelrecht bislang vorsehe, seien bei weitem nicht hoch genug, so die Ministerin. Am Freitag war bekannt geworden, dass ein schwäbischer Fleischhändler mindestens 180 Tonnen Schlachtabfälle in den Berliner Dönerhandel geschleust hatte.
Die jüngsten Urteile in Gammelfleisch-Prozessen hatten Probleme im Umgang mit dem Lebensmittelrecht aufgezeigt. So war im Dezember 2006 der Ex-Geschäftsführer einer Deggendorfer Kühlhausfirma wegen Ekelfleischgeschäften zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden - weil er Abnehmer der Ware getäuscht und betrogen hatte.
Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz hatte die Kammer ihm damals nicht nachweisen können. Auch im Passauer Wildfleischprozess, der zu einem milden Urteil kam, standen vor allem Betrugsvorwürfe im Mittelpunkt. Vor dem Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags, der frühere Gammelfleisch-Fälle aufarbeitet, hatte eine Staatsanwältin das Lebensmittelrecht unlängst als desaströs bezeichnet.
"Nur wenn wir heute auch Betrug nachweisen können, haben wir die Möglichkeit, hart durchzugreifen'', sagte Ministerin Merk. Das Lebensmittelrecht sehe bislang die Höchststrafe von fünf Jahren Haft nur bei besonders schweren Verstößen vor. "Dieses Strafmaß muss aber der Regelfall werden'', so Merk.
Auch der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber fordert ein härteres Durchgreifen der Justiz gegen kriminelle Fleischhändler. "Es kann nicht sein, dass wir solche Fälle meist als Ordnungswidrigkeiten behandeln", sagte Ferber.
Einheitliche EU-Regeln gefordert
"Wenn die Staatsanwaltschaft ermittelt, bekommt man das Problem eher in den Griff, als wenn solche Skandale nur die Veterinärämter ahnden.'' Der dreiste Fall aus Wertingen habe aber auch gezeigt, dass es ebenfalls auf europäischer Ebene Handlungsbedarf gebe.
"Wir brauchen einheitliche Regelungen was den Umgang mit Schlachtabfällen angeht'', so Ferber. Während in Deutschland für Schlachtabfälle Verwendungsnachweise vorgelegt werden müssten, entfiele in Nachbarländern teilweise diese Pflicht.
Im Wertinger Fall waren die Frachtpapiere für das sogenannte K3-Material an eine belgische Firma adressiert, weil die bayerische Firma die Abfälle gar nicht erst hätte annehmen dürfen. Alternativ, so Ferber, könne man Schlachtabfälle einfärben, um sie kenntlich zu machen. "Diese Probleme muss der europäische Gesetzgeber lösen.''
Tierärzte verlangen mehr Rückendeckung
Unterdessen verlangen Tierärzte mehr Rückendeckung durch die Behörden bei der Kontrolle von Schlacht- und Fleischbetrieben. "Amtliche Tierärzte stehen unter Druck und brauchen von staatlicher Seite Unterstützung'', sagte der bayerische Landesvorsitzende des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte, Rupert Ebner.
Viele Firmen schalteten bei einer belastenden Probe sofort einen Rechtsanwalt ein und drohten dem jeweiligen Arzt und der zuständigen Behörde massiv. Zuvor hatte bereits der bayerische Landesverband der Lebensmittelkontrolleure mehr Unterstützung eingefordert. Die Kontrolleure sollten zwar genauer hinschauen, seien aber personell überfordert. Unterdessen versuchen die Behörden den Verbleib der 180 Tonnen Ekelfleisch weiter aufzuklären.
(Süddeutsche Zeitung vom 3. September 2007)
Rekord in Deutschland
Die neueste Antwort
möchten usw. hat man schon alles hundertemale gehört. Was ist geschehen ? immer größere widerlichkeiten werden zufällig aufgedeckt. Der Schnappauf wird wahrscheinlich von der Fleischmafia sagen wir mal sehr wohlwollend unterstützt. Ansonsten kann es nicht sein das solche Mafiösen Strukturen in Bayern aufgebaut werden könnten. Aber was solls, uns schmeckt das Gammelfleisch toter Tiere ja anscheinend ganz gut. Also macht weiter so der Schnappi labert dann wieder mal nen schönen Spruch wir werden wir wollen und wir tun überhaupt nichts. Toll der Schnappsi.
und es findet sich immer wieder ein Politiker, der wieder einmal alles besser machen möchte! Ich kann es nicht mehr hören!!
Wann wird es endlich härtere Strafen und effektive Kontrollen geben? Wann?
Und wann werden wir einsehen, dass ein Döner für 99 Cent nur Dreck sein kann! Qualität kostet Geld, bei den Autos akzeptieren wir das ja auch, wann endlich auch bei dem viel wichtigeren Produkt - "Lebens"-mittel?
Jeden Tag wird eine neue Sau durchs Dorf gejagt, damit die dumpf gaffende Bevölkerung nicht merkt, wie ihr von hinten der Beutel abgeschnitten wird.
Die ganze Diskussion findet nur statt, um vom eklatanten Versagen der "gehobenen" Beamten in praktisch all ihren Tätigkeitsbereichen und deren ungerechtfertigte Privilegien abzulenken....aber mal zur Abwechslung praktikable neue Strategien erdenken oder gar Resultate nachweisen, vergesst es !
Das Lebensmittelrecht ist doch nur Firlefanz!
Wer gesundheitsgefährdende Lebensmittel in Verkehr bringt ( Gammelfleisch ist das nur selten) macht sich der ( versuchten ) Körperverletzung ( mit Todesfolge?) schuldig- daran hat sich die Gefängnisstrafe zu orientieren.
Wer falsche Hoffnungen auf ein Lebensmittel erweckt, also die Unwahrheit über die Ware zum Zwecke eines Gewinns verbreitet- wie heute Vormittag in B5 ein mutiger LKW- Fahrer berichtet hat, wäre es zur Zeit üblich, südamerikanisches Geflügel in französisches umzuettiketieren- der ist ein Betrüger
dejure.org/gesetze/StGB/263.html
und gehört danach abgeurteilt.
Angeblich wäre der Kontrolleur im aktuellen schwäbischen Fall 50 Mal bei der Firma gewesen und habe nichts wirklich Negatives bemerkt!
1. Fall: Es war Nichts - sieht nicht so aus.
2. Fall: Er hat nichts bemerkt - offensichtlich war er völlig untauglich für den Job.
3. Fall: Er durfte nichts bemerken - wer sind die Vorgesetzten?
oildrum
Nachtrag: die geänderten Gesetze scheinen wenig effektiv zu sein. Die Industrie wird´s freuen.
Paging