FDP nach den Wahlen "Wir müssen auf nichts mehr Rücksicht nehmen"

"Die Vergangenheitsbewältigung ist abgeschlossen": FDP-Generalsekretär Daniel Föst.

Statt "FDP" steht nun "APO" auf den Ansteckern der Freidemokraten: Die Liberalen in Bayern freunden sich nach den desaströsen Wahlen und dem Verlust ihres Spitzenpersonals mit ihrer neuen Rolle an - und freuen sich über viele neue Mitglieder.

Von Katja Auer

Die Farben sind geblieben, blaue Schrift auf gelbem Grund. Aber statt "FDP" steht auf den Ansteckern, die die Mitglieder des neuen Landesvorstands der Liberalen an ihren Revers tragen, jetzt "APO" - außerparlamentarische Opposition. Mit dieser Rolle freundet sich die ehemalige Regierungspartei gerade an. "Wir sind unabhängig wie noch nie", sagt der neue bayerische Generalsekretär Daniel Föst nach einer Klausur des Landesvorstands am Wochenende in Hirschaid bei Bamberg. "Wir müssen auf nichts mehr Rücksicht nehmen."

Bei den Landtagswahlen im September mussten die Liberalen nicht nur ihre Ministerposten in der Regierung, sondern gleich alle 15 Abgeordnetensessel räumen. Die CSU holte sich die absolute Mehrheit zurück, die FDP kehrte nach fünfjährigem Intermezzo zurück in die außerparlamentarische Opposition. Wenig später folgte die nächste Wahlschlappe, und die Liberalen zogen auch aus dem Bundestag aus.

Nach der ersten Schockstarre und dem Rückzug der bisherigen Landesvorsitzenden Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und des ehemaligen Spitzenkandidaten und Wirtschaftsministers Martin Zeil folgte ein "basisdemokratischer Urknall". So nennt das jedenfalls die neue stellvertretende Landesvorsitzende Christine Alberternst aus Nürnberg heute.

Duin will einen basisdemokratischen Kurs einschlagen

Auf dem Parteitag in Bamberg im November wählten die Delegierten nicht den früheren Landtagsfraktionschef Thomas Hacker zum neuen Chef, der zunächst als einziger Kandidat vorgesehen war, sondern stimmten für den bis dahin in der Partei nahezu unbekannten Münchner Unternehmer Albert Duin, 60. Der hatte frischen Wind versprochen und ein neues Personaltableau an der Parteispitze gefordert. Ganz offensichtlich zum Gefallen der Delegierten.

Der neue Kurs soll deutlich basisdemokratischer geprägt sein, erklärt Föst am Sonntag. Die Mitglieder sollen stärker eingebunden werden, nicht nur, weil die FDP nach den Wahlniederlagen beinahe nur noch aus Ehrenamtlichen besteht. Die außerparlamentarische Opposition will mit deutlich weniger Geld und schwächeren Strukturen betrieben werden. Föst kündigt deswegen eine Parteireform an. Fachsprecher sollen künftig als Gegenspieler der Minister auftreten, als "liberales außerparlamentarisches Schattenkabinett", wie es Geschäftsführer Martin Hagen formuliert. Noch wird diskutiert, ob nicht nur Delegierte, sondern auch einfache Mitglieder auf den Parteitagen künftig Anträge stellen können.

Die Motivation sei da, sagt Föst, und seit den Wahlniederlagen erlebt die Partei einen Mitgliederzuwachs. Um die 5300 sind es zurzeit in Bayern. "Jetzt kommen die, die wirklich etwas machen wollen", sagt Föst. Er erhofft sich bei den Kommunalwahlen im März einen Schub für die FDP. Beinahe flächendeckend wollen die Liberalen antreten, die Listen seien oft besser gefüllt als vor sechs Jahren, heißt es. Allein die drei stellvertretenden Landesvorsitzenden kandidieren als Oberbürgermeister: Christine Alberternst in Nürnberg, Horst Meierhofer in Regensburg und Sebastian Körber in Forchheim.

"Die Vergangenheitsbewältigung ist abgeschlossen", sagt Föst. Er will künftig "ein bisschen mehr Populismus" zeigen, um wahrgenommen zu werden, und zeigen, dass die FDP nah am Bürger sei. Online sollen die Liberalen präsent sein und sich unabhängiger von den klassischen Medien machen. "Eigentlich", sagt Föst, "sind wir ganz nette Kerle", und er schließt die Damen ausdrücklich ein. Das allerdings müsse den Wählern wieder klargemacht werden. Und dann soll auch der Wiedereinzug in die Parlamente klappen.