Familien mit schwer kranken Kindern Eine Diagnose, die alles verändert

Stark sein muss auch Alina Merk. Es war im Januar, als ihr Sohn Mirco über ein entzündetes Ohrläppchen klagte. Seltsam war das. Wenig später fing der Rücken zu schmerzen an. Trag deine Tasche gerade, hat die Mutter ihrem Sohn geraten, "ich habe mir nichts weiter dabei gedacht". Bestimmt ein Infekt, der nicht ausbrechen will.

Mirco und seine Mutter tasten sich nach der Chemotherapie in den Alltag zurück. Sie backen auch schon wieder Pfannkuchen, Mircos Lieblingsessen.

Bald sagte Mirco, acht Jahre alt damals, dass ihm alle Knochen weh täten, und da sind sie dann zum Kinderarzt. Blutuntersuchung. Wenig später der Anruf: Bitte unbedingt in die Kinderklinik. Wieder Blutabnahme, dann der Anruf: Nochmals kommen, sofort. Das war Anfang März. Einen Tag später begann die Chemotherapie. Mirco hat Leukämie.

"Die ersten zwei Wochen wollte ich es gar nicht wahrhaben", sagt Alina Merk, 28. Sechs Wochen ist sie bei ihrem Kind in der Klinik geblieben, später immer wieder mal einzelne Nächte, "weil es ihm so schlecht ging, ich konnte ihn doch nicht allein lassen". Mirco kann zwischendurch nicht mehr laufen, die Mutter schiebt ihn im Rollstuhl durchs Krankenhaus. Mirco muss immer wieder erbrechen, kann kaum etwas behalten. "Ich konnte lange nicht aus dem Bett raus", sagt der Bub.

Langsam tastet sich Mirco in den Alltag zurück

Die Ärzte pflanzen ihm einen Venenkatheter ein. Zu sehen sind am Hals und an der Brust dünne, weiße Schläuche, durch sie fließen Medikamente in den Körper. Kein Tag, an dem die Mutter nicht bei ihrem Sohn am Bett ist, später sind sie jeden zweiten Tag beim Arzt. An Arbeiten ist für die alleinerziehende Mutter nicht zu denken, auch nicht an Erholung. Das Geld ist sehr knapp, reicht nicht mal für ein richtiges Bett, geschweige denn für ein paar Tage Urlaub, einfach nur zum Ausruhen.

Vor ein paar Tagen erst, nach einem Dreivierteljahr, haben sie Mirco den Katheter herausoperiert, der Junge hat ihn gleich an seine Zimmertür geklebt. Die Schläuche sind jetzt Erinnerung an eine ganz schwere Zeit. Doch in diesen Monaten ist die Hoffnung gewachsen, die Hoffnung, dass alles wieder gut wird. "Bisher ist alles super gelaufen", sagt die Mutter, die Therapie habe angeschlagen.

Und nun tastet sich Mirco langsam in den Alltag zurück, geht wieder zum Sport und steht mit der Mama in der Küche und backt Pfannkuchen, sein Leibgericht. Mircos Lehrerin ist regelmäßig zu ihm nach Hause gekommen, weil sie ihm helfen wollte. So hat er nicht allzu viel versäumt und besucht jetzt die vierte Klasse. Mirco geht mit Mundschutz in die Schule, um keinen Infekt zu riskieren.