Französischer Einfluss im Bairischen Napoleon, der alte Lackl!

Einst aus dem Schlafzimmer nicht wegzudenken: das Potschamperl.

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Trottoir, Böfflamott, Lackl und oide Schäsn: Zur Zeit Napoleons war das Französische eine Modesprache in Bayern. Wer etwas auf sich hielt, parlierte en français. Viele Wörter haben Eingang in den hiesigen Dialekt gefunden

Von Hans Kratzer

Wenn ein Mensch aus Bayern am Pariser Gare du Nord aus dem Zug steigt, könnte es ihm widerfahren, dass er mit den Wörtern "Bagasch, Bagasch" empfangen wird. In diesem Fall sollte er aber nicht gleich eingeschnappt sein. Denn der Bahnhofsbedienstete meint sicher nicht ihn, sondern sein Gepäck (bagage).

Mögen die Bayern im Laufe ihrer Geschichte eine Menge Wörter aus dem Französischen übernommen haben, so änderten diese Begriffe doch häufig ihren Sinn. Im bayerischen Sprachgebrauch steht Bagasch selten für das Gepäck, sondern meistens für eine Gruppe von zwielichtigen Gestalten, also für ein Pack.

Das Bairische hat sich im Laufe seiner mehr als tausendjährigen Geschichte Wörter, Begriffe und Wendungen aus allen möglichen Sprachen einverleibt. Im frühen Mittelalter bestand sogar noch ein starker Kontakt zu den Sprachen der Antike, weshalb das Lateinische und Altgriechische in den hiesigen Mundarten nach wie vor durchschimmern. Der Kontakt zur französischen Sprache, die ja ebenfalls aus dem Lateinischen erwachsen ist, kam erst viel später zustande.

"Eine große Welle französischer Fremdwörter erfasste das Deutsche in der Zeit des Absolutismus", sagt der in Leipzig lehrende Sprachwissenschaftler Hans Ulrich Schmid. Der Glanz des Sonnenkönigs Ludwig XIV. (1638-1715) habe bis nach Berlin, München und Wien gestrahlt. In gebildeten Kreisen gehörte das Französische damals zum guten Ton, auch wenn diese sprachliche Überfremdung schon seinerzeit nicht jedem gefiel. In ihrem Widerstand gegen das Französische hervorgetan haben sich damals vor allem die Autoren der von 1722 bis 1740 erschienenen Münchner Wissenschaftszeitschrift Parnassus Boicus, "doch letztlich vergeblich", wie Schmid resümiert.

Ein weiterer Schub für das Französische in Bayern folgte in der Ära des Kaisers Napoleon (1769-1821). Nicht nur die großbürgerlichen Herrschaften in den Städten unterhielten sich nun mit Vorliebe auf Französisch. Die Sprache drang durch Händler und Soldaten sogar in den Alltag der Städte und Dörfer ein und färbte die jeweiligen Dialekte. In München ist diese Entwicklung sogar schon seit der Zeit der Kurfürstin Adelaide zu beobachten, die 1652 von Savoyen nach Bayern übersiedelte.

Mit ihr kam in das strenge, ein wenig fade Leben am Münchner Hof ein südlicher und hell klingender Ton. Adelaide, die Gemahlin des Kurfürsten Ferdinand Maria, brachte nicht nur Maler, Baumeister und Musiker mit, sondern auch Hofdamen, Lakaien, Köche und Kammerkätzchen. Es dauerte nicht lange, und schon zwitscherte und schnatterte in den Straßen Münchens alles italienisch und französisch.

Vermutlich übernahmen die Münchner damals Begriffe wie Parapluie und Parasol (Regenschirm), Visasch (von visage, Gesicht), Spektakel (spectacle, Schauspiel, Lärm) und lescher (legère, locker, ungezwungen, leicht). Das Dienstpersonal hatte es sicherlich schon pressant (eilig), und die Buben schickte man vermutlich zur Schenke vis à vis (gegenüber). Noch 1782 klagte der Chronist Lorenz von Westenrieder, dass die höheren Münchner Stände das Französische und Italienische besser beherrschten als ihre heimische Muttersprache.

50 Jahre Élysée: Le Monde und Süddeutsche Zeitung kooperieren

Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Frankreichs Präsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer im Élysée-Palast einen Vertrag, der die deutsch-französische Freundschaft besiegelte. Zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung  veröffentlichen die Süddeutsche Zeitung und das französische Blatt Le Monde eine binationale Kooperationsausgabe, in der Autoren beider Medien Meinungsstücke, Analysen und Reportagen austauschen. Einen Überblick über alle Texte finden Sie auf unserer Themenseite.