Und dann kommt dieser Tag, von dem an nichts mehr ist, wie es vorher war. Lydia Jonda fällt ihrem Mann um den Hals und sagt: ,,Du musst mir helfen, der Arzt hat gesagt, das ist ein bösartiger Lebertumor.'' Rainer Jonda, der sich immer als Beschützer seiner um vier Jahre jüngeren Frau gefühlt hat, ist hilflos. ,,Diese Diagnose hat die Rolle gesprengt, die ich mir selbst in all unseren gemeinsamen Jahren gegeben habe.'' Nun ist es die lebensbejahende Haltung seiner Frau, die ihm Kraft gibt. ,,Sie war ein duldsamer Mensch, hat viel ertragen, ohne mit dem Schicksal zu hadern'', sagt er.

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Jonda setzt alle Hebel für eine Transplantation in Bewegung, bietet sich selbst als Lebendspender an - ein Mensch kann auch mit einem Leberlappen weiterleben, weiß er. Es gibt genug Fälle, in denen das geklappt hat. Doch die Ärzte eröffnen ihm, in seiner Leber sei zu viel Fett eingelagert. Jonda geht ins Fitness-Studio, hungert sich herunter aufs passende Gewicht. Nun stimmen die Werte.

Ein OP-Termin wird in Aussicht gestellt: Dienstag, 21. November. Nur noch eine letzte Untersuchung seiner Leber steht an. Ein Anruf aus der Berliner Charité, in der die Transplantation stattfinden soll, zerstört jedoch die Hoffnung auf eine baldige Organübertragung. Der linke Leberlappen, der in Rainer Jondas Körper verbleiben sollte, ist viel zu klein.

Verzweifeltes Aufbäumen

Lydia Jonda kommt auf die Warteliste für ein Spenderorgan. Ihr Zustand wird kritischer. Der wuchernde Lebertumor drückt aufs Zwerchfell, das Atmen wird zur Qual. Doch die Blutwerte sind nicht dramatisch. In der Charité sagt der behandelnde Arzt: ,,Es gibt Patienten auf der Warteliste, die sind noch viel schlechter dran als Ihre Frau.'' Erst in einem Jahr könne sie damit rechnen, in eine bessere Fallgruppe aufzusteigen. Über die Organzuweisung entscheide schließlich die Stiftung Eurotransplant im niederländischen Leiden.

Jonda entschließt sich zu einem letzten Schritt: Er will seine Frau in China operieren lassen, wo für viel Geld Spenderorgane zu haben sind. ,,Das ist moralisch äußerst fragwürdig, aber das war mir in diesem Fall egal'', sagt er. Das Visum für sich und eine Übersetzerin hatte er bereits in der Tasche. Am 10. März 2006 sollte die Maschine abheben.

Am 8.März wird Jonda durch beunruhigende Atemgeräusche geweckt. Seine Frau ist nicht mehr ansprechbar. Notfallmediziner holen sie zu Bewusstsein zurück. Noch einmal keimt Hoffnung auf: Als die Ärzte der Charité vom bedrohlichen Zustand der Patientin erfahren, entscheiden sie: Sanitäter sollen die 54-Jährige umgehend nach Berlin bringen. Dort kommt sie nicht mehr an. Lydia Jonda stirbt im Krankenwagen auf der Autobahn nahe Leipzig.

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  1. Der Tod kennt keine Warteliste
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(SZ vom 10.05.2007)