Interview: Sabine Buchwald

Jahrelang besuchte Filmemacher Mickel Rentsch Marktl am Inn. Nun kommt der Film über den Geburtsort des Papstes ins Kino.

Anderthalb Jahre lang - von April 2005 bis September 2006 - war der Münchner Filmemacher und Schauspieler Mickel Rentsch, 42, immer wieder in Marktl, dem Geburtsort von Papst Benedikt XVI. Er hat die Wahl von Kardinal Ratzinger zum Papst miterlebt und die Entwicklung des Ortes bis zum spektakulären Besuch des Papstes. Rentsch befragt die Einwohner nach ihrem Verhältnis zur Kirche, zum Papst, zum Tourismus in ihrem Ort. Entstanden ist daraus eine 90-minütige Dokumentation, die von nächsten Donnerstag an in 23 bayerischen Kinos zu sehen ist.

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Papst Benedikt XVI. und seine Heimatstadt Marktl am Inn sind Inhalt der Dokumentation von Mickel Rentsch. (© Foto: Reuters)

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SZ: Kommt der Film "Wir sind Papst" nicht ein bisschen zu spät?

Mickel Rentsch: Zu spät wäre er ja auch gleich nach dem Papstbesuch gewesen. Für mich ist der Film nicht nur das Thema Papst, sondern vielmehr die bayerische Seele.

SZ: Was ist denn das Bayerische?

Rentsch: Das Urige und das Direkte, das immer wieder gipfelt in dem Satz "Es ist so, wie es ist". Zu Bayern gehört Tradition, der Glaube, aber auch der Kommerz. Ich glaub', das hinterfragt sich schon ganz von allein, wenn man Papst-Stäbe, -Bratwürste, -Kerzen und so weiter verkauft.

SZ: Der Dialekt ist schwer zu verstehen. Haben Sie an Untertitel gedacht?

Rentsch: Nein, auch in Franken wird der Film im Original gezeigt.

SZ: Manche Aussagen sind ziemlich skurril. Etwa die Metzgersfrau, die von der fröhlichen Ausstrahlung des Papstes schwärmt und erklärt, dass deshalb Blumen in der Papst-Wurst seien, als ein Zeichen von Fröhlichkeit.

Rentsch: Die Metzgerin hat das abgesegnet. Als skurril hat sie ihre Erklärung sicher nicht empfunden. Alle Leute, die vorkommen, konnten den Film vorab sehen. Ich bin mir ziemlich sicher, die Leute finden sich durchaus wieder.

SZ: Was glauben Sie, wer wird sich Ihren Film im Kino anschauen?

Rentsch: Ich würde sagen, überwiegend Leute ab 40. Aber auch alle anderen, die ein gewisses Interesse an dem Papst haben. Leute, die für ihn sind oder auch gegen ihn.

SZ: Wäre der Film nicht besser im Fernsehen aufgehoben?

Rentsch: Ich wollte ihn nicht auf 45 Minuten runter kürzen. Das wird dem, was ich erzählen will, nicht gerecht. Ich hatte den Film nicht durchgeplant. Ich bin ein schicksalsgläubiger Mensch. Die Idee ist aus dem Bauch heraus entstanden.

SZ: Waren Sie mal wieder in Marktl. Hat sich der Ort verändert?

Rentsch: Am Anfang war eine große Euporie. Man merkt jetzt aber, dass die Leute unsicherer sind, weil sie sich beobachtet fühlen.

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(SZ vom 8.5.2009/vw)