Interview: Katja Auer

Landtagspräsidentin Barbara Stamm erklärt, warum es Frauen in der CSU so schwer haben - und ob Bayern reif ist für eine Ministerpräsidentin.

Können Frauen in der CSU ohne Quote etwas werden? Nein, glaubt Barbara Stamm, obwohl sie selbst keine solche Regelung brauchte, um Landtagspräsidentin und stellvertretende Parteichefin zu werden. Sie ist in dieser Frage eine Geläuterte.

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Barbara Stamm hat es ohne geschafft. Trotzdem ist die Landtagspräsidentin für die Einführung einer Frauenquote in der CSU. (© Foto: dpa)

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SZ: Frau Stamm, wären Sie manchmal lieber ein Mann?

Barbara Stamm: Nein, wirklich nicht.

SZ: Aber dann hätten Sie es in der CSU einfacher gehabt.

Stamm: Vermutlich ja. Aber ich hab's ja am Anfang gar nicht so schwer gehabt. 1972 hat die CSU für den Würzburger Stadtrat ganz bewusst Frauen gesucht und angesprochen. Ich bin bis dahin in meiner Partei nie groß aufgefallen, war relativ unbekannt. Auch als Listenkandidatin für den Landtag bin ich angesprochen worden.

SZ: Das war am Anfang. Wie war es als junge Mutter?

Stamm: Schwierig, ganz, ganz schwierig - weil ich immer unter strengster Beobachtung stand. Am meisten hat mich die Frage aufgeregt: Was sagt denn Ihr Mann dazu? Da bin ich jedes Mal nervös geworden. Bis ich dann mal den Gegenangriff gemacht und gefragt habe, was sagt denn eigentlich Ihre Frau dazu? Einer Frau wurde von vornherein unterstellt, dass sie die Familie vernachlässigt. Natürlich hat man Defizite, aber die haben Väter doch genauso.

SZ: Lassen sich Frauen zu leicht verunsichern?

Stamm: Wir sind einfach zu wenig selbstbewusst. Das schlechte Gewissen war schon da, das ist es zum Teil heute noch. Jede schlechte Note meiner Kinder hat mich zum Nachdenken gebracht. Frauen sollten mehr dazu stehen, Verantwortung bewusst zu übernehmen und sich nicht selbst ein schlechtes Gewissen zu machen. Nur den Männern die Schuld zu geben, halte ich für falsch. Frauen verstehen es mitunter nicht, ihr Netzwerk zu knüpfen und es engmaschig zu gestalten. Und es ist auch nicht unbedingt so, dass Frauen Frauen fördern.

SZ: Aus Eifersucht?

Stamm: Die Eifersucht gibt es unter Männern auch und den Neid, aber vielleicht will man auch gar nicht in den Ruf kommen, dass Frau bewusst Frauen unterstützt.

SZ: In vielen Unternehmen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es eine Gleichberechtigung von Frauen ohne die Quote nicht geben wird. Nur bei der CSU noch nicht.

Stamm: Ich war jetzt schon sehr befremdet, dass wir nicht einmal allen Ernstes diese Diskussion führen können: Was haben wir erreicht? Wo haben wir in der CSU unsere Defizite? Wie müssen wir uns als moderne Volkspartei aufstellen? Die Zukunft meiner Partei ist doch davon abhängig, inwieweit ihr Frauen ein Gesicht geben. Ich bin immer wieder aufs Neue erschüttert, dass die CSU auch weiterhin für jüngere Frauen und solche mittleren Alters nicht attraktiv ist. Das belegen nach wie vor die Wahlergebnisse.

SZ: Verstehen Sie die jungen Frauen, die keine Quotenfrauen sein wollen?

Stamm: Nein, ich verstehe sie nicht. Denn mittlerweile ist es ja so, dass wir so viele tolle, hochqualifizierte Superfrauen haben, dass sie gar nicht als Quotenfrauen empfunden würden, selbst wenn sie über die Quote ein Amt erreichen.

SZ: Sie waren keine Quotenfrau.

Stamm: Das stimmt, das war natürlich auch schön, aber da gab es noch nicht so viele Frauen. Da mussten die Männer noch nicht befürchten, dass zu viele anmarschieren. Je mehr wir geworden sind, desto schwieriger ist es geworden.

SZ: War es jemals von Vorteil, in der CSU eine Frau zu sein?

Stamm: Nur solange man die Nase noch nicht zu weit rausgestreckt hat. Schwierig ist es geworden, als ich stellvertretende Fraktionsvorsitzende werden wollte. Da bin ich beim ersten Mal durchgefallen. Als ich den Posten dann hatte, habe ich meinen Sitz im Rundfunkrat aufgegeben, mit dem Wunsch, dass wieder eine Frau nachrückt. Aber mitnichten.

Und 2001 (als Stamm wegen der BSE-Krise als Ministerin zurücktreten musste, Anm. d. Red.) hatte ich zwei Möglichkeiten: entweder mich ganz zu verabschieden oder zu kämpfen. Ich habe mich für Letzteres entschieden, was unwahrscheinliche Kräfte kostete. Das war ein Aufbäumen. Ich sage immer wieder zu Frauen, dass sie sich durch Niederlagen nicht einschüchtern lassen sollen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, in welcher Hinsicht Horst Seehofer vorbildlich handelt und ob die CSU eine frauenfeindliche Partei ist.

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