Früherer Innenminister Merk gestorben Geradlinig, streitbar, konservativ

Bruno Merk: Der früherer Innenminister ist im Alter von 90 Jahren gestorben.

(Foto: dpa)

Einer, der den Menschen in Erinnerung geblieben ist: Bruno Merk war Widersacher von Franz Josef Strauß und Architekt der Gebietsreform. Wegen Horst Seehofer ist er sogar aus der CSU ausgetreten. Zur tragischen Figur wurde der Ex-Innenminister nach dem Münchner Olympia-Blutbad 1972. Jetzt ist er im Alter von 90 Jahren gestorben.

Auch mit 90 Jahren war Bruno Merk immer noch streitbar, immer noch kämpferisch, immer noch um klare Aussagen bemüht. Der Schwabe war ein Politiker, der den Menschen im Gedächtnis geblieben ist, auch lange nach seiner Amtszeit. Bruno Merk hat Spuren hinterlassen in Bayern. Jetzt ist der frühere Innenminister, kurz vor seinem 91. Geburtstag, gestorben.

Geradlinigkeit, die zeichnete ihn aus. Im innerparteilichen Streit mit dem CSU-Übervater Franz Josef Strauß zum Beispiel, mit dem er sich harte Wortgefechte lieferte, vor allem als es um die von Merk vorangetriebene Gebietsreform ging. Und auch nach seiner Karriere blieb Merk politisch interessiert und aktiv. Immer wieder schrieb er böse Briefe in die Staatskanzlei und verschonte dabei niemanden in der CSU.

Wenn die Staatsregierung seiner Ansicht nach falsch lag, wie beispielsweise beim Atomausstieg, dann konnte der Günzbürger nicht an sich halten, dann hatten die Ministerpräsidenten Post im Briefkasten, egal ob Edmund Stoiber oder Horst Seehofer. Aus Ärger über den heutigen Ministerpräsidenten Horst Seehofer ist Merk sogar aus der CSU ausgetreten.

Die Wandlung der Partei unter Seehofer hatte ihm nicht gefallen - vor allem den Atomausstieg hielt er für Unfug. "Mir gefällt schon lange nicht mehr alles, was geschieht und wie es geschieht", sagte er vor einem Jahr. Den Atomausstieg könne er mit seinem Verstand und seinen Erfahrungen nicht vereinbaren. "Ohne Kernenergie wäre Bayern heute nicht das, was es ist."

Innenminister Bayerns war der studierte Jurist Merk von 1966 bis 1977. In dieser Zeit hat er mit seiner Staats- und Verwaltungsreform Bayern so gründlich modernisiert, wie es kaum einem Politiker vor oder nach ihm gelungen ist. Gegen viele Widerstände, auch in der eigenen Partei hat er sie durchgefochten, immer penibel sachlich, immer meinungsstark. Merk wurde mit diesem Projekt für Bayern zu einem der prägendsten Landesminister nach dem zweiten Weltkrieg.

"Das war eine strapaziöse Aufgabe", erinnerte Merk sich später. Die Folge sei ein Hörsturz gewesen. "Den konnte ich nicht auskurieren, wegen der Vorbereitungen für Olympia."

Überschattet wurde Merks Schaffen durch die tragischen Ereignisse vom 5. September des Jahres 1972, der Tag des Palästinenser-Attentats auf israelische Sportler in München. Merk war als Innenminister der Leiter des Krisenstabs - und wurde zu einer tragischen Figur: Die geplante Befreiung der israelischen Geiseln auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck endete in einem Blutbad und dem Tod sämtlicher Sportler.

Die israelische Regierung hatte der Bundesregierung Hilfe bei der Geiselbefreiung angeboten, doch die deutsche Seite lehnte ab. Die bayerische Polizei versuchte es allein, obwohl es damals noch keine Spezialeinsatzkräfte gab, die auf solche Situationen vorbereitet waren.

"Bayern verneigt sich"

Es war Merk, der dann die bittere Nachricht verkünden musste, die weltweit über die Fernsehschirme flimmerte. Die Erinnerung daran habe ihn nie losgelassen, sagte Merk. "So etwas kann man nicht einfach runterschlucken. Ich lebe damit." Fehler in seinem Verhalten könne er rückblickend nicht erkennen. "Ich bin überzeugt, dass wir das uns Mögliche getan haben." Als Innenminister durfte Merk weitermachen.

"Bayern verneigt sich vor einem herausragenden Architekten des heutigen Freistaats und einem Mann mit Standpunkt, Herz und Standvermögen." Mit diesen Worte zollte Ministerpräsident Seehofer einem Mann Respekt, der mit seiner Politik nicht einverstanden war. Seehofer erklärte, er habe die Nachricht vom Tod seines früheren schwäbischen Parteifreunds mit großer Trauer aufgenommen. Merk habe dem Freistaat sein modernes Gesicht gegeben. Mit der Gebietsreform der siebziger Jahre habe Merk ein Jahrhundertwerk vollbracht und mit seiner Staats- und Verwaltungsreform den Freistaat auf Jahrzehnte geprägt.