Sie könnten das Zünglein an der Waage sein: Ohne die Freien Wähler wird Christian Ude vermutlich keine Mehrheit im Freistaat zustandebringen. Bei der Wählervereinigung kann man sich eine Zusammenarbeit mit dem OB vorstellen - unter einer Bedingung.
Seit Münchens Oberbürgermeister Christian Ude signalisiert hat, 2013 als Ministerpräsident kandidieren zu wollen, ist die SPD-Basis regelrecht euphorisiert. Freilich bräuchte Ude sicher nicht nur die Grünen zum Regieren, sondern auch die Freien Wähler (FW). Die sind vor allem auf dem Land stark und gelten als wertkonservativ. Stellt sich also die Frage, ob die Basis der Freien vom SPD-Kandidaten aus der Großstadt ebenso angetan ist - und ob sie eine mögliche "Sri-Lanka-Koalition" mit SPD und Grünen befürworten würde.
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Christian Ude will Ministerpräsident werden - doch für die Mehrheit 2013 im Bayerischen Landtag wird der SPD-Politiker auch mit den Freien Wählern zusammenarbeiten müssen. (© Alessandra Schellnegger)
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Der Nürnberger FW-Chef Jürgen Horst Dörfler könnte sich mit Ude als Ministerpräsidenten durchaus anfreunden. Für einen "sehr profilierten Mann" hält er den Sozialdemokraten, als Regierungschef einer möglichen Koalition sei er fraglos geeignet. Andererseits hat Dörfler - "und viele in Franken" - mit Skepsis wahrgenommen, dass Ude sofort Forderungen an die eigene Partei gestellt hat, eine dritte Startbahn des Münchner Flughafens betreffend.
Das könnte das Problem sein bei vielen ländlich geprägten FW-Verbänden, sagt Dörfler: "Dass Ude nicht nur als Großstadt-Politiker wahrgenommen wird, sondern dezidiert als Münchner". Sollten die FW 2013 tatsächlich das Zünglein an der Waage spielen können, plädiert Dörfler aber eindeutig für einen Regierungswechsel: "Im Mittelpunkt muss stehen, die CSU abzulösen".
Ähnlich sieht das Werner Winter. Der Mittelfranke war bis 2008 stellvertretender FW-Landesvorsitzender, inzwischen ist er einfaches Mitglied, "wieder einer von der Basis", sagt er. Ude hält er für einen "sehr guten Mann". Was die Bereitschaft der FW-Basis betrifft, Ude als Ministerpräsidenten zu akzeptieren, sieht Winter wenig Probleme. "Hauptsache, es ist ein Wechsel", sagt Winter. Eine Sri-Lanka-Koalition, gemeinsam mit der SPD und den Grünen? "Wir können uns nur jenseits der CSU profilieren", ist sich Winter sicher. "Also: ein klares Ja."
So eindeutig will das die Landrätin von Kitzingen, Tamara Bischof (FW), nicht sehen. Zwar sei Ude "ein sehr aktiver und erfolgreicher Münchner Oberbürgermeister". Auf einen möglichen Wechsel zugunsten der SPD und der Grünen aber dürften sich die Freien Wähler keinesfalls festlegen, rät die Landrätin. Man müsse sich nach der Wahl genau anschauen, mit wem die FW ihre ureigensten Themen am besten durchsetzen können, vor allem die Stärkung des ländlichen Raumes. "Und da müsste sich ein Herr Ude noch sehr bewegen", sagt Bischof.
Keine Bedenken dieser Art hätte Bruno Altrichter (FW), Bürgermeister im unterfränkischen Bad Neustadt. Dass ein möglicher Ministerpräsident Ude "nur noch in den Kategorien von Metropolregionen" denke und handle, "das wüssten wir Freien Wähler schon zu verhindern". Im Gegenteil, sagt der Bürgermeister: "Ude halte ich nicht nur für einen herausragenden Kommunalpolitiker - er wäre auch ein sehr geeigneter Regierungschef."
