Familien mit schwer kranken Kindern Behüten, aber nicht einsperren

Franka Müller, die Mutter mit den drei Töchtern, ist auch ständig auf der Hut. "Jede Sekunde kann sich mein Leben ändern", sagt sie. Nie weiß sie, ob ihre beiden kranken Töchter den Tag unversehrt überstehen. Neulich ist Lilly im Kindergarten gestürzt, und zuerst dachten alle, der Arm sei gebrochen, so wie ein paar Monate zuvor. Da war Lilly kurz bei der besten Freundin der Mutter, weil die ein Vorstellungsgespräch hatte. Kaum war Franka Müller weg, rief die Freundin an: Lilly ist gestürzt! Sie trug eineinhalb Monate Gips, alles ist so zerbrechlich an ihr.

Franka Müller will ihre Mädchen nicht in Watte packen, behütet sie, sperrt sie aber nicht ein. Sie sollen Kinder sein, trotz allem. Und es kann immer passieren, wie vor ein paar Wochen, als Anna beim Aussteigen aus der Straßenbahn stürzte. Sie fiel mit dem Gesicht auf den Asphalt, es hat sehr weh getan. Mindestens genauso hat sie aber geschmerzt, die eigene Verletzlichkeit zu spüren, und die Blicke. "Sie hat geweint", erzählt die Mutter, "weil die Leute so geschaut haben."

"Sie kann ihre Kindheit nicht genießen"

Es ist ein heller Herbstnachmittag, die Strahlen der Sonne tauchen das Wohnzimmer in warmes Licht. Lisa besucht die vierte Klasse, nächstes Jahr könnte sie aufs Gymnasium gehen, ihre Noten sind so gut. Und das, obwohl Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, obwohl sie zu Hause so sehr mithilft. Die Mutter sorgt sich deshalb nicht nur um die Gesundheit von Anna und Lilly, sondern auch um Lisa.

"Sie kann ihre Kindheit nicht genießen", sagt Franka Müller. Wie gerne würde sie mit ihren Schwestern herumtollen, draußen spielen, aber es geht nicht. Umso größer ist die Freude, wenn mal eine Freundin zu Besuch ist und Lisa einfach ein Kind von neun Jahren ist.

Lilly, die Jüngste, weint. Sie ist vom Sofa auf den Schoß von Lisa geklettert, kuschelt sich an die Schwester. "Psssst", sagt Lisa, ganz sachte, "schschsch."

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