FC Bayern, Hoeneß und die CSU Die Leiden des Bewunderers Seehofer

Von Horst Seehofer stammt der Satz: "Wenn es dem FC Bayern gut geht, dann geht es auch der CSU gut." Der bayerische Ministerpräsident war immer ein großer Bewunderer von Uli Hoeneß. Jetzt, da gegen den FC-Bayern-Präsidenten wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird, schweigt der CSU-Chef. Er fürchtet, dass die Affäre seiner Partei im Landtagswahlkampf schadet.

Von Mike Szymanski

Für Uli Hoeneß lässt CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer alles und vor allem jeden stehen. Seinen Neujahrsempfang in der Münchner Residenz im vergangenen Jahr mit 1700 Gästen verließ er um kurz nach halb elf. "Jetzt reicht's", sagte Seehofer. Die Trachtler, die Gebirgsschützen, sie waren jetzt nicht mehr wichtig.

Hoeneß wartete schon im Postpalast, ein paar Autominuten entfernt feierte der Bayern-Präsident seinen 60. Geburtstag. Seehofer machte einen Staatsakt draus. "Der FC Bayern ist eine Weltmarke. Dass der Verein so dasteht, ist vor allem das Werk von Uli Hoeneß", schwärmte Seehofer. Ein paar Tage zuvor hatte Seehofer bereits die CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth frühzeitig verlassen, um am Abend bei Hoeneß' Privatparty dabei sein zu können. Hoeneß sei für ihn ein Vorbild, sagte Hoeneß-Fan Seehofer.

Triple-Sieger im Gefängnis

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Seit ein paar Tagen ist Hoeneß nicht mehr nur ein bewunderter Fußball-Manager. Es gibt jetzt einen "Fall Hoeneß", oder wenn man weiter gehen will: eine "Affäre Hoeneß". Gegen ihn wird wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Wird aus dem Fall, aus der Affäre Hoeneß, ein Fall für die CSU? Es herrscht Landtagswahlkampf in Bayern, und die Opposition arbeitet jedenfalls bienenfleißig daran. Bayerns SPD-Chef Florian Pronold langte schon ordentlich hin: "Hoeneß ist kein Vorbild mehr." Und weil vor allem die CSU immer die Nähe zu Hoeneß suchte, meint Pronold bereits "Amigo-Praktiken" ausgemacht zu haben.

Der Verein taumelt zwischen Siegesrausch und Entsetzen. Die CSU auch.

Die CSU und der FC Bayern - beide betrachten sich als Ausnahmeerscheinungen. Der Verein im Sport, die Partei in der Politik. Von Seehofer stammt der Satz: "Wenn es dem FC Bayern gut geht, dann geht es auch der CSU gut." Im Moment taumelt der Verein zwischen Siegesrausch und Entsetzen. Der CSU geht es auch ein bisschen so. Umfragen lassen die Partei wieder von der Rückkehr zur Alleinregierung träumen. Ein paar Prozent könnten am 15. September in Bayern alles entscheiden. Was die CSU nicht gebrauchen kann, ist ein Amigo-Fall.

Es war eine beiläufige Bemerkung Seehofers am vorigen Samstag, die die Spekulationen angeheizt hat. Da hatte er gesagt, "vor einer geraumen Zeit" über die Ermittlungen informiert worden zu sein. Ende Januar hatte Finanzminister Markus Söder (CSU) den Regierungschef "nachrichtlich" informiert, sagt Söders Sprecher. Auch Justizministerin Beate Merk und Innenminister Joachim Herrmann hielten den Regierungschef auf dem Laufenden, ist zu erfahren. Die CSU hatte auch vehement für das Steuerabkommen mit der Schweiz gekämpft, auf dessen Zustandekommen Hoeneß bis zuletzt gehofft hatte, um seine Steuerschuld ganz im Stillen begleichen zu können.

SPD und Grüne in Bayern vermuten, dass Hoeneß womöglich eine Extra-Behandlung zuteilwurde, und fordern Aufklärung von der Staatsregierung. Es ist ja nicht so, dass dies in Bayern unvorstellbar wäre. Ex-Bayern-Spieler Franz Beckenbauer hat in seinen Memoiren selbst über den fürsorglichen Umgang der bayerische Finanzverwaltung mit ihm geschrieben. Der damalige Finanzminister Ludwig Huber (CSU), ein Stammgast beim FC Bayern, habe persönlich Steuertricks mit der Schweiz erklärt und das Angebot gemacht: "Franz, wenn was ist, nur melden." Das nannte man damals im Ministerium "Rechtsberatung für einen Bekannten".

Das ist aber auch schon gute 30 Jahre her. Brandaktuell ist und bleibt der Umstand, dass Bayerns Steuerverwaltung seit Jahren chronisch unterbesetzt ist, laut Gewerkschaft fehlen 2000 Männer und Frauen. Als Steuerhinterzieher kann man sich in Bayern sicherer fühlen als in anderen Bundesländern. Diesen Schluss legen die Statistiken nahe. Wirklichen Ehrgeiz, daran etwas zu ändern, hat die Staatsregierung trotz Dauerkritik des Bayerischen Obersten Rechnungshofes nicht erkennen lassen. SPD-Chef Sigmar Gabriel findet, die Bayern würden durch ihre Nachlässigkeit Beihilfe zur Steuerhinterziehung leisten. So verstärkt sich in diesen Tagen noch der Eindruck, Reiche wie Hoeneß würden womöglich bewusst von der CSU geschont.