Gerade weil die Freien Wähler aus der Kommunalpolitik hervorgegangen sind, könne ihnen ein ausgewiesener Kommunalpolitiker als Regierungschef nur nützen. Aber die wertkonservativen Freien Wähler in einer Koalition mit Rot-Grün? "Ich kann darin absolut keinen Hinderungsgrund erkennen", sagt er.
Das sieht auch Hans-Joachim Weirather, FW-Bezirksrat in Schwaben, so: "Die Idee Ude hat für mich auf jeden Fall Charme. Er steht für eine Politik, mit der ich was anfangen kann." Das liege auch daran, dass Ude ein Kommunalpolitiker ist. Eine Koalition mit Rot-Grün knüpft Weirather daher vor allem an eine Kandidatur Udes. Trotz aller Zuneigung bemüht er sich aber um Gelassenheit. "Das Thema ist hochinteressant, steht bei uns aber nicht auf der Agenda."
Für den FW-Ehrenvorsitzenden, Armin Grein, ist eines schon sicher: "Mit Ude gäbe es eine sehr gute Perspektive, die hybride Herrschaft der CSU zu brechen." Ude sei ein "klassischer Kommunaler", sagt Grein, das gefalle den Freien. "Und er ist immer als Mann der politischen Mitte in Erscheinung getreten."
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(SZ vom 20.08.2011/bica)
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Die neueste Antwort
...wieviele Äußerungen von führenden Leuten bei den Freien Wählern unter den Tisch gefallen sind, weil sie nicht in den geplanten Ude-Jubelartikel gepasst haben.
Noch eindrucksvoller wäre die Unterstützung für den größten Anzapfer aller Zeiten ausgefallen, wenn die SZ mit Zitaten belegt hätte, dass die Freien Wähler nur mit Ude mitregieren wollen, auf keinen Fall aber mit Rinderspacher, Bause oder Dürr an der Regierungsspitze...
Das Ganze wird aber mit Sicherheit nicht passieren. Da wäre zum Beispiel nur die Chance das die FDP nicht in den Landtag kommt, das glaube ich aber nicht da es genug Klientel der FDP gerade in Bayern gibt.
Ausserdem ist die SPD für die katholisch, bürgerlichen immer noch "Sozis", ein ganz schlimmer Begriff in Bayern (auch wenn das seit Schröder schon lange nicht mehr stimmt). Stärker könnten höchstens die Grünen werden. Die freien Wähler werden auf jeden Fall auf kommunaler Ebene wieder stark ins Rennen gehen. Sollte das mit der FDP nicht klappen denke ich da eher an eine Koalition zwischen den freien Wählern und der CSU.
Schaden würde es Bayern nicht wenn der Moloch eine Zeit lang verschwinden würde und diese fastkönigliche Behandlung der Bürger Vergangenheit würde. Wird aber nicht passieren.
Gegen ATOMENERGIE zu sein und gleichzeitig die Abhängigkeit von der Finanzindustrie und anderen Plündercliquen zu verschweigen: soll das zu einer Lösung für das Land werden?
Deutschland wird platt gemacht. Das Bestreben nicht nur von gewissen Parteivertretern.
Der Lebensstandard Münchens: ein starkes Ergebnis mit der CSU-Landespolitik.
Aber, selbst die CSU war den Machtcliquen aus der brutalen, international, supranational operierenden Finanzszene nicht gewachsen.
Bayern bräuchte Durchblick und Courage. Nicht Opportunismus und Realitätsferne.
cc.
entweder ROT oder SCHWARZ zu wählen und den ganzen Splitterkram zu vergessen. So gäbe es wenigstens klare Verhältnisse und nicht lauter Taktiererei.
Da ist der Ude noch nicht mal Kandidat, schon wird von Regierungsverantwortung phantasiert.
Lieber SZ-Redaktion, bei allen Verständnis für die Schützenhilfe für den Ex-Kollegen, aber Christian Ude ist ein Münchner Großkopferder und auf dem Land nicht vermittelbar.
Paging