Flughafen Freilassinger genervt vom Salzburger Fluglärm

Auch Jumbo-Jets fliegen den Flughafen Salzburg an. Knapp zwei Millionen Passagiere wurden 2015 gezählt.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • In Freilassing klagen Anwohner schon lange über den Fluglärm, der durch den Salzburger Flughafen verursacht wird.
  • Im Sommer verließ die bayerische Seite bereits den Bürgerbeirat wegen ausbleibender Fortschritte.
  • 2019 soll die Landebahn dort saniert werden.
Von Matthias Köpf, Freilassing

Die Maschine der Austrian Airlines startet Richtung Norden, beschleunigt vor der Kulisse des Salzburger Festungsbergs und hebt ab. Das Fahrwerk ist noch nicht eingefahren, da fliegt sie in einigen hundert Metern Höhe über die Saalach und dann in einer Kurve nach Nordwesten über die bayerische Grenzstadt Freilassing hinweg. Vom Salzburger Flughafen aus scheint sie jetzt durch die Luft zu gleiten, doch viele in Freilassing und seinen Nachbargemeinden nehmen das so wahr, dass die Maschine über sie hinwegdonnert. Der Streit darüber währt schon Jahrzehnte und beschäftigt längst auch die Bundesregierungen in den Nachbarländern. Die haben nun eine Kommission eingesetzt, die bis zum kommenden Frühjahr Verbesserungen bringen soll.

Eine Fluglärmkommission nach deutschem Recht hat über die Jahrzehnte zwar zuweilen Hoffnungen geweckt, aber kaum bahnbrechende Ergebnisse gebracht. Denn seit der heutige "Salzburg Airport W. A. Mozart", dem man das einstige einfache Flugfeld immer noch deutlich ansieht, im Jahr 1960 seine Landebahn verlängert und in die Nord-Süd-Ausrichtung gedreht hat, gibt es am Himmel über Salzburg im Wesentlichen nur zwei Richtungen: Nach Süden, wo wohlsituierte Salzburger Vororte liegen und das Tennengebirge, der Hohe Göll und der Untersberg aufragen. Und nach Norden, wo die Piloten allen Platz der Welt für einen schnurgeraden und gemächlichen Landanflug haben und sich auch beim Start keine Sorgen machen müssen, möglichst bald die nötige Flughöhe zu gewinnen.

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Doch hier im Norden liegen nicht nur die deutschen Zielflughäfen von mehr als einem Drittel der Flugpassagiere in Salzburg, sondern hier liegt eben auch Freilassing. Hier klagen sie, dass sie stets mehr als 90 Prozent aller Charter- und Linienflüge abbekommen. 2019 soll die Landebahn saniert werden, doch der Vorschlag aus Freilassing, sie bei der Gelegenheit wieder um ein paar Grad zu drehen, stellte sich schnell als unrealistisch heraus, denn dann würden die Enden der 2700 Meter langen Bahn und ihrer begleitenden Sicherheitsstreifen mitten in benachbarten Siedlungen liegen.

Die "Technische Kommission", die vor einigen Wochen bei einem Gipfeltreffen mit mehreren Vertretern unter anderem der deutschen und österreichischen Verkehrs- und Außenministerien in Wien beschlossen worden ist, wird kleinteiligere Lösungen finden müssen. Kürzlich hat sich die Kommission zum ersten Mal getroffen, doch Ergebnisse kann der Vizepräsident der Salzburger Flughafengesellschaft, Rudolf Lipold, noch nicht berichten. Eins aber ist klar: "Ein Ziel muss sein, dass wir eine faire Verteilung schaffen."

Müssen überhaupt so viele Flüge über den Norden gehen?

Dass der Airport mehr Flüge über den Süden abwickeln könnte, steht für die Menschen im Norden fest. Denn an den besonders frequentierten Samstagen im Winter, wenn am "Ski Check In" richtig Betrieb ist und teilweise mehr als 25 000 Passagiere in bis zu 90 Flugzeugen starten und landen, dann geht es ja notgedrungen auch nach Süden, sagen die Freilassinger. Im Normalbetrieb sind es übers Jahr nur 5000 bis 7000 Passagiere in vielleicht 25 Fliegern. Viel mehr werden es im Durchschnitt kaum werden, denn der Airport, der zu drei Vierteln dem Land und zu einem Viertel der Stadt Salzburg gehört, ist nach Ansicht seiner Betreibergesellschaft praktisch an den Grenzen seines Wachstums angelangt. Dass die Flüge an durchschnittlichen Tagen eher selten sind, verwehrt den Anwohnern auch einen besseren Lärmschutz durch EU-Regelungen, denn dafür zählt der errechnete Durchschnittslärm und nicht der Spitzenpegel, wenn zweimal in der Stunde eine Jet übers Haus donnert.

Selber setze man aber natürlich auch den Spitzenwert an, beteuert Flughafen-Vize Lipold. Er bedauert, dass die bayerische Seite im Sommer wegen ausbleibender Fortschritte den Bürgerbeirat verlassen hat, der seit zwei Jahren die Interessen aller Anwohner bündeln soll. Im Frühjahr würden sich aber nun Verbesserungen bemerkbar machen, die die neue Kommission vorschlagen werde. "Vielleicht kommen sie dann wieder", sagt Lipold über die bayerischen Vertreter im Bürgerbeirat. Als Fluggäste kommen die Bayern sowieso.

Karte: SZ-Grafik; Quelle: Salzburg Airport

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