Flüchtlinge Meierhofer rudert zurück

Ihr Brief über die Probleme mit Asylbewerbern aus Afrika sorgte für großes Aufsehen. Jetzt findet Garmisch-Partenkirchens SPD-Bürgermeisterin die Zustände nicht mehr ganz so schlimm

Von Matthias Köpf, Garmisch-Partenkirchen

Als "Brandbrief" galt das Schreiben von Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer sofort, in dem die SPD-Politikerin der Regierung von Oberbayern die Probleme mit Flüchtlingen in ihrer Marktgemeinde geschildert hat. Nach dem internationalen Aufsehen, das ihr Schreiben erregt hat, versuchte Meierhofer am Donnerstag, ihre eigenen Formulierungen zu relativieren. Das Bild, das nun teilweise von Garmisch-Partenkirchen gezeichnet werde, sei "unendlich fern jeglicher Realität", sagte sie zur SZ. Ein Problem liege "allein in der jetzigen Form der Erstaufnahmeeinrichtung" im Abrams-Komplex.

In der vor mehr als einem Jahr geschaffenen Erstaufnahme für Flüchtlinge hat sich die Bewohnerstruktur in den vergangen Monaten stark verändert. Weil inzwischen kaum mehr Familien aus Syrien und Afghanistan, sondern viel mehr junge Männer aus Schwarzafrika ins Land kommen, dominiert diese Gruppe inzwischen auch den Alltag in der Erstaufnahme und bestimmt beispielsweise, wer wo schlafen darf. Die Garmischer Polizei musste dort binnen weniger Wochen so viele Einsätze fahren wie sonst innerhalb eines halben Jahres. Die Mitarbeiter der Rettungsdienste sind nach Schlägereien und Rangeleien immer wieder gefordert, begeben sich aber längst nur noch sehr ungern ohne Polizei in den Abrams-Komplex.

"Auch das Ausmaß der aufgetretenen Gewalt sprengt das Maß des bisher Erlebten und Vorstellbaren", heißt es in dem Schreiben der Bürgermeisterin an die Regierung von Oberbayern. Zugleich droht sie darin mit Verweis auf das Planungsrecht, dass die Gemeinde die dauerhafte Nutzung des Areals als Erstaufnahme verhindern werde, falls sich die Zustände nicht besserten - und zwar als "alternativlose Notwendigkeit". Aus dem Papier geht auch hervor, dass die Gemeinde für den Kurpark eine noch nie da gewesene Zahl von Hausverboten habe aussprechen müssen. Manche Geschäftsleute warnten ihre Mitarbeiterinnen davor, im Dunkeln allein durch das Ortszentrum zu gehen. Das habe sie aufzeigen wollen, damit die Regierung von Oberbayern im Abrams-Komplex endlich für bessere Verhältnisse sorge, bekräftigte die Bürgermeisterin am Donnerstag. Inzwischen zeigen sich viele Lokalpolitiker und auch Meierhofer selbst aber besorgt, dass von dem Brandbrief nur die fremdenfeindlichen Zündler profitieren. Vor allem aber erschwert es den Tourismuswerbern die Arbeit, wenn der Fremdenverkehrsort nun auch international als eine Art Krisengebiet dasteht, in dem Banden die Macht übernommen haben. Ihr Schreiben habe schließlich nur die Behörden aufrütteln und nie öffentlich werden sollen, sagte Meierhofer. "Das hat sich in eine Richtung entwickelt, die ich ja auch nicht voraussehen konnte."

Ob eine solche Entwicklung nicht doch absehbar war, das fragen sich mehrere Gemeinderäte, denn Meierhofer hatte vor einigen Tagen ihr vertrauliches Schreiben neben staatlichen Stellen auch an Lokalpolitiker verschickt. Was ihre Absicht betrifft, so zweifelt kein Gesprächspartner in Garmisch an der Bürgermeisterin. Die rechtfertigte sich damit, dass sie auch den Tourismus im Auge haben müsse, von dem Garmisch lebe. Die Beschwerden über die Flüchtlinge und darüber, dass man sich in Garmisch nicht mehr wohlfühle, kämen fast ausschließlich von Gästen, beinahe täglich treffe inzwischen ein solches Schreiben ein.

Der Eindruck, der nun entstanden sei, sei aber "genau das Gegenteil von dem, was da erreicht werden sollte", merkt sogar Robert Allmann an. Er ist Sprecher von Meierhofers SPD-Gemeinderatsfraktion. In der Ratssitzung vom Mittwochabend verlor Meierhofer kein Wort über den Brief und seine Folgen. Das Schreiben soll ja vertraulich bleiben.