G8 und G9 in Bayern CSU will jetzt doch einheitliche Form für Gymnasien

Die bayerische Staatsregierung will die Klassengröße neu regeln. Doch genau das könnte für einige allgemeinbildende oder Berufsschulen existenzbedrohend sein.

(Foto: dpa)
  • Seit Monaten ringt die CSU um eine Lösung beim acht- oder neunstufigen Gymnasium.
  • Offenbar soll es nun doch keine Wahlmischmodelle geben.
  • Der ursprünglich ins Auge gefasste Plan, dass jede Schule selbst darüber entscheidet, ob sie ein G 8, ein G 9 oder sogar beides sein will, hat sich damit erledigt.
Von Wolfgang Wittl

Seit Monaten ringt die CSU um den Königsweg beim acht- oder neunstufigen Gymnasium. Klarheit herrscht nun immerhin darin, dass alle Gymnasien in Bayern offenbar doch eine einheitliche Form behalten sollen: "Es präzisiert sich, dass es keine Wahlmischmodelle geben wird", sagte Gerhard Waschler, Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises (AK) Bildung, der SZ. Soll heißen: Der ursprünglich ins Auge gefasste Plan, dass jede Schule selbst darüber entscheiden kann, ob sie ein G 8, ein G 9 oder sogar beides sein will, hat sich erledigt.

Das war allerdings das einzige Ergebnis einer fast vierstündigen Sitzung, zu der der AK Bildung am Mittwochabend eingeladen hatte - und der gut 40 CSU-Abgeordnete gefolgt waren, darunter Kultusminister Ludwig Spaenle und seine Staatssekretäre Georg Eisenreich und Bernd Sibler. Auch die Junge Union hatte sich zuletzt deutlich für ein einheitliches Gymnasium ausgesprochen und obendrein eine Rückkehr zum G 9 gefordert. So weit wollte die CSU-Fraktion noch nicht gehen.

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Zwar fand der JU-Vorschlag einige Unterstützer, dagegen stehen jedoch finanzpolitische Bedenken. Vor allem Fraktionschef Thomas Kreuzer und der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Peter Winter, sollen sich nach Angaben von Teilnehmern skeptisch geäußert haben. Bis zu 1000 neue Lehrerstellen könnte eine Komplett-Rückkehr zum G 9 erfordern - zu teuer, wie manche finden.

Zur Debatte stand auch ein Kompromissvorschlag des früheren Kultusstaatssekretärs Karl Freller. Er regt eine "neue elfte Klasse" an, über deren Besuch die Jugendlichen selbst entscheiden. Jedem Schüler bliebe damit die Möglichkeit, das Abitur in acht oder neun Jahren zu absolvieren. Der Vorteil aus Frellers Sicht: Schüler könnten das Jahr zum Beispiel für Auslandsaufenthalte nutzen. Außerdem würden nicht allein die Eltern über die schulische Zukunft ihrer Kinder entscheiden wie in jüngeren Jahrgangsstufen, sondern ältere Schüler hätten ein Mitspracherecht. CSU-Bildungspolitiker geben Frellers Modell allerdings wenig Chancen: Ihrer Ansicht nach soll der Stoff bereits in den fünften bis zehnten Klassen entzerrt, die Schüler sollen frühzeitig entlastet werden.

Die CSU lasse sich nicht drängen, der Dialogprozess werde fortgesetzt, sagte AK-Chef Waschler. Das deckt sich mit den Plänen von Ministerpräsident Horst Seehofer. Er nahm an der Sitzung zwar nicht teil, sagte aber zuvor: "Wir reden, reden, reden, dann gibt es ein Spitzengespräch bei mir. Dann wird entschieden." Dieses finale Treffen könnte noch im Februar stattfinden. Nach der Debatte vom Mittwoch sei eine Lösung jedoch nicht einfacher geworden, sagte ein Teilnehmer.

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