Hätte der Felssturz von Stein verhindert werden können? Der Grundbesitzer wollte bereits ein Stahlnetz anbringen, scheiterte aber an Natürschützern.
Das Unglück hatte weit über Bayern hinaus Bestürzung ausgelöst. Ein tonnenschwerer Felsbrocken machte das Wohnhaus einer vierköpfigen Familie dem Erdboden gleich, Vater und Tochter starben.
Trauer nach dem Unglück: Kerzen stehen um eni Foto der 18-jährigen Sophie. (© Foto:)
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Traunreuts Bürgermeister Franz Parzinger (CSU) bestätigte nun Berichte, wonach die Schlossbrauerei Stein als Grundeigentümerin des Felshanges bereits in früheren Jahren Versuche zur Sicherung des Geländes mit einem Netz aus Stahlseilen unternommen hatte. Mit Verweis auf eine seltene dort nistende Fledermausart und auf Bergdohlen hätten Naturschützer davon abgeraten.
Ein derartiges Netz hätte dem Felssturz nach Expertenmeinungn jedoch nicht standgehalten. "Ein derartiges Netz wäre von der Funktionsweise her nicht geeignet gewesen", sagte Rohn. "Es ist nicht für mehrere hundert Tonnen ausgelegt."
Zu verhindern gewesen wäre der Absturz des Felsen nur mit einer massiven Betonwand und mit Ankerbohrungen in das Gestein. "Dies hätte aber mit Sicherheit einen sechsstelligen Betrag gekostet", sagte der Professor für Ingenieurgeologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, Joachim Rohn, der Nachrichtenagentur dpa.
Sichere Hinweise auf bevorstehende Felsstürze gibt es nach Erkenntnis des Geologen nur bei wesentlich größeren Abbrüchen. "Je größer die Sturzereignisse sind, desto eher gibt es Anzeichen dafür", erläuterte Rohn. Für Unglücke wie das von Stein a.d. Traun herabstürzendem Gewicht "muss es keine Anzeichen gegeben haben".
Der Geologe verwies auf das Bodeninformationssystem "Georisk" des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU). Darin sind allein für den Freistaat 2200 Hangbewegungen erfasst. Auch Stein a.d. Traun ist in dem Georisk-Atlas verzeichnet. "Dass dort eine Gefahr herrscht, war also bekannt", sagte Rohn. "Wenn ein Haus unter einem nicht gesicherten Fels gebaut ist, besteht potenziell immer eine Gefahr."
Zur Gefahreneinschätzung meinte der 50-Jährige: "Normalerweise sagt einem der gesunde Menschenverstand, da kann einmal etwas herunterfallen." Ob der Felssturz aber tatsächlich eintrete und vor allem wann, "kann niemand sagen".
In Bayern seien Tausende von Objekten auf die gleiche Weise gefährdet. Den Felssturz von Stein a.d. Traun nannte der Geologe einen "natürlichen Vorgang, der immer wieder passiert. Es gibt Klüfte, die eine unglückliche Geometrie haben, so dass sich ein Felsblock aus einer Wand herausbewegen kann." Klüfte in Felsen begünstigten einen Sturz. "Materialbrücken halten den Fels zusammen. Es ist eine Frage der Zeit, wann die Materialbrücken durch Verwitterung oder durch Aufreißen weniger werden."
Das Landesamt für Umwelt war am Unglücksfelsen zu keinem Zeitpunkt mit Messungen befasst. "Wir sind nie im Bereich um das Haus gewesen", sagte Geologe Andreas von Poschinger am Freitag. Der Behördenexperte hatte das Gelände erst am Tag nach dem Felssturz begutachtet.
Das heute zum LfU gehörende frühere Geologische Landesamt gab lediglich in den 1970er Jahren zur sogenannten Höhlenburg rund 200 Meter vom Unfallort entfernt die Empfehlung ab, den Felsen von herabgefallenen Steinen zu säubern.
Mit dem geologischen Gutachten zur Ermittlung der Unglücksursache beauftragte die Staatsanwaltschaft Traunstein Prof. Kurosch Thuro vom Lehrstuhl für Ingenieurgeologie an der Technischen Universität (TU) München. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen will sich Thuro derzeit nicht zu dem Felssturz äußern. Die Staatsanwaltschaft hatte den Namen des Gutachters sogar geheimhalten wollen. "Wir wollen den Mann in Ruhe arbeiten lassen", begründete Behördensprecher Volker Ziegler die Zurückhaltung.
Spenden für die Familie
Die beiden Todesopfer sollen voraussichtlich am kommenden Dienstag (2. Februar) auf dem Waldfriedhof in Traunreut beerdigt werden. Wie es hieß, wollen dazu auch die überlebende Mutter und der Sohn kommen, die derzeit im Traunsteiner Klinikum behandelt werden. Der 16-Jährige und seine Mutter erlitten bei dem Unglück Verletzungen der Wirbelsäule und zahlreiche Brüche, haben aber gute Chancen, wieder ganz gesund zu werden.
Die Stadt Traunreut ist auf der Suche nach einer neuen Bleibe für sie. "Sie stehen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus mit Sicherheit nicht auf der Straße", hatte Bürgermeister Parzinger bereits am Mittwoch gesagt.
Bereits am Montag will der Rathauschef die Öffentlichkeit über den aktuellen Stand der Spendenaktion für die Familie informieren. "Bis jetzt sind 72.000 Euro zusammengekommen", sagte Parzinger.
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(dpa/bica/woja)
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Aus den Artikel geht eindeutig hervor, dass ein Netz gegen Steinschlag das Unglück nicht hätte verhindern können. Trotzdem insinuiert der SZ-Redakteur im Vorspann, dass die Sicherung des Gebäudes "an den Naturschützern scheiterte".
Das nenne ich Stimmungsmache. Wie lange nennt sich die SZ noch "Qualitätszeitung"?
Warum? Jeder der jetzt neu bauen will und sich ein billigeres Grundstück an einen Felshang kaufen will sollte mal nachdenken das nicht immer billig auch gut ist. Vorallem wenn die Sicherung dann:"Dies hätte aber mit Sicherheit einen sechsstelligen Betrag gekostet" so teuer ist. Es ist schlimm was der Familie passiert ist aber gut in dem Sinne das hoffentlich andere Familien nicht den gleiche Fehler auch machen.
Die Überschrift ist unseriös und reißerisch.
Sie gibt den Naturschützern die Schuld für dieses Unglück.
Die Naturschützer haben aber lediglich davon abgeraten ein Netz anzubringen, die Entscheidung obliegt selbstverständlich nach wie vor dem Grundeigentümer.
Außerdem steht ja im Artikel, dass so ein Netz überhaupt nichts gegen den hundert Tonnen schweren Fels gebracht hätte, ist auch irgendwo logisch!
Ich verstehe nicht warum die SZ mit ihren Überschriften oft auf so ein Niveau absinkt, das nichts mehr mit professionellem Journalismus zu tun hat.