CSU-Chef Seehofer hat es geschafft, Wirtschaftsminister und Kabinettskollegen Zeil als Mann ohne Herz dastehen zu lassen.
Dieser Tag hatte so schön angefangen für Wirtschaftsminister Martin Zeil. In Deggendorf durfte der FDP-Politiker einem Mittelständler, der eine neue Fabrik baut, einen Zuschussbescheid vom Freistaat überreichen.
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FDP-Politiker Martin Zeil: Mit seiner Erfahrung kann er bislang nicht mit Horst Seehofer mithalten. (© Foto: ddp)
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"Im Namen des Steuerzahlers", hatte Zeil sehr staatstragend gesagt. In seinem Ministerium haben sie eine Bezeichnung für solche Termine: Sterntaler verteilen. Jeder Minister liebt Termine, bei denen er Geld ausgeben kann. Aber die Freude hält an diesem Freitag nur kurz. Für die 260 Arbeiter der Glashütte im niederbayerischen Riedlhütte, die er kurz darauf besucht, hat er keine guten Nachrichten. Da stehen die Betriebsräte um ihn herum und Zeil sagt: "Die Schließung ist unabänderlich. Wir müssen die Entscheidung akzeptieren."
Am Werkstor hängt ein Transparent: "Das Sterben geht weiter". Danach ist jetzt auch die Stimmung. Wie auf dem Friedhof.
Minister Zeil ist der Überbringer der schlechten Nachrichten. Tags zuvor hatte sich auch CSU-Chef Horst Seehofer mit den Glashütten-Arbeitern getroffen. Er hatte sie zu sich in die Staatskanzlei eingeladen. 300 Leute waren da. "Ich werde für Ihre Anliegen kämpfen", hatte Seehofer den besorgten Arbeitern gesagt. Dann wurde noch das Glasmacherlied gesungen. Da konnten sie sich aufgehoben fühlen.
So unterscheiden sich die Auftritte von Seehofer und Zeil jetzt im Wahlkampf. Der eine gibt Hoffnung, der andere nimmt sie. Das bleibt nicht ohne Folgen. Allmählich festigt sich das Bild von Zeil als Wirtschaftspolitiker ohne Herz.
Die CSU ist daran nicht unschuldig. Sie bedient es fleißig. "Die FDP zeigt leider keinen Einsatz in der Sache", hatte sich Zeil neulich schon von CSU-Minister Markus Söder anhören müssen, als er bei Sonderhilfen für den krisengeschüttelten Großraum Nürnberg den Bedenkenträger gab. Aber Zeil hat dem politischen Gegner die Angriffsfläche selbst geboten.
Seitdem die Wirtschaftskrise auch den Freistaat mit voller Wucht erwischt hat, häufen sich Fälle, in denen er den Ernst der Lage nicht erkannt hat. Als Mitte Juni der Handelsriese Arcandor Pleite ging und auch Tausende Beschäftigte der Versandhaus-Tochter Quelle in Franken um ihren Job bangten, sah er keinen Grund, seinen Amerika-Urlaub vorzeitig abzubrechen.
Telefonisch ließ er ausrichten: "Es gibt keinen Anlass zu Aktionismus." Bei den Angestellten kam das nicht gut an. Bei seinem Auftritt in Nürnberg vor zwei Wochen, als Kommunalpolitiker und Wirtschaftsvertreter ein Konzept verlangten, wie der Region geholfen werden könne, gab er wieder den Unberührten. Er lehnte eine Sonderbehandlung für Quelle ab.
Seinen schwersten Fehler machte Zeil bei der Belegschaft aus Riedlhütte. Die Arbeiter wollten Zeil mit einer großen Delegation in München besuchen und so ihrer Existenzangst Ausdruck verleihen. Aber Zeils Haus beharrte auf einem Gespräch auf Arbeitsebene - den großen Auftritt wollte sein Ministerium nicht. Die Arbeiter fühlten sich ausgeladen. Wie tief der Frust sitzt, konnte man am Freitag erst wieder am Werkstor vernehmen, als Zeil die Glashütte besuchte. Betriebsratsvorsitzender Georg Seidl sagte: "Damals, als wir den Minister gebraucht haben, war er nicht da."
Um mit Seehofer mitzuhalten, reicht Zeils Erfahrung bislang nicht
Für eine Partei wie die FDP, der immer noch negativ nachhängt, die Partei der Besserverdienenden zu sein, ist diese Außenwahrnehmung fatal. Seehofer hat die Staatskanzlei für die Belegschaft geöffnet, er kam als mitfühlender Politiker bei den Arbeitern an. Da zeigte sich, wer von beiden der erfahrene Wahlkämpfer ist und wer noch viel lernen muss.
