Von Roman Deininger

Bei der Besetzung von Parteiämtern ist die Freie Union nicht wählerisch - die Zeit drängt. Gabriele Pauli findet das Interesse an ihrem Projekt "einfach klasse".

Er suche jemanden aus Baden-Württemberg, ruft der Helfer in die Weite des Großen Saals des Münchner Hofbräukellers, seine Verzweiflung wächst von Tisch zu Tisch: "Da muss es doch jemanden geben!" Recht hat er, da gibt es einen, ganz hinten links, und schon hat die Freie Union, die neue Partei der früheren Fürther Landrätin Gabriele Pauli, einen Repräsentanten in einem weiteren Bundesland.

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Parteivorsitzende Gabriele Pauli auf der Gründungsversammlung der Freien Union: "Wunderbar, wie engagiert die alle sind" (© Foto: www.seyboldtpress.de)

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Der Gast aus Baden-Württemberg bekommt ein Schild vor die Nase, auf dem steht: "Freie Union Baden-Württemberg". Eben war der Mann noch mit der sorgsamen Zerlegung einer Breze beschäftigt, jetzt darf er sich berechtigte Hoffnung auf den Landesvorsitz machen.

"Wir werden ein gutes Team bilden"

Am Tag nach der Gründungsversammlung ist Parteischöpferin Pauli etwas müde, bis weit nach Mitternacht hatte die mitunter turbulente Zusammenkunft im Hofbräukeller gedauert. "Einfach klasse", findet Pauli das Interesse an ihrem Projekt. Mehr als 2000 Menschen hätten per E-Mail ihre Unterstützung angeboten, berichtet Pauli, immerhin 400 waren in der Geburtsstunde der Freien Union zugegen, darunter auch einige ehemalige CSU- und FW-Mitglieder.

Etwa 50 Kandidaten bewarben sich als stellvertretende Vorsitzende hinter Bundeschefin Pauli; die Vorstellungsrunde verschlang eineinhalb Stunden. "Wunderbar, wie engagiert die alle sind", freut sich Pauli, "wir werden ein gutes Team bilden."

Zeitnah treffen und "näherkommen"

Mit wem genau sie da im Team ist, vermag sie sich indes nicht zu erinnern, der Name eines ihrer drei Stellvertreter ist ihr entfallen. "Wir haben uns ja am Sonntag erst kennengelernt", sagt sie, man wolle sich jetzt zeitnah treffen und "näherkommen". Schon in ihrer Parteitagsrede hatte Pauli betont, wie froh sie sei, "die Dinge nicht mehr immer alleine nach außen vertreten" zu müssen, was angesichts ihrer politischen Rebellen-Vita als einigermaßen originelle Einlassung gelten muss.

Dem Vorstand gehören neben Pauli der Rechtsanwalt Michael Meier (Schweinfurt), die Selbständige Sabrina Olson (München) und eine Katharina Schmids ungeklärter Provenienz an. Der bayerische Landesvorsitzende wurde auf der neuen Webseite der Freien Union zunächst als "Herr Schmiedl" geführt. Die Spitzenkandidatin der Landesliste für die Bundestagswahl ist mit vollem Namen bekannt: Gabriele Pauli.

Spontan ist besser

Die können die Geburtswehen ihrer Partei nicht schrecken: "Wir haben keine Zeit, groß zu planen", sagt sie, "aber man ist doch oft am besten, wenn man spontan gefordert ist."

Und das ist die Freie Union: Es fehlt an Geld und an einer Verwaltungskraft. In den Ländern müssen für die Teilnahme an der Bundestagswahl noch Unterschriften gesammelt und Landesverbände gegründet werden, bisher ist Bayern der einzige. In den nächsten Tagen sollen aber weitere folgen: Nordrhein-Westfalen, Berlin, und - das deutete sich an - Baden-Württemberg.

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(SZ vom 23.06.2009/mikö)