Für den 53-jährigen Zeil ist der Aufstieg zum Wirtschaftsminister ein großer Karrieresprung gewesen, zuvor war der Jurist in führender Position in einer Privatbank beschäftigt. Das politische Geschäft lernte er als Kommunalpolitiker im Landkreis Starnberg. Für die FDP saß er drei Jahre im Bundestag. Um mit Seehofer mithalten zu können, reicht das noch nicht. Der stellt Zeil als einen hin, der in seinem ersten Amtsjahr nichts geleistet hat.
Die Realität sieht ein wenig anders aus: Dem insolventen Wohnwagen-Hersteller Knaus Tabbert verhalf die Staatsregierung mit einer Bürgschaft von 22 Millionen Euro zum Neuanfang. Die Porzellan-Manufaktur Rosenthal hat auch nur deshalb eine Zukunft, weil der Freistaat fünf Millionen Euro aus der Regionalförderung abzweigte und darüber hinaus Bürgschaften gewährte.
Selbst beim umstrittenen Überbrückungskredit für Quelle hatte sich Zeil keineswegs quergestellt - aber an all dies erinnert sich im Wahlkampf niemand, wenn Zeil bedrückten Arbeitern die kalte Schulter zeigt.
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(SZ vom 31.08.2009/gba)
Die neueste Antwort
"Ich kann die den vorherigen Kommentar nur unterstreichen.
Herr Zeil hat als Kommunalpolitiker lediglich nur vor sich hin und rum- "schwadroniert".
Wer es selbst erleben möchte, sollte sich seine gelegentlichen Statements in Radio und TV anhören.
Sie sind langweilig, sinn-, substanz- und oft auch ergebnislos.
Er ist grundsätzlich für seine Klientel "die Reichen und Vermögenden im Landkreis Starnberg" tätig geworden. Grundsätzlich heißt hier "hauptsächlich"!
Mir ist kein soziales Projekt im LK Starnberg bzw. Gauting erinnerlich, das Herr Zeil aktiv initiert hat und/oder dem er mit Verve vorausgegangen ist.
Genauso handelt er jetzt als Wirtschaftsminister. Wer es wissen wollte, konnte es also vorher wissen.
Dies hat nichts, gar nichts mit mangelnder Erfahrung von Herrn Zeil zu tun, sondern vielmehr mit seiner Einstellung.
Wer weiß, wo und was er vorher als Tätigkeit hatte, braucht sich nicht zu wundern.
Wer ist bei einer größeren Privatbank Kunde?
Nicht die Arbeiter der Riedelhütte, nicht die Arbeiter von Schaeffler, nicht die Arbeiter von Rosental und nicht die Mitarbeiter von Quelle.
Noch dazu sind diese sehr weit aus dem Landkreis Starnberg entfernt zu Hause.
Dies zeigt auch der Einsatz des Herrn Zeil gegen Flugplatz in Oberpfaffenhofen ganz deutlich.
Die FDP war noch nie und wird es auch nicht mehr, die Partei des "kleinen" Mannes.
Ich kann nur hoffen, dass der Wähler es endlich kapiert und am 27.09.2009 daraus die richtigen Konsequenzen zieht."
Auch wenn es der SZ nicht gefällt.
Die Landesvorsitzende der FDP konnte sich als Bundesjustizministerin nicht durchsetzen, aber anstatt konstruktiv weiterzuarbeiten ist sie lieber unter Tränen vor die Presse getreten und hat ihren Posten hingeschmissen.
Der Rechnungshof fordert das Ende von BRSO und RFO, die Reaktion des FDP-Kunstministers ist der lapidare Hinweis, dass dies ein Problem des BR sei, anstatt Prof. Gruber zu unterstützen.
Herrn Zeil lässt man momentan spüren, dass er im Spiel Politik ein Amateur ist. Doch anstatt sein Verhalten kritisch zu hinterfragen, dankbar zu sein und zu lernen, ist er beleidigt.
Insofern ist Zeil kein isolierbares Einzelbeispiel, sondern symptomatisch für den Zustand der bayerischen FDP.
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und zwar im Handumdrehen. Das macht dort auch die Kanzlerin - und wird sonst nicht gesehen.
Wie sich die Bilder gleichen: Das Gute kommt vom Regierungschef. Das Schlechte verkünden die Minister!
... konstituieren sich aus zu vielen "Zeils", unter denen sich (nicht selten vermeintliche, gelegentlich auch gar keine) Leistung für zu wenige auserwählte MitbürgerInnen lohnt.
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